Kollektive Formen von Care

Dam and Hofit © Gali Blay, Leila Zelli

In einer zunehmend von spaltenden und beleidigenden Äußerungen geprägten Welt stellt sich die wichtige Frage, wie betroffene Gemeinschaften darauf reagieren: indem sie sich gegen Diskriminierung wehren, sich eine gerechtere Zukunft erdenken, Empathie fördern, ihre eigenen Erfahrungen wo möglich mitteilen und so der Spaltung entgegenwirken. Diese Auswahl an Werken regt zum nachdenklichen Umgang mit solcher Feindseligkeit an.

Kuratorisches Essay

In einer zunehmend gespaltenen Welt ist rassistische, sexistische und beleidigende Sprache wieder verstärkt in den öffentlichen Raum zurückgekehrt. Dies zeigt sich in Beiträgen und Reden von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Politiker*innen und allen, die über einen Social-Media-Account verfügen und die gerade durch den Einsatz provokativer Sprache leicht an Popularität gewinnen können. Vor diesem Hintergrund rückt die Frage in den Vordergrund, wie Mitglieder von Gruppen, deren Körper und Identität oft zur Zielscheibe werden, bisher und auch weiterhin:

(1) wehrhaft Diskriminierungen entgegenstehen können; (2) Alternativen zur Schaffung gerechterer Welten vorschlagen können; (3) dazu aufrufen können, Empathie zu entwickeln; (4) ihr Ringen um ihre Existenz in einer Welt mitteilen können, die sie aufgrund ihrer Identität unterdrückt; und (5) der Spaltung entgegenwirken können, die heutzutage online und offline Realität geworden ist.

Diese Auswahl an Werken lädt dazu ein, auf produktive Weise über eine feindselige Welt nachzudenken. Als rassifizierte Frau, die vor zwanzig Jahren nach Montreal eingewandert ist, habe ich persönlich Trost bei Fremden und Freund*innen gleichermaßen gefunden, besonders in schwierigen Zeiten. Menschen haben mir Solidarität entgegengebracht, als ich es am wenigsten erwartet habe. Aus diesem Grund habe ich mich auf die Suche nach Werken von in Deutschland lebenden Künstler*innen begeben, um zu erkunden, wie sie füreinander sorgen und Gemeinschaften aufbauen.

Erandy Vergara-Vargas, Kuratorin

Erandy Vergara-Vargas

Erandy Vergara-Vargas | © Émilie Tournevache

Erandy Vergara-Vargas (MX/CA)

ist Kuratorin, Dozentin und Autorin im Bereich der zeitgenössischen und Medienkunst. Sie ist Assistenzprofessorin an der École des médias der UQAM. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Klimaverantwortung, Gerechtigkeit, Internetkulturen, Mensch-Maschine-Interaktionen und algorithmischer Bias. Sie erwarb einen Master-Abschluss an der Concordia University und promovierte in Kunstgeschichte an der McGill University. Zu ihren jüngsten Ausstellungen zählen Through Secrets: The Art of Creating Spaces Between the Lines (Maison de la culture Côte-des-Neiges, 2022–23), Eco(Systems) of Hope (MTL Connect-Ausstellung bei Anteism Books, 2022) und Eva and Franco Mattes: What Has Been Seen (Fondation Phi pour l’art contemporain, 2020).

https://erandyvergara.art/

Die Arbeiten und Künstler*innen

  • Künstlerin: Sondi | Von 15. Juni bis 5. Juli 2026

    „Home 404“

    Die Videoinstallation Home 404 ist eine fantasievolle und visuelle Reflektion über das „Zuhause“, die nahelegt, dass es sich dabei um einen Nicht-Raum handeln könnte, der dynamisch und im Wandel begriffen ist und durch Geschichte, Sprache, Kultur, Musik, Zeit und vor allem Erinnerung konstruiert wird.

    Home 404 by Sondi © Sondi | Courtesy of the Artist © Sondi | Courtesy of the Artist

  • Künstler: Isaiah Lopaz | Von 6. bis 26. Juli 2026

    „Wake Up“

    Wake Up ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Künstler Isaiah Lopaz und New Past, einem Kollektiv von Klangkünstler*innen. Der Song besteht aus einer komplexen Überlagerung verschiedener Instrumente, darunter Bass, Schlagzeug, Klavier, Orgel, Percussion, Synth-Bass, Trompete und Gesang.

    "Wake Up" by Isaiah Lopaz (Music by New Past) © Isaiah Lopaz | Courtesy of the Artist © Isaiah Lopaz | Courtesy of the Artist

  • Künstlerin: Nnena Onuoha | Von 27. Juli bis 16. August 2026

    „Rituals“

    Nnenna Onuohas Film Rituals stellt die gelebten Erfahrungen schwarzer und queerer Menschen in den Mittelpunkt und beleuchtet Fürsorge (Care) als entscheidendes Mittel für das Wachstum und die Stärke einer Gemeinschaft.

    Nnenna Onuoha: "Rituals" Courtesy of the artist Courtesy of the artist

  • Künstlerinnen: Gali Blay & Leila Zelli | Von 17. August bis 6. September 2026

    „About Dam and Hofit“

    About Dam and Hofit ist die Geschichte einer verbotenen Freundschaft zwischen Dam, dem Gipfel des Damavand im Iran, und Hofit, einem Flugzeug der israelischen Luftwaffe. Ihre unerwartete Begegnung eröffnet die Möglichkeit, eine Freundschaft gegen alle Widrigkeiten neu zu denken.

    "About Dam and Hofit" by Leila Zelli and Gali Blay | 2300 x 1000 px © Gali Blay & Leila Zelli | Courtesy of the Artists © Gali Blay & Leila Zelli | Courtesy of the Artists