Pink Schlemmer

Medienkunstinstallation|by Oliver Husain

  • Goethe-Institut Toronto, Toronto

  • Preis Gratis

Pink Schlemmer by Oliver Husain Pink Schlemmer © O Husain

Pink Schlemmer by Oliver Husain Pink Schlemmer © O Husain

Beauftragt und uraufgeführt vom Goethe-Institut Toronto

Im Jahr 2024 wurde eine alte 16mm-Kopie des Films Man and Mask: Oskar Schlemmer and the Bauhaus Stage im Archiv des Goethe-Instituts Toronto wiederentdeckt. Der Tanzfilm aus dem Jahr 1969 interpretiert die Choreografien Oskar Schlemmers, die um 1925 an der Bauhaus-Universität in Dessau entstanden. Aufgrund chemischer Alterungsprozesse ist das Filmmaterial heute in leuchtende Pink- und Magentatöne getaucht. Die Kuratorin Jutta Brendemühl übergab dem in Frankfurt geborenen und in Toronto lebenden Künstler und Filmemacher Oliver Husain das 16mm-Material zur freien künstlerischen Bearbeitung.
Husain und seine Kollaborateur:innen nutzen die auffällige Farbveränderung sowohl als Hinweis als auch als Einstieg, um Schlemmers Tänze, Ideen und deren Wirkung neu zu interpretieren. Durch seine farbenfrohe Verfremdung eröffnet der Film unerwartete Perspektiven auf die Geschichte des frühen modernen Tanzes und der Performancekunst. Internationale (insbesondere indisch-bauhausbezogene) Bezüge und queere Perspektiven entfalten sich in einem Kurzfilm, einer Installation auf Zelluloid sowie Lecture-Performances, die das Zusammenspiel von persönlichem und kollektivem Gedächtnis in der bewegten und unbewegten Bildkunst untersuchen.

„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“
– Oskar Schlemmer

Kostenlose öffentliche Veranstaltungen im Goethe Space:
Eröffnung: 11. September 2025
17:30–19:00 Uhr
Eröffnungsempfang mit Künstler Oliver Husain

Weitere Veranstaltungen folgen!

Pink Schlemmer (2025), Digitalvideo, 7 Minuten
Regie: Oliver Husain
Tanz: Tanveer Alam
Sounddesign: Matt Smith
Kostümdesign: Laura Honsberger
Maske: Tim Manalo

Mit Dank an LIFT (Liaison of Independent Filmmakers of Toronto), Asad Raza (Sonderberater für Kunst im öffentlichen Raum, UTM) und CSACH (Centre of South Asian Critical Humanities an der University of Toronto Mississauga), wo der Film gedreht wurde.

Teil des Goethe-Institut Toronto Schwerpunkts "Still Moving"

Künstler

Husain

Artist

Der Künstler und Filmemacher Oliver Husain lebt und arbeitet in Toronto. Seine Projekte entstehen häufig in Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen und Freund:innen und nehmen ihren Anfang oft in einem historischen Fragment, einem Gerücht, einer persönlichen Begegnung oder einer fernen Erinnerung. Husain bedient sich einer Vielzahl filmischer Ausdrucksformen, technischer Experimente und visueller Reize – darunter Tanz, Puppenspiel, Kostüm oder Spezialeffekte – um seine Recherchen zum Leben zu erwecken und das Publikum in komplexe narrative Szenarien einzubinden.

Seine Arbeiten wurden unter anderem im Forum Expanded der Berlinale, beim Toronto International Film Festival, beim Experimenta Festival in Bangalore sowie in großen Ausstellungen vom ICA Los Angeles bis zum Remai Modern in Saskatoon gezeigt. In enger Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut hat Husain bereits mehrere bedeutende Projekte realisiert, die kulturelle Dialoge zwischen deutschen, kanadischen und südasiatischen Kunsttraditionen und Ausdrucksformen fördern. Er wird von Susan Hobbs (Toronto) und Clages (Köln) vertreten.

Schlemmer

Artist

Oskar Schlemmer (1888–1943) war ein wegweisender deutscher Künstler, Choreograf und Gestalter, der die Theaterkunst während seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus grundlegend erneuerte. In seinem visionären Triadischen Ballett verwandelte er Tänzer*innen durch geometrische, skulpturale Kostüme in abstrakte Formen und erforschte so das Verhältnis zwischen dem menschlichen Körper und einem abstrahierten Raum. Seine Werke zeichnen sich durch eine einzigartige Verbindung aus Farbtheorie, räumlicher Dynamik und mechanisierter Bewegung aus – eine neue visuelle Sprache, die die Harmonie zwischen Mensch und Technik feierte.

Mit seinem Konzept des „Menschbilds“ positionierte Schlemmer die menschliche Figur zugleich als natürliches und künstliches Wesen – als metaphysische Existenz zwischen kosmischer Ordnung und mathematischer Präzision. Durch seinen interdisziplinären Ansatz schuf er ein nachhaltiges künstlerisches Erbe, das bis heute zeitgenössische Kunst, Tanz, Theater und Design beeinflusst.

Schlemmers künstlerische Vision wurde 1937 jäh unterbrochen, als das NS-Regime seine Werke als „entartete Kunst“ diffamierte. Er wurde zur inneren Emigration gezwungen und arbeitete isoliert in einer Lackfabrik in Wuppertal bis zu seinem Tod. Sein innovatives Schaffen wurde durch die faschistische Verfolgung vorübergehend zum Schweigen gebracht – ein stillgelegtes Vermächtnis, das bis heute für progressive, humanistische Ideale steht.