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Filmkatalog

Über den Filmkatalog

Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

Marc Rothemund
Sophie Scholl - Die letzten Tage

  • Produktionsjahr 2005
  • Farbe / LängeFarbe / 116 Min.
  • IN-Nummer IN 1744

Februar 1943: Bei einer Flugblatt-Aktion gegen die NS-Diktatur wird die junge Sophie Scholl zusammen mit ihrem Bruder Hans in der Münchner Uni verhaftet. Nach tagelangen Verhören bei der Gestapo wird sie vom "Volksgerichtshof" der Nazis zum Tode verurteilt und hingerichtet.

München, zu Beginn des Jahres 1943. Die Studentin Sophie Scholl, ihr Bruder Hans, Willi Graf und Alexander Schmorell engagieren sich für die Widerstandsgruppe “Die weiße Rose” gegen das NS-System und den Krieg. In einem Atelier fertigen sie oppositionelle Flugblätter an; einen Teil davon verschicken sie mit der Post, den anderen will Hans in der Universität verteilen. Am 18.2. betreten die Geschwister Scholl den Lichthof der Uni, sie legen ihre Flugblätter aus. Sophie lässt einen dicken Stapel von oben in die Tiefe flattern, gerade als sich der Lichthof nach Vorlesungsende zu füllen beginnt. Als die beiden das Gebäude verlassen wollen, werden sie vom Hausmeister festgehalten und zum Rektor gebracht; wenig später sitzen Hans und Sophie im alten Wittelsbacher Palais, dem Hauptquartier der Gestapo, getrennt ihren Vernehmern gegenüber.

Robert Mohr, ein erfahrener Vernehmer, droht Sophie mit einer Anklage wegen Hochverrats, Feindesbegünstigung und Wehrkraftzersetzung. Ruhig, souverän und überaus clever versucht Sophie zu leugnen; fast schafft sie es, Mohr von ihrer Unschuld zu überzeugen, schon ist ihr Entlassungsschein ausgestellt, doch im letzten Moment kommt ein Anruf, der alles verändert. Zu viele Indizien, von Briefmarken bis zur Schreibmaschine, wurden in der Zwischenzeit sichergestellt, und in Innsbruck wurde Christoph Probst verhaftet – auch er ein Mitglied der “Weißen Rose”. Die Beweislast wird immer erdrückender; als Sophie vom Geständnis ihres Bruders erfährt, gesteht auch sie ihre Teilnahme an den Aktionen. In langen, erschöpfenden Vernehmungen versucht Mohr, hinter Sophies Aktivitäten und Motive zu kommen und die Namen der anderen Mitglieder der Gruppe zu erfahren. Die Studentin leistet ihm klug und mutig Widerstand; sie weigert sich, irgendjemand aus der Gruppe oder ihre Ideale zu verraten. Auch als ihr Mohr einen Deal vorschlägt, mit dem sie sich retten könnte, lehnt sie ab und unterschreibt schließlich ihr Geständnis. Am 22.2. stehen Sophie, Hans und Christoph im Münchner Justizpalast vor dem Volksgerichtshof und seinem fanatischen Präsidenten Roland Freisler. Im Publikum befinden sich nur geladene, NS-treue Zuschauer. Christoph, der drei Kinder hat, versucht sich, im vollen Einverständnis der beiden Mitangeklagten, zu retten. Die Pflichtverteidiger haben kein Interesse, das Strafmaß der Angeklagten zu mildern. Hans und Sophie widersetzen sich mutig den wütenden Vorwürfen Freislers, der mehrfach die Fassung verliert. Am Ende des Schauprozesses verkündet Freisler drei Todesurteile – eine Entscheidung, wohl schon vor der Verhandlung feststand und noch am gleichen Tag vollstreckt wird. Sophie, Hans und Christoph sterben durch das Fallbeil, ungebrochen und im vollen Glauben an ihre Ideale.

Marc Rothemunds SOPHIE SCHOLL – DIE LETZTEN TAGE ist, nach Michael Verhoevens DIE WEISSE ROSE und Percy Adlons FÜNF LETZTE TAGE (beide 1982) bereits der dritte neuere deutsche Spielfilm, in dem die 21-jährige Studentin im Mittelpunkt steht. Der entscheidende Unterschied zu den Vorgängern: Rothemund und sein Autor Breinersdorfer konnten auf Dokumente zurückgreifen, die in den achtziger Jahren noch nicht zur Verfügung standen, so vor allem auf die Original-Protokolle der Gestapo-Verhöre, die Jahrzehnte lang in DDR-Archiven lagen und erst nach der Wende, 1990, zugänglich wurden. Sie zeigen, welchen inneren Widerstand und welche Kraft Sophie Scholl ihrem Vernehmer entgegensetzte; der Verhör-Profi hat sich davon lange täuschen lassen und am Ende sogar versucht, der Studentin eine “goldene Brücke” zu bauen, um ihr Leben zu retten. Die Recherchen ergaben: “Er hatte einen Sohn in Sophies Alter, der kurz zuvor an die Ostfront versetzt worden war. Zudem hatte Mohr in den drei Tagen wohl großen Respekt vor Sophie gewonnen.” (Marc Rothemund).

Kurz vor der Hinrichtung taucht Mohr noch einmal im Hintergrund auf; er agierte als treuer Diener der Nazis, aber offensichtlich empfindet er keinen Triumph über das Ergebnis seiner Arbeit. Während der Vernehmungen scheint er tatsächlich Sophie Scholl in ihrer Haltung begreifen zu wollen und verteidigt seine Position mit den üblichen Argumenten: Hitler hätte die Probleme des Vertrags von Versailles, der Arbeitslosigkeit und der Inflation überwunden, und der Krieg sei nur eine Durchgangsstation auf dem Weg zum “Endsieg” und einem glücklichen Deutschland. Mohr ist auf jeden Fall eine viel spannendere Figur als Freisler, der seiner Misanthropie voller Theatralik freien Lauf lässt. In den historischen Dokumenten wirkt Freisler noch viel schlimmer, überzogener und hysterischer als in der Darstellung André Hennickes.

Der Regisseur und sein Autor haben versucht, so authentisch wie möglich zu erzählen, doch, so Rothemund, “der emotionale Handlungsstrang war für Fred Breinersdorfer und mich das Entscheidende: Die Emotionen der Figuren, ihre Haltungen, ihre Konflikte, bilden den roten Faden durch die Geschichte... Wir hatten das Glück, dass sich die von uns recherchierten Fakten nicht widersprachen, sondern zu einem richtigen Puzzle fügten. Wir konnten uns der geschichtlichen Abläufe sicher sein und auf dieser Basis eine emotionale Ebene schaffen, um der inneren Befindlichkeit von Sophie Scholl nachzuspüren.” So entgeht der Film von Anfang an dem Gestus der historischen Rekonstruktionsarbeit. Die Regie verzichtet weitgehend auf historische Requisiten und Embleme, macht sich nicht an Kostümen und Uniformen fest oder an überlieferten Dokumenten. Einmal hört man eine der berüchtigten Reden des Propagandaministers Goebbels, sie bleibt akustisch so weit im Hintergrund, dass sie kaum zu verstehen ist. “Ich will”, erklärte Rothemund, “nicht historische Szenen nachstellen, sondern aktuelle Fragen untersuchen: Wie reagiert man, wenn man mit Unrecht konfrontiert wird? Wie weit geht der persönliche Einsatz? Kriege und Diktaturen gibt es auch heute noch auf der ganzen Welt... Aber die Frage der Zivilcourage stellt sich auch bei uns im Alltag... Aufstehen gegen Ungerechtigkeit, die Augen nicht verschließen – das wird immer ein wichtiges Thema bleiben. Deshalb soll sich der Zuschauer in meinem Film auch nicht wie in einer Geschichtsstunde fühlen.”

Julia Jentsch in der Titelrolle und ihr Regisseur haben viel versucht, um Sophie Scholl lebensfroh, wirklichkeitsnah und eben nicht als unerreichbare, überirdische Heldin erscheinen zu lassen. Und dennoch wird sich die Frage nie klären lassen: Woher hatte die junge Frau, die einst aus Idealismus in den BDM (die NS-Organisation für junge Mädchen) eingetreten war, ihren Mut und ihre Klarsicht? Vom Elternhaus? Dann müsste es wohl mehr Beispiele für den studentischen Widerstand gegeben haben. Aus ihrem christlichen Glauben? Zu viele gläubige Christen haben mit den Nazis paktiert. Aus den Berichten des Bruders und seiner Freunde von der Ostfront? Auch solche Erfahrungen waren 1943, nach Stalingrad, weit verbreitet. Der Film gibt auf diese Fragen keine endgültige Antwort, Sophie Scholl, die ihre Angst und Verzweiflung weder ihren Freunden noch ihre Feinden zeigt, bleibt ein Mysterium; ein wenig gleicht sie darin Jeanne d’Arc. Der NS-Henker soll ausgesagt haben, er hätte in seiner gesamten Laufbahn niemand erlebt, der so aufrecht zum Schafott geschritten wäre wie Sophie Scholl. Die Nazis scheinen vor ihr und ihren Mitstreitern vermutlich sogar Angst empfunden zu haben – Angst vor etwas, das stärker war als die brutale Macht. Anm.: Fred Breinersdorfers Drehbuch ist zusammen mit zahlreichen Dokumenten (u.a. die Vernehmungsprotokolle von Sophie und Hans Scholl, Christoph Probst und Alexander Schmorell) und einer Geschichte der "Weißen Rose" 2005 als Taschenbuch bei Fischer erschienen.

Hans Günther Pflaum

Produktionsland
Deutschland (DE)
Produktionszeitraum
2004
Produktionsjahr
2005
Farbe
Farbe
Bildformat
1:1,85
In Koproduktion mit
Bayerischer Rundfunk (BR) (München) || Bayerischer Rundfunk (BR)/Arte (München) || Südwestrundfunk (SWR) (Stuttgart) || Arte Deutschland TV GmbH (Baden-Baden)

Länge
Langfilm (ab 61 Min.)
Gattung
Spielfilm
Genre
Drama
Thema
Justiz, Gewalt, Gesellschaftliche Teilhabe, Nationalsozialismus
Zielgruppe
Jugendfilm (12-17 Jahre)

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Lizenzdauer bis
27.01.2026
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI)

Verfügbare Medien
DVD, 35mm
Originalfassung
Deutsch (de)

DVD

Untertitel
Englisch (en), Spanisch (es), Französisch (fr), Italienisch (it), Portugiesisch (Bras.) (pt), Russisch (ru), Indonesisch (id), Arabisch (ar), Chinesisch (zh), Japanisch (ja)
Anmerkung zum Format
PASCH KINO DVD mit Extra CD Rom Didaktisierung verfügbar in den folgenden UT Fassungen: arabisch, bahasa indonesisch, chinesisch, englisch, französisch, portugiesisch, russisch, spanisch.

35mm

Untertitel
Englisch (en), Spanisch (es), Französisch (fr)
Anmerkung zum Format
Englisch untertitelte 35mm Kopie 2x vorhanden