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Filmkatalog

Über den Filmkatalog

Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

Oskar Roehler
Enfant Terrible

  • Produktionsjahr 2020
  • Farbe / LängeFarbe / 134 Min.
  • IN-Nummer IN 4513

In stilisierten Bildern und theaterhaften Kulissen, die oft an die filmischen Meisterwerke Rainer Werner Fassbinders erinnern, inszeniert Oskar Roehler eine Tour de Force durch das exzessive Leben und polarisierende Werk des legendären Filmemachers, dominiert von Liebeshunger, Drogenrausch und Arbeitswut, zwischen Genie und Wahnsinn.

Zweifellos war Rainer Werner Fassbinder (1945-1982) der bedeutendste deutsche Filmemacher der letzten 60 Jahre, dem Oskar Roehler hier ein filmisches Denkmal setzt: Von den Anfängen beim Münchner Action Theater, den Dreharbeiten zu frühen Filmen wie Liebes ist kälter als der Tod (1969) bis hin zur Aufführung von Angst essen Seele auf (1974) in Cannes oder der Pressekonferenz nach dem Gewinn des Goldenen Bären für Die Sehnsucht der Veronika Voss (1982) ist Enfant Terrible ebenso eine episodisch angelegte Revue durch Fassbinders Werk wie der Film auch dessen schillerndes Privatleben ausgiebig ausschlachtet. All die Erniedrigungen gegenüber seiner Entourage, der unstillbare Hunger nach Liebe, der allem zugrunde liegt, die Arbeitswut, der Drogenexzess, das Genie, der Wahnsinn, die Tragödie, der Tod. Dabei bedient sich Roehler einer theaterhaften wie stilisierten Ästhetik, angelehnt an Fassbinders eigenes filmisches Universum und wird unterstützt von einem meisterhaften Schauspielensemble.

Pressestimmen:
„So treibt Roehler dem Fassbinder-Kosmos alles Gravitätische aus, allen Anschein von Geniekult und Hagiographie. Wenn Fassbinder auf dem Sofa liegt und tönt, nächstes Jahr werde er sieben Filme machen, klingt er wie ein provinzielles Großmaul – nur dass er im Jahr 1970 dann auch sieben Filme machen wird. Diese Atmosphäre, die Roehler in den Szenen aus dem Künstlerleben erzeugt, ist es, die Enfant Terrible so besonders macht (…). Roehler zeigt den Sadismus, die diktatorischen Anwandlungen, die Psychospiele in der Filmfamilie. Die Verzweiflung, die Liebe, die Langeweile. (…) Er weint in der Badewanne, als seine große Liebe Armin Meier sich umgebracht hat. Auch ihn hat er immer wieder gedemütigt. Es fehlen nicht die Unmengen von Koks und Cuba Libre, die Mädchennamen für die Männer, Fassbinder selbst war ‚Mary’, der mitunter fast freudlos mechanisch wirkende Sex, das Autogramm nach dem Blowjob in der New Yorker Disco. Auch nicht die hässlichen Sätze, die Diskriminierungen eines Günther Kaufmann („Beschaff mir einen anderen Neger!“). Mit den Maßstäben der Political Correctness allein, mit den Ansprüchen in Zeiten von #metoo ist man mit Fassbinder ziemlich schnell fertig. Da ist zu viel Widersprüchliches, und es sind auch die Widersprüche der erstickenden bundesdeutschen Nachkriegswelt, von denen seine Filme fast obsessiv handeln. Wer Oskar Roehler kennt, weiß, dass ihn gerade das auch gereizt hat an dem Stoff. (…)
Indirekt mitgeschrieben am Drehbuch haben aber auch Rechtsanwälte. Jeder Satz im Film sei ‚abgeklopft worden’, jeder Name. Einige Mitglieder der Filmfamilie haben sich geweigert, dass ihr Name verwendet wird. Deswegen gibt es keine Hanna Schygulla, keine Margit Carstensen oder Irm Hermann in Enfant Terrible. Aber einen Harry Baer oder Kurt Raab oder Peter Berling. Und weil er auch nicht direkt aus den Filmen zitieren durfte, hat Roehler, der ja auch Schriftsteller ist, Freude an der listenreichen Umgehung entwickelt, daran, wie man mit ein paar kleinen Umstellungen juristisch unanfechtbar genau das bekommt, was man sich vorstellt.“ (Peter Körte, in Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.10.2020)

„Fassbinder wird gespielt von Oliver Masucci, der eine Sensation ist. Von Anfang an verströmt er eine fast metaphysische Verzweiflung, eine Lebensungeduld und Lebenswut, mit fließenden Grenzen zur Menschen- und Lebensmüdigkeit. Masucci macht das Rauchen zum Atmen, verleibt sich den künstlichen Dickbauch ein, oszilliert zwischen Geniebewusstsein, Arschlochsein, Liebesbedürftigkeit. Dieser Schauspieler verleiht Fassbinder noch bei enthemmten Schreiereien eine Geistesschärfe, die ihm das Drehbuch leider nur selten zugesteht (…) Das Problem von Enfant Terrible ist sein Anti-Intellektualismus und die Reduzierung Fassbinders auf ein cholerisches Kind. Neben den Demütigungen, Macht-, Sex- und Drogenexzessen (…) gibt es keine Erzählung, die Fassbinder als den besessenen deutschen Gesellschaftsanalytiker vor Augen führt, der er doch auch war. Als den Regisseur, der letztlich daran kaputtging, dass er voller Empathie auf die Leinwand brachte, was ihn kaputtgemacht hat.“ (Katja Nicodemus, Die Zeit, 41/2020, 1.10.2020)

Frederik Lang

Produktionsland
Deutschland (DE)
Produktionszeitraum
2019/2020
Produktionsjahr
2020
In Zusammenarbeit mit
Arte Deutschland TV GmbH (Baden-Baden)
Farbe
Farbe
In Koproduktion mit
Westdeutscher Rundfunk (WDR) (Köln) || Bayerischer Rundfunk (BR) (München)

Länge
Langfilm (ab 61 Min.)
Gattung
Spielfilm
Genre
Biografie / Portrait
Thema
Bildende Kunst / Design / Fotografie, Liebe, Beziehung / Familie, LGBTIQ / Queer , Sexualität, Filmgeschichte

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Anmerkungen zur Lizenz
DVD Auswertung kann erst ab dem 30.11.2021 stattfinden (Filmarchive und Bibliotheken)
Lizenzdauer bis
19.11.2027
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH), Liechtenstein (LI), Südtirol (Alto Adige), Italien (IT), USA (US), Luxemburg (LU)

Verfügbare Medien
DVD, Blu-ray Disc, DCP
Originalfassung
Deutsch (de), Englisch (en), Französisch (fr)

DVD

Untertitel
Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch Kurzzeichen, Arabisch (ar), Russisch (ru), Thailändisch (th)

Blu-ray Disc

Untertitel
Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch Kurzzeichen, Arabisch (ar), Russisch (ru), Thailändisch (th), Deutsch Voll UT, Deutsch Teil UT
Anmerkung zum Format
Zusätzlich englische und thailändische UT gemeinsam im Bild

DCP

Untertitel
Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (Lateinamerika), Portugiesisch (Brasilien), Chinesisch Kurzzeichen, Arabisch (ar), Russisch (ru), Thailändisch (th), Deutsch Voll UT, Deutsch Teil UT, Tschechisch (cs), Türkisch (tr)
Anmerkung zum Format
DCP sind verschlüsselt, zusätzlich englische und thailändische UT gemeinsam im Bild