Online | Vortrag
VORTRAG VON RUBEN AREVSHATYAN „DIE STADT VON MORGEN“ ÜBER SOWJETISCHEN MODERNISMUS

Ruben Arevshatyan
© Goethe-Institut Nowosibirsk

Im Rahmen des Internationalen Designfestivals NSUADA „Roter Prospekt“

Am 23. April um 15 Uhr (Nowosibirsker Zeit) wird der Kurator und Architekturhistoriker Ruben Arevschatyan beim IV. Internationalen Designfestival der Nowosibirsker Staatlichen Universität für Architektur, Design und Kunst (NSUADA) „Roter Prospekt“ einen Online-Vortrag über das Forschungs- und Ausstellungsprojekt Die Stadt von morgen halten. Der Vortrag wird live auf den YouTube-Kanal von NSUADA gestreamt.
 
Von Jahr zu Jahr wächst das Interesse am sowjetischen modernistischen Architekturerbe, sowohl in postsowjetischen als auch in breiten internationalen Fach- und Institutionskreisen, das sich in Studien, Publikationen, Ausstellungen, Wissenschaftskonferenzen und Kunstprojekten spiegelt. Und paradoxerweise entwickelt es sich parallel zum Prozess des Verschwindens dieser riesigen, vielschichtigen kulturellen und historischen Substanz aus der modernen Stadtumgebung der ehemaligen Sowjetrepubliken.
 
Die Architekturtransformationen dieser Städte spiegeln am deutlichsten nicht nur die Unterschiede, sondern auch die Gemeinsamkeiten in der Logik der politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungsprozesse in ehemaligen Sowjetrepubliken wider, und erschließen zugleich die Zusammenhänge im komplexen und sehr widersprüchlichen kollektiven Bewusstsein der postsowjetischen Gesellschaften.
 
Das Ausstellungsprojekt Die Stadt von morgen erforscht die heute wieder aktuell gewordenen alternativen Ideen der Gesellschaftsordnung, die innovative Projekte der sowjetischen Architektur prägten, sowie deren tiefe Verbindung mit den universellen sozial orientierten Prinzipien der internationalen modernistischen Bewegung des 20. Jahrhunderts. Die meisten utopischen Projekte aus der sowjetischen Ära sind nur fragmentarisch erhalten oder gescheitert. Viele Strukturen, Formen und ideologische Modernismusansätze sind verschwunden oder haben ihre Relevanz verloren. Dennoch bilden Architekturkonzepte und einzelne Gebäude der sowjetischen Ära nach wie vor die Gestalt der Städte der ehemaligen Sowjetunion – und eine neue Generation von Urbanist*innen, Architekt*innen, Historiker*innen und Kulturwissenschaftler*innen setzt sich inzwischen für deren Erhaltung und Neubewertung ein.
 
Die Ausstellung Die Stadt von morgen ist ein regionales Projekt des Goethe-Instituts und das Ergebnis der Forschung eines internationalen Kurator*innenteams: des sowjetischen Architekturforschers und Präsidenten der AICA Armenien (Association Internationale des Critiques d´Art, AICA) Ruben Arevshatyan, der Mitarbeiterin des Мuseum of Modern Art New York (MoМА) Anna Katz und des Gründers und Redakteurs der österreichischen Zeitschrift für Gegenwartskunst springerin Georg Schöllhammer. Das Ausstellungsprojekt startete in Jerewan, wurde in Minsk fortgesetzt und Ende vergangenen Jahres in der Neuen Tretjakow-Galerie Moskau vorgestellt. In diesem Jahr soll die Ausstellung in Novosibirsk präsentiert werden und nächstes Jahr wird sie ihre Reise durch die Hauptstädte der ehemaligen Sowjetrepubliken fortsetzen. In jeder Stadt und an jedem Veranstaltungsort behält die Ausstellung als Zentrum das Hauptarchiv und die speziell entwickelten Ausstellungsmodule bei und erfährt zugleich Veränderungen – fokussiert auf den lokalen Kontext, die Geschichte und das weitere Schicksal der modernistischen Architektur in den postsowjetischen Republiken.

 
Ruben Arevshatyan
ist Künstler, Kunstwissenschaftler und Kurator. Er ist Präsident der AICA Armenien (Association Internationale des Critiques d´Art, AICA) und unterrichtet am Institut für zeitgenössische Kunst in Jerewan. Seine Artikel wurden in internationalen Fachzeitschriften über moderne Kunst, Architektur und Theorie veröffentlicht – vor allem zu den Themen und Problemen des Stadt- und Kulturwandels, insbesondere im postsozialistischen Kontext. Er ist Mitglied des Onlinemagazins www.red-thread.org. Er kuratierte internationale Ausstellungsprojekte und nahm an einigen teil, darunter Große Atrophie, Parallelrealität, Lokale Moderne, Sowjetmodernismus. Unbekannte Geschichten 1955–1991, Déjà-vu STANDARD und Die Stadt von morgen. 2011 war er Kurator des armenischen Nationalpavillons bei der 54. Biennale der Künste und 2014 Kurator des armenischen Nationalpavillons bei der Architekturbiennale in Venedig. Er ist Autor und Kurator des internationalen Forschungsprojekts Süße 60er. Zudem war er wissenschaftlicher Projektleiter des Restaurierungsprojekts des Kreativhauses der Schriftsteller*innen am Sewansee im Rahmen des Programms Keeping it Modern der Getty-Stiftung. Er lebt und arbeitet in Jerewan.

Details

Sprache: Russisch

Anna.Morosowa@goethe.de

Beginn: um 15:00 Uhr Nowosibirsker Zeit