„Rituals“
Nnenna Onuoha
Onuoha ist eine in Berlin lebende ghanaisch-nigerianische Forscherin, Filmemacherin und bildende Künstlerin, die die Geschichten von drei Berliner*innen aus der afrikanischen Diaspora gesammelt hat, die trotz rassistisch motivierter medizinischer Vernachlässigung Räume der Fürsorge und Heilung geschaffen haben. Der Dokumentarfilm beginnt mit einer eindringlichen Aussage von Lee: „Schwarze Menschen finden hier Fürsorge durch die Gemeinschaft. Das ist meine Erfahrung: Fürsorge durch den Austausch von Wissen, Fürsorge durch den Austausch von Fähigkeiten. Nur sehr wenig von der Fürsorge, die ich bei Schwarzen beobachtet habe, kam tatsächlich vom medizinischem Fachpersonal.“ Lee berichtet von ihren Erfahrungen mit systemischem Rassismus, die sie bei der Konsultation eines Endokrinologen in Berlin gemacht hat. Goitseone, eine weitere Interviewpartnerin, erzählt von den Ritualen, die sie praktiziert, wie das Anzünden von Kerzen mit Ölen oder das Verbrennen heiliger Pflanzen wie Mpepo, um sich zu reinigen und mit ihren Vorfahren zu verbinden, wenn sie sich niedergeschlagen fühlt oder Klarheit in einer Angelegenheit sucht. Wichtig ist, dass ihre Rituale auf überlieferten Praktiken beruhen und geeignet sind, Vorurteilen entgegenzuwirken, die dem Gesundheitssystem strukturell immanent sind. So hatte ein von ihr aufgesuchter Psychologe, ihr nicht angemessen zugehört und entschieden, dass ihre Traurigkeit keine Depression sei. Wie sie erklärt, durchlebte sie „dunkle Phasen“, die über eine Depression hinausgingen: „Ich erinnere mich, dass ich zu meinem Arzt ging und er mir nicht glaubte. Das war wirklich verletzend. Mir ist klar, wie sehr das meine Heilung verzögert hat.“ Tatsächlich dauerte es drei Jahre, bis Goitseone einen Therapeuten aufsuchte. Ihrer Aussage nach war die Tatsache, dass sie schwarz und Hausfrau war, ein entscheidender Faktor, der das Gesundheitspersonal, das sie aufsuchte, daran hinderte, zufriedenstellende Arbeit zu leisten. Dennoch fand sie Unterstützung „vor allem in schwarzen Kreisen“ und, was noch wichtiger ist, sie „fand Verständnis oder besser noch eine Diagnose für die richtige Behandlung, die ich brauche“. Caritia, die dritte Interviewpartnerin, erklärt des Weiteren, wie sie ihre eigenen Heilungsrituale geschaffen hat, als systemische Faktoren zu medizinischer Vernachlässigung führten. Zu ihren Ritualen gehören Workshops mit anderen, die körperliche Praktiken wie „Impact Play“ und „Sensation Play“ sowie die Verwendung von organischen Materialien wie Juteseilen beinhalten. Es gibt ein Gefühl der Fürsorge, das sowohl das Kollektiv als auch das Individuum einbezieht, denn wie Caritia erklärt: „Ein Teil meiner Fürsorge besteht auch darin, zu erkennen, dass ich um das bitten muss, was ich will, um das zu bekommen, was ich brauche und um ein Gleichgewicht zwischen all den äußeren Dingen und dem zu finden, was tatsächlich innerlich mit mir geschieht.“
Nnenna Onuoha
Nnenna Onuoha | Courtesy of the artist