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Filmkatalog

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Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

John David Seidler
Das Wunder von Taipeh

  • Produktionsjahr 2019
  • Farbe / LängeFarbe / 87 Min.
  • IN-Nummer IN 4489

Erfolg reißt Mauern ein: Es war ein langer Weg bis zum ersten deutschen Frauenfußballnationalteam, das erst nach dem Gewinn des Weltmeistertitels durch die Vereinsmannschaft (!) SSG 09 Bergisch Gladbach 1981 gegründet wurde – eine mitunter absurd erscheinende Geschichte über Durchsetzungsvermögen und Gleichberechtigung, von den damaligen Pionierinnen mit viel Augenzwinkern erzählt.

27 Jahre nach dem Wunder von Bern geschah das Wunder von Taipeh: Fußballweltmeisterschaft 1981 in Taiwan, die SSG 09 Bergisch Gladbach holt ungeschlagen den Titel für Deutschland! Denn der allmächtige Deutsche Fußball Bund sah bis dahin keine Notwendigkeit, überhaupt ein Frauen-Nationalteam aufzustellen, so dass die deutschen Vereinsmeisterinnen antreten mussten und das begeisterte Publikum verzauberten. Es war ein langer Weg bis zum ersten deutschen Frauenfußballnationalteam, das erst nach diesem Erfolg gegründet wurde, von den Funktionären zähneknirschend akzeptiert. Bis 1970 war der Frauenfußball in Deutschland sogar offiziell verboten, so dass die Pionierinnen, die in diesem Dokumentarfilm zu Wort kommen, anfangs sogar in der Illegalität kickten und oftmals auf halsbrecherischen Schlaglochplätzen.
Ein Lehrstück über Durchsetzungsvermögen und Hartnäckigkeit, mit viel Augenzwinkern von den damaligen Protagonistinnen erzählt, die selbst immer wieder fassungslos darüber wirken, wie sie ihren sportlichen Traum einerseits verwirklichen konnten, die Wahrnehmung ihrer Sportart andererseits noch immer weit entfernt ist von Gleichberechtigung.

Pressestimmen:

„Als Helmut Rahn am 4. Juli 1954 den Ball ins Tor drischt und das legendäre ‚Wunder von Bern’ geschieht, ist Anne Trabant fünf Jahre jung, steht aber schon jeden Samstag auf dem Fußballplatz von Emlichheim. Dort spielt der Papa. Und Tochter Anne hat einen Traum: „Auch ich wollte eines Tages Nationalspielerin werden.“
Das ist ein tollkühner Wunsch, denn der Frauenfußball ist anno 1954 ein überaus zartes Pflänzchen, das schon ein Jahr später vom Deutschen Fußballbund mit Stollenschuhen zertrampelt wird: Der DFB verbietet seinen Vereinen, Mädchen und Frauen auf ihren Plätzen spielen zu lassen. Begründung: „Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut. Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden, und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“

Doch der DFB kann nicht verhindern, dass 27 Jahre nach dem Wunder von Bern ein weiteres Wunder geschieht: Am 22. Oktober 1981 gewinnt ein Frauenfußballteam aus Bergisch-Gladbach vor 36.000 ZuschauerInnen die erste Frauenfußball-WM in Taiwan. In Deutschland bekam das allerdings kaum jemand mit: Die Medien fanden es überflüssig, Reporter zu schicken.

Bis heute ist der sensationelle Sieg der SSG 09 Bergisch-Gladbach in Taipeh nur wenigen Eingeweihten bekannt. Der Kölner Filmemacher John David Seidler füllt die Bildungslücke jetzt mit einem hinreißenden Dokumentarfilm: Das Wunder von Taipeh.

Anne Trabant ist an diesem Wunder maßgeblich beteiligt. Als Spielertrainerin kämpfte sie mit ihrer Mischung aus Sturheit, Disziplin und Leidenschaft gegen alle Widerstände für den Frauenfußball. Filmemacher Seidler hat die heute 71-jährige pensionierte Sportlehrerin vier Jahrzehnte nach dem WM-Triumph noch einmal vor die Kamera geholt. Sie und neun weitere WM-Veteraninnen erzählen, wie das damals war.

Wie die Frauen trotz DFB-Verbot in sogenannten „Wilden Ligen“ kickten; wie in verwahrlosten Duschen die Frösche hüpften; wie sie sich auf schlechten Plätzen die Knöchel brachen. Und wie sie trotzdem nur eins wollten: Fußball spielen!

1970 bleibt dem DFB nichts anderes übrig, als das Verbot des Frauenfußballs aufzuheben: Die wilden Frauen drohen, eine eigene Liga zu gründen. Doch als 1981 die Anfrage für die Frauen-WM aus Taiwan kommt, hat Deutschland immer noch keine Frauen-Nationalmannschaft. Deshalb fährt das beste deutsche Team nach Taiwan: die SSG 09 Bergisch-Gladbach. Um die Reise zu finanzieren, verkaufen die Spielerinnen Waffeln auf dem Markt. Und dann geschieht das Wunder. Zu bestaunen in einem wundervollen Film – nicht nur für Fußballfäninnen. 

In einer ihrer ersten Ausgaben 1977 porträtierte EMMA die Kickerinnen der SSG 09 Bergisch-Gladbach. Vier Jahre später gewannen sie die erste Frauen-WM, zu der Deutschland keinen Reporter schickte. Aber es half nichts. Trainerin Anne Trabant: „Die Mädchen werden immer verrückter auf Fußball.“ Sie sollte recht behalten.“ (Sabine Schruff, Emma, 27.2.2020)

„Einige der Spielerinnen aus den glorreichen Zeiten erinnern sich im Film an die Erfolge, aber vor allem an die Probleme, denen sie sich damals gegenübersahen. Mal gemeinsam, mal einzeln im heimischen Wohnzimmer erzählen sie sehr persönlich, amüsiert oder noch immer verärgert von den Steinen, die ihnen seinerzeit seitens des DFB in den Weg gelegt wurde. Und um die öffentliche Anerkennung seitens der Medien war es kaum besser bestellt. Das Archivmaterial, das Filmemacher John David Seidler, der sich seit geraumer Zeit mit dem Thema Fußball beschäftigt, zu diesem Punkt zusammengetragen hat, dürfte jüngere Zuschauer ebenso erheitern wie sprachlos machen. Da erklärt ein DFB-Funktionär, dass Frauen doch „am Kochherd besser aufgehoben“ seien und Sepp Herberger konstatiert schlicht, der Kampfsport Fußball sei für Frauen nicht geeignet. Und die „Sportschau“-Legende Ernst Huberty verkündete noch in den 1970er-Jahren, es gäbe „hübschere Sportarten für Frauen“. Zudem hätten Ärzte bei kickenden Damen „bereits leichte muskuläre Deformierungen“ festgestellt.

Auf den Einwurf der Interviewerin, die gebe es aber doch auch bei männlichen Kickern, erklärt Huberty so ungelenk wie unverhohlen sexistisch: „Schon, aber da der Frauenkörper doch mehr begehrt ist als der von Männern, ist es für sie schlechter.“ Sein WDR-Kollege Dieter Thoma, Gastgeber des Talks „Kölner Treff“, stand ihm diesbezüglich in nichts nach, als er von den Spielerinnen aus Bergisch Gladbach nach mehreren gewonnenen Meisterschaften glucksend wissen wollte, wie es denn im Frauenfußball um das Stoppen des Balls mit der Brust bestellt sei.

So dokumentiert der Film anhand der Historie des Frauenfußballs so sinnfällig wie erschreckend ein Stück Zeitgeschichte der BRD. Aus naheliegenden Gründen tut sich der Film mit Bewegtbildern kickender Frauen aus den Archiven eher schwer. Da die öffentlichen Medien dem Spielgeschehen kaum Beachtung schenkten, müssen hier vielfach verwackelte Amateur-Aufnahmen oder Schnappschüsse aus privaten Fotoalben als Belege herhalten. Wobei es sich vielfach um nicht näher identifizierbares Material handelt, in dem irgendwelche Frauen bei irgendwelchen Spielen dem Ball nachjagen. Und selbst die (chinesischen) TV-Bilder vom Turnier in Taipeh sind so grobkörnig, dass der entscheidende Treffer im Endspiel gegen die Niederlande eher zu erahnen denn zu sehen ist. Was dem Unterhaltungswert und der Brisanz dieses unkommentierten Dokumentarfilms aber letztlich kaum etwas nimmt.“ (Reinhard Lüke, Film Dienst , 27.2.2020)

Frederik Lang (16.07.2020)

Produktionsland
Deutschland (DE)
Produktionszeitraum
2019
Produktionsjahr
2019
In Zusammenarbeit mit
Westdeutscher Rundfunk (WDR) (Köln)
Farbe
Farbe
Bildformat
16:9

Länge
Langfilm (ab 61 Min.)
Gattung
Dokumentarfilm
Genre
Biografie / Portrait
Thema
Gesellschaftliche Teilhabe, Sport, Gleichberechtigung / Emanzipation

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Lizenzdauer bis
25.11.2026
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI), Südtirol (Alto Adige)

Verfügbare Medien
DCP, Blu-ray Disc, DVD, Blu-ray Disc
Originalfassung
Deutsch (de)

DCP

Untertitel
Deutsch Teil UT, Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch (zh), Russisch (ru), Arabisch (ar)

Blu-ray Disc

Untertitel
Deutsch Teil UT, Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch (zh), Russisch (ru), Arabisch (ar)

DVD

Untertitel
Deutsch Teil UT, Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch (zh), Russisch (ru), Arabisch (ar)

Blu-ray Disc

Untertitel
Englisch (en), Chinesisch Langzeichen