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20:30 Uhr

Future is Consciousness — Ηistory Projected #3

Filmvorführung in Zusammenarbeit mit Ethnofest|Predicting the Present (Die Gegenwart vorhersagen)

History Projected 3 History Projected 3

HP 16.7. Typical Organization

HISTORY PROJECTED 2026
Geschichte, aber als Projektion 2026

Predicting the Present
Die Gegenwart vorhersagen

Filmvorführungen in Zusammenarbeit mit Ethnofest
Programm kuratiert von Geli Mademli
Visual Identity: Typical Organization

Episode #3: Future is Consciousness

Für den deutschen Philosophen Walter Benjamin war das Gedächtnis weniger ein Beobachtungsinstrument als vielmehr ein Theater, in dem Bilder vor unseren Augen vorbeiziehen. Mit seinem Vorschlag, die „Konstellation“ als erkenntnistheoretisches Werkzeug zu nutzen, zeigt er, dass unser Verständnis von Zeit und Menschlichkeit eine Frage der Wahrnehmung und ein bewusstes Experiment ist.

Practical Fiction
Alexandros Pissourios (Zypern, 2009, 10΄)

Practical Fiction Practical Fiction

„Wir scheinen uns nur in anonymen Begegnungen begegnen und verstehen zu können. Erst wenn sich zwei Menschen in der Gegenwart des anderen selbst vergessen, können sie einander erkennen.“ (Adam Phillips, „Über das Flirten“.)


This makes me want to predict the past 
Cana Bilir-Meier (Deutschland, Österreich, 2019, 16΄)

This makes me want to predict the past This makes me want to predict the past

Der Film präsentiert eine Gruppe jugendlicher Migrant*innen im Münchner Olympia-Einkaufszentrum, dem Ort eines rassistischen Angriffs im Jahr 2016, bei dem neun junge Migrant*innen ums Leben kamen und viele weitere schwer verletzt wurden. Die Kamera folgt zwei Teenagern, die durch das Einkaufszentrum streifen, und fängt dabei ihre Träume, Hoffnungen, Ängste und Albträume ein. Fiktion und Realität vermischen sich: Szenen aus dem Theaterstück Düşler Ülkesi (1982) fließen ein und verweben sich mit verschiedenen Zeitebenen. Der Titel spielt auf den scheinbaren Widerspruch an, die Vergangenheit vorhersagen zu wollen, und verweist auf die anhaltende, intersektionale Erfahrung von Rassismus, die Jugendliche der 1980er Jahre mit denen von heute verbindet. Gleichzeitig fordert er spielerisch dazu auf, aus gewohnten Denkmustern, Strukturen und Entwicklungen auszubrechen. Der Titel der Show, „Düşler Ülkesi” („Land der Träume”), entstammt Erman Okays gleichnamigem Theaterstück für Kinder und Jugendliche, das 1982 in München Premiere feierte. Laienschauspieler*innen mit und ohne Migrationshintergrund stellten Alltagsszenen sogenannter Gastarbeiter*innen dar und thematisierten unerfüllte Sehnsüchte, gebrochene Versprechen, Vorurteile und Missverständnisse. Das Projekt war wegweisend: Es brachte Jugendliche unterschiedlicher Herkunft zusammen und förderte gegenseitiges Verständnis.


John Lilly and the Earth Coincidence Control Office 
Michael Almereyda, Courtney Stephens (USA, 2025, 90΄)

John Lilly and the Earth Coincidence Control Office John Lilly and the Earth Coincidence Control Office

Der französische Regisseur Georges Franju sagte einmal: „Ich habe mich schon immer vom Sog des Fremden angezogen gefühlt.“ Michael Almereyda und Courtney Stephens erweisen sich als würdige Erben dieser schwer fassbaren, verführerischen Form des Kinos. Mit Archivmaterial, Heimvideos, popkulturellen Einblicken und Interviews mit Zeitgenossen aus Wissenschaft und Kunst tauchen sie in die seltsame und geheimnisvolle Welt von John Lilly ein. Lilly, ein ikonoklastischer Wissenschaftler, experimentierte mit Delfinen und Halluzinogenen (LSD und Ketamin) und eröffnete so neue Wege zum Bewusstsein und zum Verständnis von Walen als fühlenden Wesen. Seine Neigung zu Theatralik und Fantasie trieb ihn später in die Selbstzerstörung. Auf der Suche nach neuen Kommunikationsformen und transzendentalen Erfahrungen erfand Lilly den Isolationstank. Gemeinsam mit dem Anthropologen Gregory Bateson leitete er die berühmten Experimente, bei denen eine Forscherin mit einem jungen männlichen Delfin in einem teilweise gefluteten Raum lebte. Diese Versuche inspirierten zwei sehr unterschiedliche Hollywood-Filme (The Day of the Dolphin und Altered States) und regten zugleich ernsthafte Studien in Neurobiologie und Linguistik an. Vor dem Hintergrund der Militärwissenschaft des Kalten Krieges, der psychedelischen Gegenkultur der 1960er-Jahre und der ökologischen Avantgarde der 1970er-Jahre spiegelt John Lillys Leben und Vermächtnis eine kollektive Traumlandschaft des 20. Jahrhunderts wider.