Film Filme über Arbeit

„Arbeiter verlassen die Fabrik“ © Harun Farocki

Mo, 27.03.2017

Goethe-Institut Athen

Panepistimiou 57
Athen

„Arbeiter verlassen die Fabrik“ und „Labour in a single shot/Eine Einstellung zur Arbeit“

In drei Loops je 90‘: 17:30, 19:00, 20:30

Um 20:30 Einführung durch Elena Papadopoulou, Kunsthistorikerin und Leiterin des Instituts für Zeitgenössische Kunst „Radio Athènes" 
 
 
Arbeiter verlassen die Fabrik (1995, 36‘)
 
„Die erste Kamera in der Geschichte des Films war auf eine Fabrik gerichtet, aber nach hundert Jahren läßt sich sagen, daß die Fabrik den Film kaum angezogen, eher abgestoßen hat. Der Arbeits- oder Arbeiterfilm ist kein Hauptgenre geworden, der Platz vor der Fabrik ist ein Nebenschauplatz geblieben. Das Werkstor formiert die von der Arbeitsordnung vergleichzeitigten Arbeiterinnen und Arbeiter, die Kompression erzeugt das Bild einer Arbeiterschaft.
Es ist augenscheinlich, wird aus der Anschauung gewonnen oder in ihr wiedergewonnen, daß die durch das Werktor Tretenden etwas Grundsätzliches gemeinsam haben. Das Bild ist nahe am Begriff, und deshalb ist dieses Bild zu einer rhetorischen Figur geworden. Man findet diese in Dokumentationen, in Industrie- und Propagandafilmen, oft mit Musik unterlegt und/oder Worten unterlegt, dem Bild ist ein Wortsinn wie "Ausgebeutete", "Industrieproletariat", "Arbeiter der Faust" oder "Massengesellschaft" eingetragen.
Nachträglich, nachdem wir gelernt haben, wie Filmbilder nach Idee greifen und von diesen ergriffen werden, nachträglich sehen wir, daß die Entschiedenheit der Bewegung der Arbeiterinnen und Arbeiter repräsentativ ist, daß die sichtbare Menschenbewegung stellvertretend steht für die abwesenden und unsichtbaren Bewegungen der Güter, Gelder und Ideen, die in der Industrie zirkulieren. Schon in der ersten Bilderfolge wird die Hauptstilistik des Films begründet. Zeichen werden nicht in die Welt gesetzt, sondern im Wirklichen aufgegriffen. Als teile die Welt aus sich heraus etwas mit„.

Harun Farocki
 
 
Labour in a single shot/Eine Einstellung zur Arbeit (2011-2014)
Labour in a single shot © Goethe-Institut Athen/Vangelis Patsialos Ein Projekt von Harun Farocki und Antje Ehmann
 
Mehr als 300 Filmautoren in 15 Workshops, auf 5 Kontinenten, in 12 Ausstellungen und in 1 Webkatalog
http://www.eine-einstellung-zur-arbeit.net/de/filme/
 
Die beiden Künstler haben weltweit Workshops ins Leben gerufen, in denen es darum ging, ein- bis zweiminütige Filme zum Thema Arbeit zu produzieren, aufgenommen in einer einzigen Einstellung – ohne Schnitt.
 
„Eine Einstellung zur Arbeit erfordert es, sich mit der jeweiligen Stadt / Region, in der ein Workshop stattfindet, auseinanderzusetzen. In jeder Stadt gibt es täglich allerhand Arbeitsvorgänge zu beobachten. Schuster, Köchinnen, Ober, Fensterputzer, Krankenpflegerinnen, Tattoo-Künstler oder Müllmänner. Doch häufig findet die Arbeit hinter verschlossenen Türen statt. Es gibt Arbeiten, die nicht nur unsichtbar, sondern auch unvorstellbar sind. Daher gilt es, sich in Recherchen zu vertiefen, die Augen zu öffnen, und sich in Bewegung zu setzen. Wo ist welche Art von Arbeit sichtbar? Was verbirgt sich? Was findet im Zentrum, was an der Peripherie statt? Was ist charakteristisch oder auch ungewöhnlich für die jeweilige Stadt? Welche Arbeitsvorgänge könnten eine kinematographische Herausforderung sein?
Wie lässt sich die Choreographie eines Arbeitsablaufs in einer einzigen Einstellung am besten und interessantesten einfangen? Zeigt es sich doch: Eine einzige Einstellung von 1 bis 2 Minuten kann bereits eine Narration erzeugen, eine Spannung oder Überraschung. Und genau das ist es, was wir an vielen der Workshop-Arbeiten lieben.“

Harun Farocki, Antje Ehmann
 
Das Projekt ist eine Koproduktion der Harun Farocki Filmproduktion und des Goethe-Instituts Boston.
 
Gezeigt werden 36 Videos aus 9 Städten:
Bangalore, Berlin, Buenos Aires, Kairo, Hanoi, Lodz, Moskau, Rio de Janeiro, Tel Aviv
 
Die Videoauswahl trafen Harun Farocki und Antje Ehmann im Rahmen der Hommage „Harun Farocki – Against what? Against whom?“, die im Jahr 2013 in Athen von der Griechischen Kinemathek, dem Goethe-Institut und der Kunstakademie Athen veranstaltet wurde.
 

 
 

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