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Filmkatalog

Über den Filmkatalog

Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

Anna Hepp
800 Mal Einsam - Ein Tag mit dem Filmemacher Edgar Reitz

  • Produktionsjahr 2019
  • Farbe / LängeFarbe + s/w / 84 Min.
  • IN-Nummer IN 4486

Der Regisseur Edgar Reitz hat den Deutschen Film der letzten sechs Jahrzehnte geprägt: Er ist Mitunterzeichner des Oberhausener Manifests 1962, einer der Wegbereiter des Neuen Deutschen Films und mit seiner Heimat-Reihe schrieb er nicht nur Fernsehgeschichte, sondern rehabilitierte auch den Begriff „Heimat“. Nun trifft der Altmeister auf eine junge Filmemacherin, und es entsteht dabei nicht nur ein feinfühliges werk-biografisches Porträt, sondern auch eine Liebeserklärung an das allzu oft gescholtene Filmemachen in Deutschland.

Ein alter Mann und eine junge Frau in einem der schönsten Kinos Deutschlands: Für ihr Interview-Porträt des Filmemachers Edgar Reitz hat sich die Regisseurin Anna Hepp den Kinopalast Lichtburg in Essen aus den 1920er-Jahren ausgesucht; Film- und Kinogeschichte treffen aufeinander. Vor mehr als 60 Jahren hat Reitz mit dem Filmemachen begonnen, er war 1962 Mitunterzeichner des Oberhausener Manifests, einer der Wegbereiter des Neuen Deutschen Films und mit seiner Heimat-Reihe schrieb er Fernsehgeschichte; und entkontaminierte nebenbei durch die NS-Ideologie und den Heimatfilm der 1950er Jahre schwierig gewordenen Begriff „Heimat“.

Hepp leugnet von Anfang an nicht, dass sie Reitz und dessen Werk bewundert, was dieser vor allem mit Humor kontert, und einer unbändigen Erzählfreude – der Film wird so das Dokument einer Begegnung. Dabei entsteht nicht nur ein feinfühliges Porträt des Filmemachers, sondern auch eine intelligente Reflexion über die Liebeserklärung an das Film- und Kinomachen in Deutschland; ergänzt um wenige, aber präzise ausgewählte Ausschnitte aus den Werken von Reitz.

Pressestimmen:

„Es ist aber auch ein Film über die Bewunderung und Ehrfurcht einer jungen Filmemacherin (‚Ich mag ihr Lächeln’) für einen inzwischen 88-jährigen Filmkünstler und dessen Werk. Dass sie beides nicht zu trennen vermag, macht Hepp gleich zu Beginn deutlich: Jede Figur, die Reitz entwickelt habe, projiziere sie auf ihn. – ‚Gut’, entgegnet daraufhin Reitz, ‚das ist ihr Problem’.
Als Ort für die Begegnung mit – oder auch: der Inszenierung von – Edgar Reitz hat Hepp die Lichtburg in Essen gewählt, die in den 1950er- und 1960er-Jahren das wichtigste Premierenkino Deutschlands war. Das Bild, ganz von Reitz-Filmen affiziert, die immer mal wieder in Ausschnitten auf der Kinoleinwand zu sehen sind, ist schwarz-weiß. Meist sieht man die beiden auf Kinostühlen sitzen und reden; doch der Film begibt sich immer mal wieder auch auf Raumerkundungen. Mit dem Bild des riesigen Saals mit seinen leeren Stuhlreihen versucht Hepp anfangs gleich ein Gespräch über Einsamkeit zu initiieren. Reitz geht in seiner trockenen Art auf alles ein; er spricht ernst, schmucklos. Aber es ist auch etwas Martialisches, Territoriales in seiner Sprache. ‚Ich gehöre zu den Menschen, die sich in der Schlacht erholen’. Der Filmemacher erzählt: über sein Aufwachsen in den Kriegsjahren, den Vater, der ihn als Ingenieur sehen wollte und nicht als Künstler, über den Drang seiner Generation, die Plätze der Väter zu besetzen (…) einmal kommt Reitz richtig in Fahrt und teilt gegen die Ignoranz und das Nichtwissen der Fernsehanstalten aus. Es kränkt ihn, dass ein Filmemacher seines Rangs irgendwelchen Angestellten ständig neue Drehbuchfassungen vorlegen muss. Von diesen Verletzungen ist spürbar etwas zurückgeblieben. Aber es ist auch etwas Sanftes und Versöhnliches an Reitz. Im Grunde brauche er nicht viel: ‚Wenn man mir eine gute Arbeit gibt, kann mir nichts passieren’.“ (Esther Buss, Film-Dienst)

„Die unbändige Kreativität des heute 88-jährigen Edgar Reitz bricht sich hier Bahn und er lächelt. ‚Zwangslächeln’ nennt er das. Dabei war er einmal kurz davor, alles hinzuschmeißen. Das war 1978, er hatte einen für ihn sehr bedeutenden Film in die Kinos gebracht, den Schneider von Ulm, in dem es um den alten Traum vom Fliegen geht, und der Spiegel schrieb einen großen Verriss. Der Film war tot, noch bevor ihn wirklich jemand gesehen hatte, Reitz pleite, frisch geschieden und quasi obdachlos. Auf dem Sofa eines Freundes entschied er sich, mit 46 Jahren ganz was anderes zu machen. Und er dachte nach, über sich und seine Eltern, seine Jugend im Hunsrück und seine Großeltern, von deren Leben er kaum etwas wusste. Und plötzlich war sie da, die Idee zu einem Zyklus, der sein Leben und Schaffen verändern sollte. Heimat aber war nicht nur eine großartige Erzählung, es war ein Befreiungsschlag. Der Begriff Heimat, zuvor durch Blut und Boden verseucht oder in die Ecke billiger Folklore gedrängt, wurde wieder ein beschreibender. Wenn wir heute von Heimat sprechen, meinen wir immer auch das, was Edgar Reitz in seiner Serie zu erzählen versuchte, einen Ort, der lebensbestimmend ist. (…) In diesem Film, der die schöpferische Einsamkeit mit dem Publikum teilt, wird der Mitunterzeichner des Oberhausener Manifests noch einmal kämpferisch. Seine Generation begann Filme zu machen, als es weder Filmschulen noch Praktikumsplätze gab und eine alte Garde den Jungen keine Chance ließ. Heute bilden Reitz, Wenders, Herzog und Fassbinder das Fundament des neuen deutschen Films. ‚Was aber’, fragt Reitz, ‚ist so deutsch am deutschen Film?’ Und dann lacht er wieder. Schelmisch wissend, und schweigt.“ (Ulrich Sonnnschein, epd-Film, 21.2.2020)

„In einer zentrale Passage des Films konstatiert Reitz, dass das Schaffen von Filmen aus der Biografie das persönliche Leben auslösche: ‚Wenn ich alle meine Freunde verfilmt habe, habe ich keine mehr.’ Auf Hepps emotionale Reaktion erklärt der Regisseur trocken, die Umwandlung von Realität in Kunst oder in Fiktion sei eben kein harmloser Vorgang: ‚Die emotionale Tiefe, die sie mal hatte, hat sie nach dem Film nicht mehr. Dafür hat sie dann der Film. Und es können nachher Tausende Menschen gerührt sein, wenn sie den Film sehen.’ Filmausschnitte gibt es in Hepps Film nur sehr sparsam, an zwei Stellen und einer einstimmenden Schnipselschau am Anfang. Das ist gut, man kann sie ja anderswo im Kontext ansehen. Ein bisschen albern ist, wenn 800 Mal einsam stilistische Eigenheiten von Reitz’ Arbeiten nachahmt. Doch dies schadet nicht der Schönheit und Präzision dieses ungewöhnlichen Filmporträts, das in klaren Worten und Bildern zentrale Fragen der Kunst und des Lebens verhandelt. Abschied sei das schönste Filmthema für ihn, sagt Reitz, auch weil jeder Film und jede Einstellung vom Vergehen der Zeit erzähle. Der Trost sei, dass Filmemacher sie in ihrem Schaffen aufbewahren können. Genau dies tut auch Anna Hepp mit ihrem Film.“ (Silvia Hallensleben, Der Tagesspiegel, 5.3.2020)

Frederik Lang (16.04.2020)

Produktionsland
Deutschland (DE)
Produktionszeitraum
2017-2019
Produktionsjahr
2019
Farbe
Farbe + s/w
Bildformat
1:1,78

Länge
Langfilm (ab 61 Min.)
Gattung
Dokumentarfilm
Genre
Biografie / Portrait
Thema
Heimat, Filmgeschichte

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Lizenzdauer bis
29.11.2026
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI), Südtirol (Alto Adige)

Verfügbare Medien
DCP, Blu-ray Disc, DVD
Originalfassung
Deutsch (de)

DCP

Untertitel
Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch Kurzzeichen, Russisch (ru), Arabisch (ar)

Blu-ray Disc

Untertitel
Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch Kurzzeichen, Russisch (ru), Arabisch (ar)

DVD

Untertitel
Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch Kurzzeichen, Russisch (ru), Arabisch (ar)