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Konferenz | Treffen mit Geneviève Dulude-De Celles
Eine bulgarische Masterclass

Gruppenfoto: Berlinale Blogger*Innen 2026 Kanada mit Geneviève Dulude-De Celles
© Stéphanie Boutin

Während unseres Besuchs bei der 76. Berlinale hatten wir das Glück, Geneviève Dulude-De Celles zu treffen, die Regisseurin und Drehbuchautorin von „Nina Roza“, einem Film, der im offiziellen Wettbewerb des Festivals gezeigt wurde. Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz wussten wir noch nicht, dass ihr Film den Silbernen Bären für das beste Drehbuch gewinnen würde!

Von Vivianne Charbonneau und Anne Delafontaine

Die Ursprünge von Nina Roza

Nina Roza ist ein québecischer Film, der Mihail (Galin Sotev) begleitet – einen bulgarischen Einwanderer, der seit über 25 Jahren in Montreal lebt – und seine konfliktreiche Beziehung zu seiner Tochter Rose (Michelle Tchonchev) erzählt. Als Kurator einer Kunstgalerie in Montreal sieht er sich gezwungen, nach Bulgarien zurückzukehren, wo er der jungen Künstlerin Nina begegnet. Diese Begegnung hilft ihm schließlich, die Beziehung zu seiner Tochter zu reparieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Film von Dulude auf der Berlinale gezeigt wird. Ihr erster Langfilm Une colonie lief dort bereits 2019 in der Sektion Generation Kplus. Der Film hinterließ damals einen sehr guten Eindruck und wurde mit dem Gläsernen Bär ausgezeichnet.

Während ihrer Masterclass, die im Konferenzsaal der kanadischen Botschaft am Potsdamer Platz in Berlin stattfand, sprach die Regisseurin über den kreativen Prozess und die Finanzierung ihres Langfilms. Dessen Produktion brachte einige Herausforderungen mit sich, da die Dreharbeiten zwischen Québec und Bulgarien aufgeteilt waren.

Wir hatten außerdem die Gelegenheit, Michelle Tchonchev – die Schauspielerin, die die Figur der Rose verkörpert – zu hören, die uns mehr über die Person hinter ihrer Rolle erzählte.

Die Regisseurin erklärte zudem recht früh, dass sie einen Teil ihres Studiums in Osteuropa, genauer gesagt in Rumänien, absolviert hat. Diese Erfahrung bildete die grundlegende Inspiration für Nina Roza, einen Film, der sich intensiv mit der slawischen Kultur auseinandersetzt. Eine weitere wichtige Inspirationsquelle war die Geschichte einer ihrer Freundinnen: Deren Lebensweg diente als Grundlage für die Figur der Rose.

Interessant ist auch, dass der Film in Bulgarien spielt und nicht in Rumänien, dem Land, in dem die Regisseurin studiert hat. Der Grund dafür liegt vor allem in den Produktionsbedingungen: Für ausländische Filmprojekte ist es in Bulgarien deutlich einfacher, Fördermittel zu erhalten als in Rumänien. Dies erklärt auch, warum die Figuren des Films bulgarische Wurzeln haben.

Authentizität und kulturelle Einbindung

Ein Großteil der Finanzierung kam von bulgarischen Produktionspartnern. Ohne diese Unterstützung hätte der Film nicht realisiert werden können. Um sicherzustellen, dass der Film auch 'authentisch bulgarisch' wirkt – obwohl dies nicht Dulude-De Celles Kultur ist – achtete sie darauf, dass ein großer Teil des technischen Teams aus Bulgarien stammt, insbesondere bei den lokal gedrehten Szenen. Produktion, künstlerische Leitung und die bulgarischen Schauspieler*innen wurden kontinuierlich in den kreativen Prozess einbezogen.

Eine besonders eindrucksvolle Szene veranschaulicht dies: Die Bewohner*innen des Dorfes der kleinen Nina versammeln sich zu einem Fest im Mondschein. Die Menschen, die in dieser Szene zu sehen sind, sind tatsächlich die realen Einwohner*innen des Dorfes, was eine besonders authentische und beinahe kathartische Immersion in die bulgarische Welt des Films schafft.

Michelle Tchonchev selbst ist bulgarischer Herkunft, was es ihr ermöglicht, sich auf natürliche Weise in ihre Rolle einzufühlen. Während der Masterclass sprach sie auch über ihren eigenen Werdegang, der von Improvisationstheater und Schauspielunterricht geprägt war. Bei ihrem Vorsprechen überzeugte sie schließlich mit einer auf Bulgarisch gespielten Szene.

Was die Zukunft betrifft, bleibt Geneviève eher vage. Doch ihr Erfolg – insbesondere auf der Berlinale – lässt bereits auf viele spannende Projekte hoffen.

Eine Anekdote aus unserer Erfahrung verdeutlicht die Großzügigkeit der Regisseurin. Während wir am Berliner Flughafen auf unseren Rückflug warteten, tauchte Geneviève plötzlich in unserer Gruppe auf, nachdem sie uns aus der Ferne erkannt hatte. Es war das erste Mal, dass wir sie seit der Abschlussgala des Festivals sahen. Ohne zu zögern kam sie auf uns zu, um uns zu begrüßen, und ließ uns sogar ihren Silbernen Bären halten, den sie sorgfältig in ihrem Handgepäck mit sich führte. Wir sind zutiefst dankbar für diesen Moment und werden ihre zukünftigen Projekte mit großem Interesse verfolgen. Wir sind sehr stolz darauf, bei der 76. Berlinale von einer solchen Künstlerin vertreten worden zu sein.

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