Houston
There Are Black People In The Future: Kollektive kreative Maßnahme

Project Row Houses in der Holman Street in Houston, 2015 Foto: Peter Molick

Wie können kollektive kreative Maßnahmen dazu beitragen, die Geschichte und Identität einer Gemeinschaft zu bewahren? Wie können wir die Zukunft durch die Linse Schwarzer Geschichte(n) vorstellen?  

Da die aktuelle Entwicklung des städtischen Lebensraums in Houston eine Drohung für die Schwarzen Einwohner*innen und für die Zukunft des historischen Third Wards darstellt, nehmen wir den afrofuturischen Text There Are Black People In The Future der Künstlerin Alisha B. Wormsley als Grundlage, Gespräche zu katalysieren, die die Veränderungen in einer sich verändernden Stadt positiv beeinflussen.

Gemeinsam mit Project Row Houses (eine Gemeinschaftsinititative in Houston, die das lokale Leben durch Kunst bereichert, mit einem Fokus auf kulturelle Identität und ihrem Einfluss auf die urbane Landschaft) initiiert das Goethe Pop Up Houston ein Artwork-in-Residence für Projekte, die sich durch Kunst und Praxis mit Wormsleys Text auseinandersetzen.

Veranstaltungen im Rahmen dieses Projekts
auf der Website des Goethe Pop Up Houston

Beteiligte Künstler*innen

Alisha B. Wormsley © Alisha B. Wormsley
Alisha B. Wormsley ist interdisziplinäre Künstlerin und Kulturproduzentin. Ihre Arbeit kreist um das kollektive Gedächtnis und die Synchronität der Zeit, insbesondere im Hinblick auf die Geschichten von Women of Color. 

Residenzkünstler*innen

There Are Black People In The Future ist eine virtuelle Residenz, die von der Künstlerin Alisha B. Wormsley in Zusammenarbeit mit Goethe Pop Up Houston und Project Row Houses geleitet wird. Diese Residenz lädt Künstler*innen, Lehrer*innen und Aktivist*innen, um sich mit Wormsleys Text There Are Black People In The Future in ihren eigenen Communities auseinanderzusetzen. Das Residenzprogramm umfasst ein Honorar von 1.000 USD, Workshops, gemeinsame Diskussionen und Abschlusspräsentationen.
 
Die Ergebnisse der Residenz werden vom 16. bis 21. November 2020 virtuell vorgestellt. Weitere Informationen folgen.


Baiyinah & Summayah Abdullah Baiyinah & Summayah Abdullah
Baiyinah, auch bekannt als Ms. Abdullah, unterrichtet neunte Klasse Biologie im Karankawa-Gebiet in Houston, Texas. Sie ist Absolventin der Universität Houston und des Programms teachHOUSTON. Als Pädagogin gilt ihr Interesse der Förderung kulturell ansprechender Pädagogik und der Fähigkeit, wissenschaftlich zu arbeiten. Als Wissenschaftlerin widmet sie sich Vogelbeobachtung, engagiert sich ehrenamtlich in Vogelberingung und beschäftigt sich mit dem Thema Umweltgerechtigkeit. Baiyinah freut sich auf die Gespräche und Arbeit im Bereich Community Healing, Restorative Justice und gleichberechtigten Zugang zu Bildung und zur Natur.

Summayah ist gerade im letzten Jahr ihres Studiums der menschlichen Entwicklung und Familienstudien mit Nebenfach Psychologie an der Universität Houston. Sie engagiert sich leidenschaftlich und mit Überzeugung für ihre Arbeit im gemeinnützigen Sektor zur Überbrückung sozialer Ungerechtigkeiten. Aufgewachsen ist sie in einem aus Ohio stammenden 12-köpfigen Vier-Generationen-Haushalt in Galveston, Texas. Ihre Familie verbindet eine Leidenschaft für lokale Black History, die Verbindung zwischen Houston und der Insel Galveston und die Frage, wie Migration afroamerikanische Geschichten im ganzen Land miteinander verbindet.

Baiyinah und Summayah werden in mehreren historisch und kulturell bedeutsamen Bereichen der Stadt Kunstinstallationen aufstellen lassen, wie etwa im Third Ward, in Freedmen’s Town, Independence Heights, Kashmere Gardens, Montrose und Alief. Diese Installationen werden von Jugendlichen aus Houston unter der Betreuung lokaler Künstler*innen geschaffen. Baiyinah und Summayah wollen damit die historische und kulturelle Bedeutung der Region aufzeigen und gleichzeitig den Bogen zwischen der Vergangenheit und unserer verbundenen Zukunft spannen. Während ihres Aufenthaltsstipendiums veranstalten Baiyinah und Summayah virtuelle Podiumsdiskussionen mit Schwarzen und anderen BIPOC-Amerikanern aus verschiedenen Bereichen, die von den Houstoner Schüler*innen selbst gewählt werden. Gemeinsam führen sie die Stimmen und die Vision der Schwarzen Jugend Houstons für unsere Zukunft an einem zentralen Ort zusammen.

Marcos Hernandez Chávez  Marcos Hernandez Chávez
Der in Aldine, Texas, ansässige interdisziplinäre Künstler Marcos Hernandez Chávez ist in Mexiko geboren und in Texas aufgewachsen. Er arbeitet an der Schnittstelle von Landschaft, Poesie und Nuestra Historia. Als Sohn eines pensionierten Bauarbeiters und einer Hauswirtschafterin, die in den sechziger Jahren als Landarbeiter in die Vereinigten Staaten kamen, ist Chávez Zeitzeuge des generationenübergreifenden Traumas, das Grenzen Völkern und deren Geschichten zufügen können. Seine Arbeit ist eine visuelle Erkundung übersehener Industrien und Menschen und verwendet oft als alltäglich angesehene Materialien. So kommentiert er die unsichtbare Infrastruktur des ‚Braunseins‘ in einer Gesellschaft, die nach außen hin stets beteuert, ‚farbenblind‘ zu sein.

Chávez wird rund um den südlichen Teich des Keith-Weiss-Parks in North Houston einheimische Blumen pflanzen, die als Schriftzug angeordnet werden: HAY GENTE MORENA EN EL FUTURO, also „In der Zukunft gibt es Braune Menschen“. Er hofft, dass sein Werk seiner Gemeinschaft Freude macht und das Bewusstsein dafür schärft, wie wichtig sie für das Land ist und welche Wertschätzung sie genießt.

Kam Franklin Kam Franklin
Kam Franklin ist Singer-Songwriter, bildende Künstlerin, Schriftstellerin, Schauspielerin, Rednerin, Aktivistin, Model und Tänzerin aus Houston, Texas. Am bekanntesten ist sie für ihre Arbeit mit der Soul-Band The Suffers von der Golfküste. Sie wurde dreimal mit dem Houston Press Music Award für die beste Sängerin ausgezeichnet und ist für ihre einzigartigen Gemeinschaftsprojekte bekannt, darunter: Vertretung von H.R. (der Band Bad Brains) während des Afropunk Superjam 2016, Auftritte in der March For Science-Band 2016 an der Seite von Jon Batiste und Stay Human, Judith Hill und Fred Wesley sowie wiederholte Auftritte beim Newport Folk Festival, wo sie an zahlreichen Tributes und Kollaborationen teilgenommen hat. Seit 2018 ist sie als Vorstandsmitglied von Headcount.org tätig. Als Frontfrau von The Suffers trat Kam in The Late Show mit David Letterman, The Daily Show mit Trevor Noah und bei Jimmy Kimmel Live auf, außerdem war sie Gast in der Radiosendung All Things Considered von NPR. Über Franklin berichteten außerdem Medien wie Forbes, Vice, Buzzfeed, Refinery 29 und Nylon.

Franklin wird eine virtuelle Aufführung ihrer Mixed-Media-Arbeit darbieten: Homegirl Island ist eine fiktive Oase in einer afro-futuristischen Gesellschaft, in der schwarze Frauen vollständig geschützt und gewürdigt werden. Die Performance findet in The Glitter Garden statt, der während der COVID-19-Pandemie als private Kunstinstallation und Performance-Studio in ihrem Haus gebaut wurde. Franklin möchte junge Schwarze in Kreativberufen dazu ermutigen, unermüdlich nach Erfolg zu streben, trotz aller Hindernisse, die ihnen in den Weg gelegt werden. Durch spezielles Lichtdesign, Lo-Fi-Beats, sorgfältige Bearbeitung und delikate Musikarrangements lässt Franklin ihr Publikum eine Zeitlang aus einer Realität flüchten, die immer auf neue Weise enttäuscht.

Rosine Kouamen Rosine Kouamen
Die in Houston, Texas, ansässige bildende Künstlerin Rosine Kouamen schafft mit zahlreichen Medien ein dynamisches Gesamtwerk. Ihre künstlerische Praxis fängt den Wandel der Menschheit mit visuellen Erzählungen ein. Sie beschäftigt sich mit globalen Fragen in Bezug auf Geschlechter, Urbanismus und afrikanische Identität. Beeinflusst wird ihre Arbeit von ihren eigenen Erfahrungen als Immigrantin und Weltbürgerin. Kouamen war Teilnehmerin beim ersten Kunststipendienprogramm der Notaufnahme der Rice University und der Jackman Goldwasser Residency im Hyde Park Art Center in Chicago. Ihre Ausstellungen waren unter anderem im Texas Southern University Museum, im Project Row Houses, im Lawndale Art Center, auf der Texas Contemporary Art Fair (ARTADIA-Finalistin 2012), bei DiverseWorks, im Blaffer Museum und an der Prairie View University Art Gallery zu sehen.

Kouamens The Cannibalism untersucht, wie schwarze Frauen in der Gesellschaft aufgerieben werden: durch Medien, Ungerechtigkeit im Gesundheitswesen und einer Müdigkeit, sich ständig resilient zeigen zu müssen. In Schleifen laufen Online-Audiostücke zu diesen Themen und verbinden sich zu einer kakophonischen Waffe, die letztlich den virtuellen Körper der Schwarzen Frau zerstört. Kouamen hat auch eine interaktive, virtuelle Aufführung des Stückes geplant, bei der eine Vielzahl von Zuhörern das Werk gleichzeitig erleben kann. Dazu ist die Entwicklung eines begleitenden Textilwerkes geplant, das den daraus resultierenden Moment der Einheit verbindet. Die Präsentation stellt die Frage, welcher Teil dieser kannibalisierten Frauen dabei am stärksten zersetzt wird. Wie haben sie sich aus Selbstschutz angepasst? Welche körperlichen Züge haben sie in sich entwickelt? Wer werden ihre Verbündeten sein?

Garry Reece Garry Reece
Garry Reece arbeitet als Schriftsteller und Pädagoge in Houston, Texas. Reece hat in einer Vielzahl von Bereichen als Kunsterzieher gearbeitet – bei WITS, der Blaffer Gallery, der Asia Society und SWAMP. In seiner Praxis geht es ihm darum, seiner Umwelt Wahrheit, Mitgefühl, Einsicht und seine ganz persönliche Art des „Swing“ zu vermitteln. Seine Arbeiten sind in Multeenth, American Short Fiction, Arts Houston, The Texas Observer, Extensions, Glasstire, Gulf Coast und Art Lies erschienen.

Reeces Projekt verarbeitet Wormsleys Text mithilfe von Schildern und neoklassischer Black Poetry, insbesondere die der Dichter*innen des Black Arts Movement (BAM). Schilder mit Texten Schwarzer Lyriker, entstanden in Zusammenarbeit mit Walter Stancill, werden an Orten abseits ausgetretener Pfade aufgestellt, die normalerweise nicht für öffentliche Kunst genutzt werden. Indem er die Vergangenheit erkundet und seine literarischen Vorgänger*innen hervorhebt, möchte Reece einen Zukunftsort für Schwarze Menschen schaffen. Die Standorte dieser Werke verwandeln sich somit auch in Orte des Feierns, des Stolzes, der Widerstandsfähigkeit und des Gemeinschaftsgefühls für die schwarze Community.

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