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12:30–13:30 Uhr

Lesung mit Emma Braslavsky

Lesung & Gespräch|Emma Braslavsky liest aus ihrem Roman "Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten" und aus der Erzählung "Ich bin dein Mensch"

  • Info Hub des Europäischen Parlaments, Brüssel

Emma Braslavsky © Heike Steinweg/Suhrkamp

Emma Braslavsky © Heike Steinweg/Suhrkamp

Teilnahme für EU-Bedienstete und Ministerialbeamt*innen aus den Ständigen Vertretungen der EU-Mitgliedstaaten und Interessierte

Das Goethe-Institut Brüssel lädt gemeinsam mit dem Europäischen Parlament zur Lesung mit Emma Braslavsky in den Bürgergarten ein. 

Die Moderation übernimmt Katrin Schmidt, Beauftragte des Programms Europanetzwerk Deutsch - Goethe-Institut Brüssel. 

Biografie
Emma Braslavsky wurde 1971 in Erfurt geboren. Im Frühsommer 1989 gelang ihr die Flucht aus der DDR und seit 1999 lebt sie als freie Autorin und Kuratorin in Berlin. Ihr Debütroman, Aus dem Sinn (2007), wurde mehrfach ausgezeichnet. Mit ihrer Erzählung Ich bin dein Mensch greift sie bereits die Thematik humanoider Roboter in humoristischer, aber gleichzeitig tiefsinniger Darstellungsweise auf. Die Erzählung lieferte die Vorlage für den gleichnamigen Film von Maria Schrader, der 2022 mit vier Deutschen Filmpreisen ausgezeichnet und als deutscher Kandidat für die Oscars ausgewählt wurde.

Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten", Roman 2019
Der Roman lässt den Leser eintauchen in das Jahr 2060 in Berlin und entwickelt ein dystopisches, fast kriminalistisches Porträt des Großstadtalltags. Durch einen fortschreitenden radikalen Individualismus leiden die Menschen an sozialer Entfremdung, der die Zahl der Selbsttötungen ins zehnfache steigen lässt. Robotik-Unternehmen stellen künstliche Partner und Partnerinnen her, die von realen Menschen kaum zu unterscheiden sind. Diese Hubots versprechen uneingeschränktes privates Glück, indem sie die Einsamkeit abschaffen und jede Art von Beziehungswunsch als erfüllbar erscheinen lassen. Allerdings hat simulierte Liebe und Partnerschaft ihre Grenzen. So wird der Hubot Prototyp Roberta als Detektivin konstruiert. Sie soll nach Selbsttötungen Angehörige der Verstorbenen ausfindig machen, um dem Sozialamt die anfallenden Bestattungskosten zu ersparen.

Neben Auszügen aus diesem Roman werden auch Auszüge aus der Erzählung „Ich bin dein Mensch" gelesen, die sich ebenfalls mit der menschlichen Seite von künstlicher Intelligenz und Robotik beschäftigt.

Rezensionen
„Emma Braslavsky blickt einer Stadt ins Nachtherz und führt uns auf die dunkle Seite einer aufgekratzten Metropole. Ihr Roman ist Großstadtmärchen und Kriminalgeschichte und erzählt witzig und rasant von der Radikalisierung des Individuums, von der schmalen Grenze zwischen natürlichem und künstlichem Leben und von der Allmacht der Algorithmen.“
Suhrkamp

„Emma Braslavskys Roman wirft in literarisch überzeugender Weise die Frage auf, inwieweit gerade in einer Epoche des radikalen Individualismus sich die Grenze zwischen humanem Denken und künstlicher Intelligenz aufzulösen beginnt."
Christoph Schröder, SWR, 18.08.2019

„Einiges spricht dafür, dass die Mittel der Literatur tatsächlich besonders geeignet sind, die Menschen von heute in eine wirkliche Beziehung zu Entwürfen des Morgen zu setzen. Zwischen dystopischer Panikmache, unkritischem Fortschrittsglauben und cineastischer Materialschlacht vermitteln sie präzise die Vorstellung einer Welt, in der zum Beispiel das Denken und Fühlen nicht mehr allein dem Menschen vorbehalten ist, in der ihn Maschinen selbst auf diesem Gebiet überholen könnten."
Julia Dettke, Zeit Online, 20.08.2019