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Filmkatalog

Über den Filmkatalog

Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

Edgar G. Ulmer, Robert Siodmak, Rochus Gliese
Menschen am Sonntag

  • Produktionsjahr 1930
  • Farbe / Länges/w / N/A
  • IN-Nummer IN 0969

Das Wochenende von fünf jungen Berlinern aus einfachen Verhältnissen. Weinvertreter Wolfgang lernt Christl kennen und verabredet sich mit ihr am Wannsee, wo er auch seinen Freund Erwin trifft. Christl kommt in Begleitung ihrer Freundin Brigitte.

Es ist Samstag, der Taxichauffeur Erwin kehrt heim zu seiner Frau Annie. Während er beim Abendessen seine Zeitung liest, liegt sie gelangweilt auf dem Sofa und manikürt ihre Nägel. Sie wollen gemeinsam ins Kino gehen, geraten jedoch über die Art, wie die junge Frau ihren Hut aufsetzt, in Streit, was der Ehemann zum Anlaß nimmt, zu Hause zu bleiben.

Sein Freund Wolfgang, Vertreter für Weine, lernt an der Straßenbahnhaltestelle das Mannequin Christel kennen und verabredet sich mit ihr zu einem Sonntagsausflug. Er versucht, das streitende Ehepaar zu versöhnen und sie ebenfalls zu dem Ausflug an den Wannsee aufzufordern. Die junge Frau schmollt, und die beiden Freunde spielen Skat.

Am Sonntagmorgen geht Erwin allein zum Treffpunkt, da Annie nicht zum Aufstehen zu bewegen ist und den Sonntag verschläft. Christel hat ihre Freundin Brigitte mitgebracht, und zu viert fahren sie zum Wannsee, zum Schwimmen, zu einem Picknick im Freien, für das ein Grammophon die notwendige Stimmung liefert. Wolfgang, der eine Abfuhr erhält, als er Christel küssen will, wendet sich der hübschen Blondine zu. Sie finden sich sympathisch, und verderben damit der eifersüchtigen Christel die Sonntagslaune. Eine gemeinsame Bootsfahrt versöhnt die vier wieder. Sie verabreden für das nächste Wochenende, sich wieder zu treffen und gehen auseinander. Da fällt den jungen Männern ein, daß sie ja das Fußballspiel besuchen wollten. Sie haben keine Anschrift der Mädchen, zucken mit den Achseln, vergessen schon die kleine Sonntagsepisode. Die letzte Zigarette wird geteilt, und jeder wendet sich heimwärts, um sich am nächsten Morgen wieder in das Heer der Arbeitenden einzuordnen.

Kleinbürgerliches Spießertum zu parodieren ist ein beliebtes Thema der Literatur, das Theater und Film immer wieder in bissige Szenen umwandeln. Man denke nur an Carl Sternheims "Aus dem bürgerlichen Heldenleben" oder an Heinrich Zilles sarkastische Milieuschilderungen. MENSCHEN AM SONNTAG ist die liebenswürdige Karikatur kleiner Leute und ihres Wochenendvergnügens. Geboren aus der Lust junger Menschen am Experiment, vom Augenblick der Improvisation lebend, amateurhaft mit geringen finanziellen Mitteln gestaltet, ist dieser halbdokumentarische Film als avantgardistischer Vorläufer des poetischen Realismus in die Filmgeschichte eingegangen.

Im Grunde genommen schildern die Hersteller Robert Siodmak, Billy Wilder, Fred Zinnemann, Eugen Schüfftan, Edgar G. Ulmer, die sich mit Moritz Seeler im "Romanischen Café" in Berlin zusammengefunden hatten, um ihren Erstling aus der Taufe zu heben, ein wenig sich selbst: Das eigene Herumtändeln, Sichgehenlassen, die Freude an einem freien Wochenende in Wind und Sonne, wohl wissend, daß ein solcher Sonntag nichts weiter ist als ein Atemholen, ein Tupfer auf dem Grau des Alltags, der durch den Film hindurchschimmert und ihm seinen eigenartigen Reiz verleiht. Dabei ist geblieben ein wacher kritischer Blick auf die Umwelt, die Älteren, Gesetzteren und menschliche Schwächen karikierend.

Ihre Vorbilder, Dsiga Wertows "Kino-Auge" und sein MANN MIT DER KAMERA wie auch Walter Ruttmanns BERLIN, DIE SINFONIE DER GROSSTADT sind nicht zu leugnen. Nur eine professionelle Schauspielerin ist in diesem von Laien gespielten Film zu sehen, Valeska Gert, die gleich anderen vor der Kamera eines Strandfotografen posiert für Erinnerungsfotos, aus der Laune des Augenblicks geboren. Dieser Film könnte in jeder Stadt, in jedem Land, zu jeder Zeit spielen, wenn nicht Technik, Verkehrsmittel, Kleidung der handelnden Personen sowie das alte unversehrte Berlin, das zusammen mit seiner Umgebung den Hintergrund für diesen ohne Atelierbauten produzierten Film stellt, die Bezogenheit zu seiner Zeit herstellen würde. Kleinbürgertum ist überall gleich und hat sich im Laufe der Jahrzehnte wenig geändert.

Im Nachspann heißt es: "Fünf Personen spielen in diesem Film dieselben Rollen, die sie im Leben haben: Taxifahrer, Schuhverkäuferin, Schallplattenverkäuferin, Weinvertreter, Mannequin. Nach den Dreharbeiten sind sie wieder in die anonyme Masse zurückgekehrt, aus der sie kamen. Winzige Teilchen einer großen Stadt, heben sie sich doch von dem großartigen Dekor der Stadt ab. Sie werden sie wiedererkennen: es sind einfache Menschen."

Goethe-Institut

Produktionsland
Deutschland (DE)
Produktionszeitraum
1929/1930
Produktionsjahr
1930
In Zusammenarbeit mit
Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)/Arte (Mainz)
Farbe
s/w
Bildformat
1:1,33
Basiert auf
Kurt Siodmak

Gattung
Spielfilm, Stummfilm
Genre
Drama
Thema
Beziehung / Familie, Freundschaft

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Lizenzdauer bis
31.12.2031
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI), Südtirol (Alto Adige)

Verfügbare Medien
DVD
Originalfassung
Deutsch (de)

DVD

Untertitel
Deutsch (de), Englisch (en), Französisch (fr)
Anmerkung zum Format
DVD im Einzelhandel mit diversen UT Fassungen erhältlich und lizenzrechtlich abgedeckt.