Fenster Blau
Sheri Hagen

FENSTER BLAU, dir. Sheri Hagen | Kristin Alia Hunold © Equality Film GmbH

Deutschland, 2016, 85 Min.
Regie: Sheri Hagen
Mit: Marko Dyrlich, Kristin Alia Hunold, Emilio Sakraya, Dietrich Hollinderbäumer, Anne Zander

Zwischen winterlichen Landschaften und bewohnten Momenten der Stille suchen Menschen über Abwesenheiten hinweg zueinander. Die Orte scheinen geheime Erinnerungen in sich zu tragen, in der Zeit, Wunden und unsichtbare Vernetzungen miteinander in Dialog treten.
 

Synopsis


nach Muttermale Fenster blau von Sasha Marianna Salzmann

Der 19-jährige Ljöscha reist nach Norderney, um den Vater zu finden, den er nie kennengelernt hat. Von ihm ist nur ein altes Fotoalbum geblieben und eine Leerstelle, die sein Leben bestimmt. Hinter seiner selbstbewussten, optimistischen Art verbirgt sich die tiefe Sehnsucht nach Antworten auf die Fragen, wer sein Vater ist und warum er nie Teil seines Lebens war.

Auf der Fähre begegnet er Nele, einer gehörlosen jungen Frau, deren Lebensfreude und Unbeschwertheit einen kraftvollen Kontrast zur rauen Insel bilden. Über Norderney liegt ein düsterer Himmel, das Meer ist aufgewühlt, der Strand menschenleer. Die karge Landschaft spiegelt die Schwere wider, die Ljöscha dort erwartet.

Statt seines Vaters trifft er auf dessen Vater – seinen Großvater. Als der alte Mann Ljöschas Namen hört, reagiert er mit blanker Wut und jagt ihn fort. Doch Ljöscha weigert sich zu gehen. Widerwillig nimmt der Großvater ihn auf. Zwischen den beiden entwickelt sich eine widersprüchliche Beziehung, geprägt von Ablehnung und Fürsorge, Hass und Zuneigung. Je näher sie sich kommen, desto deutlicher wird, dass der Großvater ein Geheimnis hütet, über das in dieser Familie seit Jahrzehnten geschwiegen wird.
Parallel erzählt der Film die Geschichte von Lena und Leo. Lena, 19, lebt mit den Folgen schwerster Traumata aus ihrer Kindheit. Gemeinsam mit dem fast zwanzig Jahre älteren Leo führt sie ein abgeschottetes Leben in einer kleinen Wohnung, bevölkert von unzähligen Holzfiguren – Abbildern Lenas, die Leo mit obsessiver Hingabe geschnitzt hat. Zunächst scheint er ihr Partner zu sein. Doch nach und nach offenbart sich eine verstörende Wahrheit, die beide Erzählstränge unaufhaltsam aufeinander zutreibt.

Während Ljöscha der Wahrheit über seinen Vater immer näherkommt, gerät er in das Zentrum eines generationsübergreifenden Familiengeheimnisses aus Missbrauch, Schuld und jahrzehntelangem Schweigen. Die Antwort, nach der er sucht, wird sein Bild von Herkunft, Familie und Identität unwiderruflich verändern.

Als Ljöscha Nele an der Hafenmole wiederbegegnet, wird sie zu seinem Gegenpol. Frech, mutig und voller Lebensfreude schenkt sie ihm etwas, das in seiner Familie verloren gegangen ist: die Hoffnung, dass sich selbst tief verwurzelte Kreisläufe durchbrechen lassen.