„Home 404“
Sondi

Sondi "Home 404" Video stills by Sondi, "Home 404", courtesy of the artist

Home 404 ist eine Rekonstruktion von Erinnerungen an Sondis Heimat in Kamerun. Die Arbeit ist inspiriert von Ritualen, die durch von Geistern bewohnte Masken verkörpert werden. Die Videoinstallation ist eine fantasievolle und visuelle Reflektion über das „Zuhause“, die nahelegt, dass es sich dabei um einen Nicht-Raum handeln könnte, der dynamisch und im Wandel begriffen ist und durch Geschichte, Sprache, Kultur, Musik, Zeit und vor allem Erinnerung konstruiert wird.
 

Sondi ist eine in Kamerun geborene und in Deutschland aufgewachsene Künstlerin und Forscherin, die heute in Niederlande lebt. In ihrer dreikanaligen Videoinstallation Home404 untersucht Sondi die komplexe Bedeutung des Heimat-Begriffs für Menschen und Gemeinschaften, deren Identitäten aufgrund von Migration oder Vertreibung über verschiedene Orte verstreut sind. Auch wenn persönliche Erfahrungen einzigartig sind, gibt es doch ein gemeinsames Element, das mit physischer Umsiedlung einhergeht: das, was die chicanische Schriftstellerin Gloria Anzandúa als ständiges „Dazwischensein“ beschreibt – ein Gefühl der Zugehörigkeit, das ebenso psychologisch wie spirituell ist und sich vereinfacht ausgedrückt in einem Selbstgefühl niederschlägt, das „weder von hier noch von dort“ ist. Dieses „Dazwischensein“ ist es, was Sondis Arbeit einfängt. Ihr Titel spielt auf den HTTP-404-Fehler „NotFound“ an, der auftritt, wenn ein Server mit einem Browser kommuniziert, aber die angeforderte Ressource nicht abrufen kann, beispielsweise weil die Seite gelöscht wurde oder der Link nicht mehr funktioniert. Sondi nutzt den „NotFound“-Fehler, um die sinnliche, konkrete und doch schwer fassbare Natur des Zugehörigkeitsgefühls einer Person zu beschreiben, die den Ort verlassen hat, den sie ihr Zuhause nannte.

Text von Erandy Vergara Vargas

Home404 ist eine Rekonstruktion von Erinnerungen an Sondis Heimat in Kamerun und inspiriert von Ritualen, die in Form von von Geistern bewohnten Masken verkörpert werden. Die Installation ist eine fantasievolle und visuelle Erinnerung an „Zuhause“, die nahelegt, dass es sich dabei um einen Nicht-Raum handeln könnte, der dynamisch und im Wandel begriffen ist und durch Geschichte, Sprache, Kultur, Musik, Zeit und vor allem Erinnerung konstruiert wird. Diese Fluidität von Zuhause und Identität wird durch die ständige Bewegung der digitalen Landschaft betont. Objekte und Räume erscheinen und verschwinden, verwandeln sich und metamorphosieren, was auf die fragmentierte und subjektive Natur von Erinnerungen hinweist. Das Ergebnis ist eine virtuelle Traumlandschaft, die diasporische Identitäten und Erinnerungen erforscht, die im physischen Raum, im digitalen Raum und, wie Sondi andeutet, im Nicht-Raum – oder dem imaginativen Raum, in dem der Nicht-Raum existiert – nachhallen. Home 404 schafft auf diese Weise eine Hybridität, die von neuen Seinsweisen erfüllt ist, in der die Vorstellungskraft zu einem Werkzeug der Befreiung wird.
 

Sondi

Sondi

Sondi | © Angelina Nikolayeva

Sondi (sie/ihr) ist eine Künstlerin und Forscherin aus Deutschland, die in Kamerun geboren wurde und in den Niederlanden lebt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehenWorldbuildingundWorlding, insbesondere in digitalen Räumen und Videospielen. Sie untersucht, wie Macht und Narrative in virtuellen Umgebungen wirken, und spürt dabei verschlüsselte Vorurteile, algorithmische Diskriminierung, Spielmechaniken sowie die Darstellung von Menschen, Orten und Ökosystemen auf, während sie Welten erschafft, die marginalisierte Stimmen und Perspektiven in den Vordergrund rücken, die oft aus unseren techno-futuristischen Visionen ausgeschlossen werden.