Lotte Reiniger
Die Abenteuer des Prinzen Achmed
- Produktionsjahr 1926
- Farbe / Länges/w / N/A
- IN-Nummer IN 1112
Mit den ”Abenteuern des Prinzen Achmed” schuf Lotte Reiniger den ersten abendfüllenden Trickfilm der Filmgeschichte. Technik und Ästhetik dieser Filmgattung entwickelte sie bereits in den 20er Jahren zur künstlerischen Perfektion. Ihr Stil knüpft an die chinesischen Schattenspiele an, die sie durch die technischen Möglichkeiten des Films erweiterte.
Am Tage, als in der Stadt des großen Kalifen dessen Geburtstag gefeiert wird, erscheint der mächtige Zauberer und stellt sein Wunderwerk vor: ein Pferd, das durch die Lüfte fliegen kann. Der Kalif möchte dieses Zauberpferd unbedingt besitzen, aber als Gegengabe soll er seine bezaubernde Tochter Dinarsade dem häßlichen Zauberer zur Frau geben. Das erzürnt Dinarsades Bruder Achmed, er jagt den Zudringlichen fort, doch der versteht es, den Prinzen auf das verhängnisvolle Pferd zu locken. So beginnt Achmeds abenteuerliche Reise. Während der Zauberer in Ketten gelegt wird, steigt das Zauberpferd mit dem entsetzten Prinzen immer höher in die Lüfte, hinein in den Sternenhimmel. Endlich entdeckt Achmed den Hebel, der das Pferd abwärts treibt, und landet auf der Insel Wakwak. Hier lebt die schöne Herrscherin Pari Banu, in die sich Prinz Achmed sofort verliebt und die er auf seinem Zauberpferd in ferne Lande entführt.
Der Zauberer sinnt inzwischen auf Rache und schon bald gelingt es ihm ein zweites Mal, dem ahnungslosen Prinzen übel mitzuspielen. Er raubt Pari Banu und bietet sie dem Kaiser von China als Sklavin an. Sie weist alle Annäherungsversuche zurück und zieht damit den kaiserlichen Zorn auf sich. Zur Strafe soll sie mit dem buckligen Diener des Kaisers verheiratet werden.
Der nimmermüde Zauberer hingegen hat den Prinzen Achmed in eine öde Vulkangegend verschleppt und an einen gewaltigen Felsen geschmiedet, in dessen Innern jedoch die mächtige Feindin des Zauberers, die gute Hexe von Flammenberg, haust. Sie eilt mit Achmed zum Hof des Kaisers, wo er seine geliebte Pari Banu vor der drohenden Hochzeit retten kann. Bald taucht neues Unglück auf: Die Dämonen von der Zauberinsel fordern ihre geraubte Herrin zurück, und abermals wird Pari Banu entführt, abermals sieht sich Achmed nach Wakwak versetzt. Alle Versuche, die von den Geistern Entführte zurückzuholen, sind vergeblich. Die Tore von Wakwak schließen sich vor dem unglücklichen Prinzen und werden sich nur demjenigen öffnen, der die Wunderlampe Aladins besitzt.
Auf wundersame Weise trifft Prinz Achmed vor den Toren auf Aladin und befreit ihn aus den Klauen eines krakenhaften Ungeheuers. Er erfährt, wie Aladin in den Besitz der wundertätigen Lampe gekommen ist, und daß Dinarsade, Achmeds Schwester, seine Frau wurde. Doch der böse Zauberer, der selbst in den Besitz der Wunderlampe kommen wollte, ließ den Palast, den die Geister der Lampe für Aladin erbaut hatten, verschwinden. Mitten in der Erzählung stürzt die gute Hexe herbei mit der Nachricht, daß Pari Banu von den erzürnten Dämonen gepeinigt werde, weil sie ihrem Geliebten, dem Prinzen Achmed, gefolgt war. Achmed und Aladin sind verzweifelt, denn ohne die Kraft der Wunderlampe, die sich mittlerweile in der Hand des Zauberers befindet, können sie nicht nach Wakwak gelangen. Nun kommt es zum alles entscheidenden Kampf zwischen der Hexe und dem Zauberer. Am Ende hat die gute Hexe den bösen Zauberer besiegt, und mit der Wunderlampe dringen Achmed, Aladin und die Hexe in Wakwak ein. In einem wilden Dämonenkampf wird Pari Banu befreit, und am Ende kann der trauernde Kalif seine Kinder überglücklich wieder in die Arme schließen.
Mit den ”Abenteuern des Prinzen Achmed” schuf Lotte Reiniger den ersten abendfüllenden Trickfilm der Filmgeschichte. Technik und Ästhetik dieser Filmgattung entwickelte sie bereits in den 20er Jahren zur künstlerischen Perfektion. Ihr Stil knüpft an die chinesischen Schattenspiele an, die sie durch die technischen Möglichkeiten des Films erweiterte.
Entstanden sind "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" in dreijähriger Teamarbeit: Lotte Reiniger entwarf das Storyboard, schnitt die Figuren und Hintergründe und gestaltete deren Bewegungen, assistiert von Alexander Kardan und Walter Türck. Ihr Mann Carl Koch hatte die Aufnahmeleitung und Kontrolle der Technik, Walther Ruttmann experimentierte mit filmischen Gestaltungsmöglichkeiten und schuf den Kampf der Dämonen von Wakwak, Berthold Bartosch komponierte die Wellenbewegungen für den Seesturm, in den der flüchtende Aladin gerät.
Lotte Reiniger selbst hat über die Vorgeschichte dieses kühnen Filmprojekts und die notwendigen dramaturgischen Überlegungen in ihrer sehr persönlichen, humorvollen Art erzählt:
"Seit Jahrhunderten hatte der Prinz Achmed mit seinem Zauberpferd als Märchenfigur in den Geschichten von Tausendundeiner Nacht ein behagliches Dasein geführt und war beliebt, glücklich und zufrieden. Aus diesem Frieden wurde er eines Tages aufgeschreckt, als eine Filmgesellschaft auf die Idee kam, seine und viele weitere Abenteuer aus derselben Quelle zu einem Trickfilm zu verwenden. Zu diesem Zwecke mußte er, wie viele seiner unglücklichen Schicksalsgenossen aus anderen literarischen Gebieten, 'umgeboren' werden. Und zwar noch gründlicher, als dies sonst bei anderen Verfilmungen üblich ist, wo man Darsteller zu finden sucht, die einigermaßen dem Charakter, um den es in der Geschichte geht, entsprechen und sie mit der Rolle betraut. Denn es sollte ein Silhouettenfilm werden, weil der Hersteller, der von dieser Idee besessen war, nämlich ich, nichts anderes konnte als Silhouettenfilme machen. ... Bisher hatte ich nur zehn Minuten lange Filme dieser Art gemacht, aber die Abenteuer dieses Prinzen Achmed sollten über eine Stunde dauern, und so mußten für das Manuskript noch viele andere Motive aus dem reichen Schatz von Tausendundeiner Nacht herhalten. Prinz Achmed selber mußte zunächst körperlich erfunden, gezeichnet, geschnitten, beweglich gemacht, beleuchtet, bewegt und aufgenommen werden.
Das geschah dann auch in Berlin in den Jahren 1923 bis 1926; solange dauerte es nämlich, bis der Film fertig wurde. Warum? Weil für solch einen Film für jede Sekunde 24 einzelne Bildchen aufgenommen werden müssen. Es sei den algebraischen Fähigkeiten des Lesers überlassen, zu errechnen, wieviele dann für ein Opus von über einer Stunde Länge vonnöten sind. Und nicht nur darum. Es mußten auch, wie sich im Laufe der Arbeit herausstellte, unentwegt neue Erfindungen gemacht und ausprobiert werden, um der fantastischen Handlung zu entsprechen. Je länger die Aufnahmen für Prinz Achmed dauerten, desto anspruchsvoller wurden seine Wünsche. Der Trickfilm steckte damals noch in seinen Kinderschuhen, es gab noch keine Mickey Mouse. Wohl aber gab es vereinzelte Künstler, die eigene Wege gingen." (Lotte Reiniger: Die Abenteuer meines Prinzen Achmed, London 1972, 2.Aufl. München 1995)
Die Filmkritiken nach der Premiere im Mai 1926 geben die Reaktionen auf die Ungewöhnlichkeit von Stil und Gestaltung des Films wieder. Im Filmkurier vom 3.5.1926 heißt es zum Beispiel: "Man ist im Film an Silhouetten nicht gewöhnt. Also wird man anfangs ein bißchen ermüdet. Allmählich aber wird man gefesselt und immer mehr begeistert, entzückt und entrückt." Und in der Zeitung Vorwärts vom 9.5.1926 ist zu lesen: "Wenn man bedenkt, daß jede der agierenden Figuren in allen ihren Gelenken beweglich sein muß ... so kann man sich ungefähr eine Vorstellung davon machen, welch ein Wunderwerk hier geleistet ist. Aber auf das Technische allein kommt es ja nicht an, die Hauptsache ist, daß der Geist des Märchens hier in der filmischen Bilderfolge aufs glücklichste neu geboren ist und daß die Welt orientalischer Wunder, fabelhafter Vorgänge und den Mitteln einer an türkischen und japanischen Vorbildern geschulten Silhouettenkunst neu geschaffen ist."
1989 wurden ”Die Abenteuer des Prinzen Achmed” vom Deutschen Filmmuseum Frankfurt mit Unterstützung des Londoner Filmproduzenten Louis Hagen /Primrose Productions - dessen Vater in den 20er Jahren die Comenius-Film Berlin gegründet und die dreijährige Arbeit am Film "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" finanziert hatte - restauriert. Für die 16mm-Kopie wurden die verschollenen deutschen Zwischentitel in zeitgenössischer Schrift rekonstruiert und eine neue Farbversion nach den erhaltenen Anweisungen von Lotte Reiniger angefertigt.
Christel Strobel
- Produktionsland
- Deutschland (DE)
- Produktionszeitraum
- 1923-1926
- Produktionsjahr
- 1926
- Farbe
- s/w
- Bildformat
- 1:1,33
- Gattung
- Stummfilm, Animationsfilm
- Genre
- Fantasy / Märchen
- Thema
- Liebe, Musik
- Zielgruppe
- Kinderfilm (0-6 Jahre), Jugendfilm (12-17 Jahre), Juniorfilm (7-11 Jahre)
- Rechteumfang
- Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
- Lizenzdauer bis
- 31.12.2026
- Permanente Sperrgebiete
- Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI), Südtirol (Alto Adige)
- Verfügbare Medien
- Blu-ray Disc, DVD, DCP
- Originalfassung
- Deutsch (de)
Blu-ray Disc
- Untertitel
- Arabisch (ar), Chinesisch (zh), Französisch (fr), Spanisch (es), Portugiesisch (Bras.) (pt), Russisch (ru), Englisch (en)
DVD
- Untertitel
- Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (es), Portugiesisch (Bras.) (pt), Arabisch (ar), Chinesisch (zh), Russisch (ru)
- Anmerkung zum Format
- Aus der Lotte Reiniger DVD Edition
Länge Hauptfilm: 66 Min.
+ Extras / Bonusfilme: 52 Min.
- Der scheintote Chinese (1928),
- Aladin und die Wunderlampe / Aladin and the Magic Lamp (1954)
- Das Zauberpferd / The Magic Horse (1954)
- Interview mit Lotte Reiniger aus: Die Frau hinter den Schatten (ca. 18 Min.)
Dokumente: Zensurkarte, Filmplakat, Premiereneinladung, Fotogalerie, Kapiteleinteilung, Linkliste.
Der DVD liegt ein ausführliches Booklet bei.
DCP
- Untertitel
- Englisch (en)
- Anmerkung zum Format
- Stummfilm.
Das DCP stammt vom DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum.
Das DCP ist eine Fassung OHNE Musik.