Un|controlled Gestures – 3rd Edition

Tunis_Aufführung_Uncontrolled © Goethe-Institut

Konzept

„Un|controlled Gestures – 3rd Edition“ ist ein regionales Projekt des Goethe-Instituts in Kooperation mit dem HAU Hebbel am Ufer in Berlin, kuratiert von Nedjma Hadj Benchelabi. Neben der Hauptkuratorin begleiten Petra Poelzl (Kuratorin für Tanz und Performance am HAU Hebbel am Ufer), Ali Chahrour (Tänzer und Choreograph), Nancy Mounir (Musikerin und Komponistin) und Nermin Habib (Tänzerin und Choreographin) die acht teilnehmenden Choreograph*innen aus den arabischsprachigen Ländern. Im Verlauf des Projekts setzen sie sich mit der zentralen Frage dieser Edition auseinander: „Wie tragen wir unser Erbe mit uns, vermitteln es oder distanzieren uns davon?“

Von dieser Frage aus beginnt die Arbeit der Teilnehmenden: Sie untersuchen ihre eigenen Erinnerungen und ihre Beziehungen zu diesen. Zu jenen Erinnerungen, die dicht unter der Oberfläche liegen, zugänglich und greifbar; und zu jenen, die fast vergessen sind, versteckt und flüchtig. Zu den intimen, die ganz persönlich betreffen; und zu den großen und kollektiven. Zu jenen Erinnerungen, die trotz aller Widerstände weitergegeben wurden; zu den geliebten und gefeierten und zu jenen, die lieber vergessen wurden. Und zu denen, die ungeschrieben und unausgesprochen bleiben, und doch in die Körper eingeschrieben, in Gesten und Bewegungen.

In der dritten Edition von Un|controlled Gestures kommen Kuratorinnen, Mentor*innen und Teilnehmende zusammen. Gemeinsam tauchen sie ein in Tanzpraktiken unterschiedlicher Zeiten und Orte. Interdisziplinär arbeitend, Erbe und Erinnerung befragend ebenso wie die Tradition der Übermittlung, begehen die Künstler*innen dabei neue Orte, um ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu teilen.

Nach einem ersten online-Treffen im Januar und ersten Einblicken in die Praktiken der Mentor*innen und die Arbeitsweise des Projektes findet vom 21. Januar bis zum 17. Februar eine vierwöchige Residenz in Kairo statt, während der die Teilnehmenden sich mit der alles durchdringenden Präsenz der Stadt auseinandersetzen – eine ganz eigene Entität in der kollektiven Geschichte und gleichzeitig ein gewaltiger Körper aus Stein, Geräuschen und Menschen, mit denen dieser Raum geteilt wird. Am
14. Februar werden die während der Residenz erarbeiteten Solos „Work in Progress“ aufgeführt. Im Juni folgt die letzte Phase des Projektes: In einer zweiten zehntägigen Residenz in Berlin arbeiten die Teilnehmenden erneut eng mit Mentor*innen und den Kuratorinnen zusammen und führen die weiter entwickelten Projekte im HAU Hebbel am Ufer auf.

Die Künstler*innen

Akka Hamdan Akka Hamdan

Akka Hamdan

Eine Palästinensisch-Jordanische Künstlerin und Designerin, deren tänzerische Praxis im zeitgenössischen Volkstanz verortet ist. Ihr Solo erzählt Akkas persönliche Geschichte: Akka, benannt nach einer Stadt, in der sie noch nie war und die sie nicht besuchen kann. Das Stück setzt sich damit auseinander, was es bedeutet, zu einem Ort zu gehören, und taucht damit ein in die Erkundung von Zugehörigkeit und Entfremdung. Es stellt Fragen danach, wie sowohl die Erinnerungen ihrer Familie und Vorfahren als auch Akkas eigene Erfahrungen im Jetzt ihre Identität prägen.


Islam Elarabi Islam Elarabi

Islam Elarabi

Islam Elarabi ist ein ägyptischer Tänzer, Tanzlehrer und Choreograph. Geboren und aufgewachsen in Gizeh, ist Islams eigenes Werden eng verbunden mit der Entwicklung von Mahrganat als Musik und tänzerischer Praxis. Er findet seine Inspiration in den Mahrganat-Bewegungen: In dem über die Jahre entwickelten vielseitigen Vokabular des Stils und dessen Anwendbarkeit im spontanen Erzählen von Geschichten liegt die Stärke und Besonderheit von Mahrganat, mit der Islam in seinem Solo experimentiert.


Jamal Suleiman Jamal Suleiman

Jamal Suleiman

Jamal ist ein jordanischer Künstler, Tänzer, Choreograph und Regisseur. Beeinflusst von seinem akademischen Hintergrund in Risikomanagement, besteht Jamals Herangehensweise an die künstlerische Kreation aus einer einzigartigen Mischung aus analytischem Denken und kreativem Ausdruck. Er arbeitet unermüdlich daran, Performances zu erschaffen, die das Publikum fesseln und die das Bewusstsein für psychosoziale urbane Problematiken schärfen. Ob er selbst performt, als Choreograph arbeitet, Regie führt oder ein Projekt organisiert – neue Herausforderungen und der Ausblick darauf, neue Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks zu entdecken, inspirieren Jamal.


Mohamed Bouriri James Giles

Mohamed Bouriri

Mohamed Bouriri, ein marokkanischer Tänzer bekannt als „Polini”, fand seine Leidenschaft für Tanz bereits mit 14 Jahren. Als Teil von „We The Lions“, die sich den Titel „Beste Marokkanische Crew“ verdienten, zeichnete er sich im Breakdance aus. Seine Entwicklung als Tänzer wurde 2018 durch ein Engagement mit der Kompanie 2KAFAR erweitert. Mit ihr tanzte er vor der marokkanischen Königsfamilie. In Zusammenarbeit mit renommierten Kompanien lässt Mohamed in seiner Arbeit die Grenzen zwischen urbanem und zeitgenössischem Tanz verschwimmen. Über die Bühne hinaus zeichnet er sich als Mentor und Lehrer aus und hinterlässt somit unauslöschliche Spuren.


Mohanad Smama Mohanad Smama

Mohanad Smama

Mohanad Smama hat an der Sport-Fakultät der Universität von Gaza-Stadt studiert und ist eine der Schlüsselfiguren, die die Verankerung zeitgenössischen Tanzes im Gazastreifen vorantreiben. Seit 2007 ist er Teil der Hip Hop Szene und gründete später das Kollektiv „Hai Team for Contemporary Arts“.


Nagham Salah Othman Nagham Salah Othman

Nagham Salah Othman

Nagham Salah Othman ist eine sudanesische Tänzerin, die an der Verschmelzung von zeitgenössischen und traditionellen afrikanischen Tänzen interessiert ist. Sie ist eine der Lehrerinnen im „PTP Contemporary Dance“, hat am „SEEDS“ Programm von Trainer*innen für Trainer*innen teilgenommen und unterrichtet Afrodance in mehreren Studios. Ihre Arbeit als Choreographin begann sie 2010, arbeitete seitdem auch als Tänzerin für andere Künstler*innen und nahm an mehreren Festivals teil. Naghams Projekt ist an der Identität zwischen den Kulturen interessiert: Sie recherchiert zu Tanzstilen sowohl in ägyptischen als auch sudanesischen Kontexten.


Sarah Almoneem Sarah Almoneem

Sarah Almoneem

Sarah Almoneem ist eine syrische Choreographin und Performerin. Im Jahr 2023 kreierte sie ihre erste Performance: Das Stück -There- handelt von Transitionen und ihren Auswirkungen auf die sie erlebenden Menschen. Nun beginnt Sarah die Arbeit an ihrem zweiten Solo, in dem sie den Veränderungen ihres Körpers nachspürt. Wie verändert sich Sarahs Beziehung zu sich selbst, zu den Städten, in denen sie lebt(e), zu Illusionen und Panik in der Annäherung an ihr 30. Lebensjahr?


Safa Baluchi Abeer Sultan

Safa Baluchi

Safa Baluchi ist eine interdisziplinär arbeitende Künstlerin aus dem Oman, die Identität und Dynamiken der eigenen Umgebung durch Performance, Mode, Bildende Kunst und Installation
verarbeitet. Angelehnt an ihre Herkunft aus Belutschistan, wird sie von althergebrachten Bräuchen und vielfältigen kulturellen Einflüssen inspiriert. Safas künstlerische Entwicklung ist von Selbstbefragung und -ausdruck, von ihrem ethnischen Hintergrund und der digitalen Moderne geprägt. Mit dem Wacholderbaum in Belutschistan als Ausgangspunkt nimmt Safas Projekt sich Fragen von Zugehörigkeit und Zeugnis an.


Kuratorinnen

Nedjma Hadj Benchelabi © Goethe Institut

Nedjma Hadj Benchelabi

Nedjma Hadj Benchelabi, in Algiers geboren und heute von Brüssel aus arbeitend, ist Kuratorin und Dramaturgin. Bis 2013 war sie Programmgestalterin am Europäischen Kulturzentrum Les Halles, wo sie an einem Programm zu zeitgenössischer Literatur und Performancekunst der arabischen Welt mitwirkte. Sie war Gastkuratorin des "Arab Art Focus" des Downtown Contemporary Arts Festival (D-CAF, Kairo, 2016-2018) und Kuratorin des multidisziplinären Festivals Tashweesh, einer Co-Produktion des Goethe-Instituts in Kairo und der Beurschouwburg in Brüssel. Seit 2019 ist sie Kuratorin des Mahmoud Darwish Legacy Programms, einer multidisziplinären Plattform, deren Tätigkeiten weit über Brüssel hinausreichen. Seit kurzem ist sie die dramaturgische Beraterin für die Kuration des Festivalprogramms von Tanz im August (August 2023, Berlin) und des Festivals "On Marche" in Marrakesch.


Petra Poelzl Petra Poelzl

Petra Poelzl

Petra Poelzl ist eine österreichische Kuratorin, Dramaturgin und Forscherin, die in Berlin lebt. Poelzl arbeitet als Kuratorin für Tanz & Performance am HAU Hebbel am Ufer (Berlin), wo sie das Festival " Spirits, Jinns & Avatars: On Magic in the Digital Age" sowie das kommende Festival "Love is a Verb" co-kuratierte. Sie hat für das Steirische Herbst Festival für Neue Kunst in Graz (Österreich) sowie für die Wiener Festwochen (Österreich) gearbeitet. Poelzl war Gastdozentin an der Freien Universität Berlin, an der Universität für angewandte Kunst Wien und der Akademie der bildenden Künste Wien.


Mentor*innen

Ali Chahrour Ali Chahrour

Ali Chahrour

Geboren in Beirut, erfindet der Choreograph und Tänzer Ali Chahrour eine Bewegung, befreit von westlichen Kodifizierungen und Modellen. Sie fungiert als Reflektion seiner Kultur, als politischer, sozialer und religiöser Kontext, in dem Ali Chahrour sich weiterentwickelt. In seiner Trilogie „Der Tod“ beschwört er Begräbniszeremonien, Tradition und harsche Modernität vermischend. „The Love Behind My Eyes“, welches auf dem Zürcher Theater Spektakel 2022 den ZKB Schirmherrschaftspreis
gewann, ist Teil von Chahrours zweiter Trilogie, dem Thema „Liebe“ gewidmet. Zurzeit bereitet er die Arbeit an einer neuen Trilogie zum Thema „Angst“ vor.


Nancy Mounir Nancy Mounir

Nancy Mounir

Als vielseitige Musikerin und als gekonnt arrangierende Komponistin ist Nancy Mounir ein wichtiges Mitglied der Szene für alternative Musik in Ägypten. Sie produziert Originalmusik für Theaterproduktionen, Filme und internationale Kunstausstellungen. Mounir spielt eine Reihe von Instrumenten - darunter Violine, Klavier, Bass, Theremin und die traditionelle ägyptische Bambusflöte Kawala - und hat sowohl die harmonischen Prinzipien des westlichen Kanons als auch die mikrotonalen Grundlagen des arabischen Maqam studiert. Zuletzt ist sie mit ihrem Solo-Debütalbum Nozhet El Nofous - einer transzendenten Erkundung der musikalischen Freiheit durch die Linse jahrhundertealter Archivaufnahmen - weiter ins Rampenlicht getreten.


Nermin Habib Nermin Habib

Nermin Habib

Nermin Habib ist eine ägyptische Künstlerin, zeitgenössische Tänzerin und Choreografin mit einem Bachelor-Abschluss in Philosophie zusätzlich zu einer 3-jährigen Ausbildung zeitgenössischem Tanz vom "CCDC – Cairo Contemporary Dance Center". Sie ist Mitglied des International Dance Council "CID-UNISCO" in Frankreich. Im Jahr 2016 schloss sie sich der ersten interdisziplinären Musiktheatergruppe in Kairo an. Im Jahr 2020 gründete Habib "ECHO", eine unabhängige Initiative, die Kunstprojekte außerhalb der Hauptstadt Kairo durchführt. Parallel zu dieser Arbeit leitet sie Workshops und andere Bildungsprojekte in zeitgenössischem und Baladi-Tanz für Frauen, Kinder und benachteiligte Gruppen mit dem Ziel, unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialer Position negative Denkmuster durch das Lernen von Tanz zu verändern.


„Un|Controlled Gestures – 3rd Edition“ ist eine Initiative des Goethe-Instituts in Kooperation mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, kuratiert von Nedjma Hadj Benchelabi.

Künstlerisches Team der 3. Edition:
Nedjma Hadj Benchelabi (Kuratorin & Dramaturgin); Petra Poelzl (Kuratorin Tanz & Performance HAU Hebbel am Ufer) Nermin Habib (Performerin & Choreographin) Ali Chahrour (Performer & Choreograph); Nancy Mounir (Musikerin & Komponistin);

Das National Centre for Culture and Arts in Amman hat das Tanzstudio für die Proben von Akka Hamdan gestellt.

Vorherige Editionen



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