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Filmkatalog

Über den Filmkatalog

Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

Konrad Wolf
Goya

  • Produktionsjahr 1971
  • Farbe / LängeFarbe / 134 Min.
  • IN-Nummer IN 4082

Spanien, gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Francisco José de Goya y Lucientes macht als Hofmaler von Karl IV. Karriere. Seine Bilder hängen in vielen Schlössern, er darf auch die Königin zu Pferde oder ihre ganze Familie porträtieren. Im Hintergrund terrorisiert die Inquisition das Land. Der verheiratete Goya hat eine leidenschaftliche Affäre mit der Herzogin Alba, wehrt sich aber gegen ihre Arroganz. Seine Bilder werden immer düsterer – sehr zum Missfallen des Großinquisitors, der auch den wachsenden Widerstand des Volks gnadenlos bekämpft. Schließlich muss Goya, um sein Leben zu retten, nach Frankreich fliehen. Konrad Wolfs Film dürfte die opulenteste Produktion sein, die die DEFA je realisiert hat und ist reich an bitteren aktuellen Anspielungen auf das Verhältnis zwischen Kunst und Staatsmacht.

Der Wahnsinn klingt schon in den ersten Einstellungen an: Eine Prozession zieht durch Madrid, mit von Kapuzen verhüllten Männern der Inquisition, dazwischen Büßer und Flagellanten, während am Rande Gaukler und Straßenhändler Geschäfte machen. Das 18. Jahrhundert geht seinem Ende entgegen, der Geist der französischen Revolution und der Aufklärung scheint Spanien nicht erreicht zu haben. Goya, zum Hofmaler befördert, putzt sich heraus für einen Empfang am Hof von König Karl IV. Noch verhält sich der Maler eher opportunistisch, mitunter herb verspottet von seinem Freund und Mitarbeiter Agostin Esteve, der ihn auf eine nächtliche Tour durch die Stadt mitnimmt; in einer Taverne hört Goya die Sängerin Maria Rosario – ihre Lieder sind voller Schmerz, Aufruhr und Leidenschaft. Er will sie unbedingt malen. In ihrem Umkreis trifft Goya eine Reihe von Oppositionellen, er wird sie später auf der Anklagebank der Inquisition wiedersehen.

Goya malt die Königin Maria Luisa als Reiterin, später wird er die ganze royale Familie porträtieren. Dem König missfallen die Gemälde, ihre kritisch realistischen Untertöne erkennt er sehr wohl, aber der Monarch beugt sich dem Urteil seiner Königin. Gleichzeitig hat der verheiratete Goya ein leidenschaftliches Verhältnis mit der Herzogin Alba, die ihm ihre Liebe erklärt, ihn aber immer wieder demütigt. Die Liaison bleibt weder dem Königshaus noch dem Großinquisitor verborgen; eine erste Vorladung Goyas dient seiner Einschüchterung, Goya muss beobachten, wie seine oppositionellen Freunde verurteilt werden. Dann stirbt auch noch seine geliebte kleine Tochter – der Maler fühlt sich schuldig. Noch einmal scheint er ins vitale Leben zurückzufinden, als er mit der Herzogin Alba in den Süden des Landes geht, doch dann kommt es zum Bruch zwischen den beiden. Goya, der allmählich seine Hörfähigkeit verloren hat, versinkt in Alpträumen, die er in seinen zunehmend düsteren Bildern zu gestalten versucht – sehr zum Missfallen des Großinquisitors. Ein letztes Mal folgt der Maler einer Vorladung, er soll seinen Bildern „abschwören“. Goya bleibt am Ende keine andere Wahl: er flieht nach Frankreich.

Der hier betriebene Produktions-Aufwand kommt prachtvollen Monumentalfilmen durchaus nahe – und doch ist Konrad Wolfs Inszenierung am spannendsten, wenn sie auf Mittel des Kammerspiels zurückgreift. „Die Szenen mit dem Großinquisitor sind brillant inszeniertes, dialektisches Kino von brechtschem Format; der Film plädiert insgesamt für die Freiheit der Kunst von staatlicher Bevormundung.“ (Ulrich Gregor). Und er geht darüber hinaus, wenn er mit kaum versteckten Analogien auch davon erzählt, wie diese Bevormundung realisiert wird – die scheinbare Allwissenheit der Inquisition muss auf einem Spitzelsystem beruhen, das durchaus an die Methoden der Staatssicherheit der DDR erinnert. Nachdem Goya zum letzten Mal vom Großinquisitor vernommen wurde, muss er das Gebäude durch Gänge verlassen, die ihn durch Kerker und Verließe mit angeketteten Gefangenen führen; die Methoden der Einschüchterung funktionieren perfekt. Der Irrationalismus der Inquisition erinnert an alle ideologischen Fanatiker und Fundamentalisten, die die Realität nicht wahrhaben wollen und die Kunst nur als Dienstleistung für ihr System dulden. Ihre Opfer sind vor allem Künstler und Intellektuelle. Das kann auch den Zuschauern in der DDR der siebziger Jahre nicht allzu fremd vorgekommen sein.



Hans-Günther Pflaum


Produktionszeitraum
1970/1971
Produktionsjahr
1971
Farbe
Farbe
Bildformat
1:2,20 (Sovscope 70)

Länge
Langfilm (ab 61 Min.)
Gattung
Spielfilm
Genre
Drama, Biografie / Portrait, Historienfilm
Thema
Bildende Kunst / Design / Fotografie, Gewalt, Liebe, Gesellschaftliche Teilhabe

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Anmerkungen zur Lizenz
DEFA
Lizenzdauer bis
31.12.2025
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH)

Verfügbare Medien
DVD, DCP, Blu-ray Disc
Originalfassung
Deutsch (de)

DVD

Untertitel
Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Indonesisch (id), Rumänisch (ro), Tschechisch (cs)

DCP

Untertitel
Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Indonesisch (id), Litauisch (lt), Tschechisch (cs)

Blu-ray Disc

Untertitel
Englisch (en), Französisch (fr), Portugiesisch (Bras.) (pt), Indonesisch (id)