06.03.2018, 18:30

Geniale Dilletanten

Ausstellung|Geniale Dilletanten - Subkultur der 80er-Jahre in Deutschland

  • Historisches Museum Tbilissi/ Karwasla

Musiker Goethe-Institut

„Geniale Dilletanten“ war der absichtlich falsch buchstabierte Titel eines Konzerts, das am 4. September 1981 im Berliner Tempodrom stattfand. Der Titel avancierte fast zum Synonym einer kurzen Epoche des künstlerischen Aufbruchs in West-Deutschland zwischen 1979 und 1989, einer Epoche, in der in allen Künsten neue Wege begangen und neue Ausdrucksformen gesucht wurden. Kennzeichnend war ein gattungsübergreifender Ansatz: Musiker drehten Super-8-Filme, Maler spielten in Bands oder gründeten Clubs, die als Inkubatoren der nicht nur in Berlin, sondern auch in Düsseldorf, München, Bonn oder Rosenheim und Erlangen explodierenden Szene fungierten. Die ersten tragbaren und erschwinglichen Video-Recorder ermöglichten die Produktion von Clips, die deutsche Sprache behauptete sich erstmals gegen das bis dahin dominierende Englisch in der Pop-Musik, Kollektive wie FSK oder Die Tödliche Doris experimentierten mit Musik, Film und Sprache.  Die Einstürzenden Neubauten produzierten mit selbst gebauten Instrumenten einen bis dahin ungehörten brachialen Lärm. Dada und Fluxus wurden revitalisiert, photokopierte Fanzines machten die Runde, Kassetten-Labels schossen landesweit aus dem Boden, und die "Jungen Wilden" eroberten die Galerien. Was ab Mitte der 80er Jahre in der Kommerzialisierung als Neue Deutsche Welle versandete und mit der Wiedervereinigung endgültig endete, war eine bis dahin ungekannte künstlerische Vehemenz, die sich in Musik und bildender Kunst ebenso wie im Design, in Mode, Literatur und Film Bahn brach. Das Gattungs- und Kategorienüberschreitende, bzw. das Irritieren und Austarieren der künstlerischen Genres - aber auch der politischen Grenzziehungen von Ost und West - war der Bereich, mit dem sich intensiv künstlerisch beschäftigt wurde.  

Konzept: Mathilde Weh und Leonhard Emmerling, Goethe-Institut/München
Projektleitung: Mathilde Weh, Goethe-Institut/München
Partner: Georgisches National Museum