Filmkritik | „Allegro Pastell“
Von der Unmöglichkeit, sich festzulegen
Selbstreflexiv, entrückt, ein bisschen lethargisch: Anna Roller verfilmt Leif Randts Generationenporträt „Allegro Pastell“ nach dessen Drehbuch.
Von Philipp Bühler
Wie soll man Allegro Pastell nun finden? Das ist die unglaublich verzwickte Frage nach diesem Film, als berufsmäßiger Kritiker sieht man sich geradezu in einem Möbiusband. Um die Bewertung von Dingen, Menschen, Gefühlen und sogar Farben geht es schließlich vor allem in Allegro Pastell, dem zugrundeliegenden Buch von Leif Randt und nun auch dem Film, aber eben auch darum, warum man das tut und ob es das mit dem Leben schon gewesen sein soll. Nach seinem Erscheinen im Jahr 2020 galt der Roman schnell als Sensation, die kühle Liebesgeschichte zwischen den Thirtysomethings Tanja und Jerome, der Schriftstellerin und dem Webdesigner, als Generationenporträt. Hyperreflektiv, lethargisch an der Schwelle zur Arroganz, aber auch sensibel und milde verunsichert – nicht nur die Kritik, sondern auch viele Millenials erkannten sich in den beiden wieder, oder kannten zumindest andere, die genau so tickten.
Der Tesla fehlt
Vorsichtig formuliert, ist die Verfilmung durch Anna Roller (Dead Girls Dancing, 2023) dem Buch recht ähnlich, was man, in der unnachahmlichen Sprache Leif Randts, „angenehm“ oder „durchaus“ etwas unbefriedigend finden kann. Tanja und Jerome mögen ihre Fernbeziehung zwischen Berlin und Maintal bei Frankfurt, Hauptstadt und westdeutsche Provinz, das ist zugleich spannend und dank der Deutschen Bahn gut machbar. Manchmal lassen sie sich zu einem „300 % Joy“ hinreißen, wie man an den eingeblendeten Textnachrichten sieht, andere Buchzitate werden recht exzessiv über ihre Erzählstimmen eingesprochen.Aber so pragmatisch-harmonisch kann es natürlich nicht bleiben. Andere Partner werden ausprobiert, Jeromes wohlüberlegtes Design für Tanjas Website spielte dabei eine Rolle. Die Pastellfarben – versteht man darunter eine gewisse Blässe, stimmt der Begriff – wechseln nun hin und wieder zu Aperol-Rot, ohne dass das an der fraglos zeitgemäßen Optik viel ändert, die tatsächlich wirkt wie durch einen Instagram-Filter gedreht. Die Nennung bekannter Marken wurde allerdings deutlich reduziert. Der berühmt gewordene Besuch in der Berliner Filiale der Sportartikel-Kette Decathlon entfällt, und Tesla fährt Jerome auch nicht mehr, nicht einmal zur Miete.