Geschichte erlebbar gemacht
„Das geheime Stockwerk“ wird auf Hebräisch synchronisiert
Ein Film über Mut, Freundschaft und die Anfänge des Nationalsozialismus: „Das geheime Stockwerk“ verbindet Geschichte mit aktuellen Fragen unserer Zeit. Dank einer eigens für Israel produzierten hebräischen Synchronfassung können junge Zuschauer*innen ganz in die mehrfach ausgezeichnete Geschichte eintauchen, ohne Untertitel lesen zu müssen. Die Synchronisierung wurde vom Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum ermöglicht
Von Yael Goldman
Zwischen Konzentration und Raketenalarmen
Wie ein jonglierender Hochseilartist schwebt er geradezu über seinem Stuhl. In bunten Strümpfen, hochkonzentriert, motivierend, in Windeseile die hebräischen Übersetzungen mundgerecht für die jungen Sprecher - unter Wahrung der korrekten Grammatik - anpassend, scherzend und mit unendlicher Geduld, sitzt Roy Geva, der Synchronregisseur, vor drei Monitoren und zwei Keyboards. Er behält das Textmanuskript, den Film und den Monitor der Aufnahmen im Auge und ist ganz Ohr. Mit einem Keyboard rückt er die aufgenommenen Dialoge an die richtigen Timecodes, mit dem anderen tippt er blitzschnell eventuelle Korrekturen des Textes in das Skript, immer wieder unterbrochen von Raketenalarmen, denn die Aufnahmen finden während des Irankrieges im Frühjahr 2026 statt.
„Das geheime Stockwerk“ ist ein mehrfach ausgezeichneter österreichisch-deutsch-luxemburgischer Kinderfilm von Norbert Lechner aus dem Jahr 2025. Er thematisiert die Anfänge des Nationalsozialismus und stellt zugleich einen Bezug zur Gegenwart her.
Worum geht es im Film?
Karlis Eltern haben das 100 Jahre alte Hotel „Europa“ in den Bergen gekauft und renovieren es. Durch einen technischen Zufall wird Karli auf eine Zeitreise in das Jahr 1938 geschickt, in eben dieses Hotel, wo er die gleichaltrige Jüdin Hannah trifft, die mit ihrem Vater auf der Flucht aus Berlin im Hotel wohnt. Dort lernt er auch den kleinen Georg kennen, der dort als Schuhputzer das Einkommen für seine Familie verdient, und sehr von der NS-Ideologie beeinflusst ist. Geplagt werden die drei von den bösartigen Söhnen eines sich ebenfalls dort aufhaltenden Nazis, Heinrich und Herman Hartwig. Als Georg des Diebstahls bezichtigt wird, beginnt eine Detektivgeschichte, denn Hannah und Karli sind fest entschlossen, Georgs Unschuld beweisen.
Der Film schafft es, auf spannende und dabei kindgerechte Weise, historische Ereignisse und Zusammenhänge zu vermitteln und dabei auch für aktuelle Themen wie Ausgrenzung, Manipulation, Hetze und die Gefahr, die von faschistoiden Bewegungen ausgeht, zu sensibilisieren.
Das Goethe-Institut hat die nicht-kommerziellen Vorführrechte für den Film erworben und in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum eine hebräische Synchronisierung des Films beauftragt. Das ist in Israel, von Animationsfilmen abgesehen, außergewöhnlich, und erlaubt es der jungen Zielgruppe ganz in die Geschichte einzutauchen, ohne Untertitel mitlesen zu müssen.
Eine besondere Herausforderung bei der Übertragung ins Hebräische lag darin, die Sprache der 1930er Jahre (Drehbuch: Antonia Rothe-Liermann und Kathrin Milhahn) für ein junges israelisches Publikum zugänglich zu machen. Wörter wie Fernsprecher, Grammophon, Lichtspieltheater, Volksempfänger und deutsche Redewendungen wie „jemandem einen Bären aufbinden“, „jemanden kaltmachen“ oder „einbuchten“ sind einige Beispiele dafür. Auch bei der Übersetzung von typischen Berliner Ausdrücken wie Flitzpiepe, Pustekuchen, Backpfeifengesicht, „bekannt wie ein bunter Hund“ u.a., ging es in der hebräischen Fassung nicht ohne sprachliche Kompromisse.
Die Stimmen
Die Synchronsprecher*innen sind alle alte Hasen, sitzen souverän und hochkonzentriert hinter ihren Mikrofonen.Was wissen sie über die damalige Zeit und wie war es für sie, dorthin „zurückzureisen“, um in die Rollen der Filmprotagonist*innen zu schlüpfen?
„Wir sind alle Menschen, wir sind gleich geformt und es gibt keinen Grund, warum jemand denken sollte, er sei mehr wert als ein anderer.“ (Yael, 12 Jahre, spricht Hannah)
Das Goethe-Institut hat israelweit die nicht-kommerziellen Vorführrechte für diesen Film bis März 2033.
Bei Interesse kontaktieren Sie bitte yael.goldman@goethe.de