Logo Goethe-Institut

Max Mueller Bhavan | Indien

Gesundheitspflege

Anitha Shaji, Pflegekraft, Freiburg

Anitha Shaji hat den Sprung aus Indien direkt in den deutschen Pflegealltag gewagt. Zwischen Anerkennungsverfahren und deutschem Käsekuchen beginnt sie ein neues Leben – voller Herausforderungen und kleiner Erfolge.

„Ich habe lange als Krankenpflegerin in meinem Heimatland gearbeitet und wollte eine neue Kultur kennenlernen“, erzählt Anitha Shaji. Im November 2024 kam die 35-Jährige aus dem südindischen Bundesstaat Kerala nach Deutschland und hatte ein klares Ziel vor Augen: ihre berufliche Zukunft als Pflegefachkraft weiterentwickeln und ihren beiden Kindern eine Perspektive auf eine gute Ausbildung bieten. „Außerdem bietet Deutschland viele Möglichkeiten der Weiterbildung. Dadurch kann ich meine bisherigen Kenntnisse erweitern.“

Das Anerkennungsverfahren in Deutschland durchlaufen

Shaji bringt langjährige Berufserfahrung aus ihrem Heimatland mit. In den letzten elf Jahren hat sie in verschiedenen Krankenhäusern gearbeitet – unter anderem in der Notaufnahme, auf der Intensivstation und in der Chirurgie. Derzeit absolviert sie ihr Anerkennungsjahr in der Neurochirurgie des Universitätsklinikums Freiburg.  

Wer als Pflegefachkraft aus einemanderen Landin Deutschland arbeiten möchte, benötigt eine Anerkennung seines Berufsabschlusses. Dafür prüft die zuständige Behörde Ausbildungsnachweise; eventuell muss die Pflegekraft noch einen Anpassungslehrgang absolvieren oder eine Kenntnisprüfung ablegen. Meistens aber umfasst das Anerkennungsverfahren ein praktisches Anerkennungsjahr mit begleitender theoretischer Ausbildung, das mit einer staatlichen Prüfung endet. Sprachkenntnisse auf mindestens dem Niveau B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens sind Voraussetzung. Unterstützt werden ausländische Fachkräfte häufig durchstaatliche Programme oder spezialisierte Vermittlungsagenturen und die aufnehmenden Kliniken.

Nach der Prüfung und ihrer Berufszulassung in Deutschland möchte Shaji ihre Familie nachholen. Noch leben ihr Mann und ihre zwei Kinder in Indien. „Ich vermisse meine Familie“, sagt sie. Doch die Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen ist groß: „Mein Mann und meine Kinder beginnen gerade mit dem Deutschkurs. Auch mein Mann möchte in Deutschland arbeiten.“ Für Shaji ist klar: Die Sprache ist der Schlüssel – nicht nur zum Beruf, sondern auch zum Ankommen in der Gesellschaft. „Gute Sprachkenntnisse sind sehr wichtig,in der Pflegeundim Alltag“, betont sie. Missverständnisse können in der Kommunikation mit Patientinnen und Patienten, Kolleginnen und Kollegen oder im Supermarkt schnell entstehen. Deshalb empfiehlt sie: „Wer einen Deutschkurs machen möchte,der sollte ihn am besten an einem staatlich geförderten Institut machen, mit einem gut ausgebildeten Deutschlehrer.“

Ein neues Zuhause in Freiburg

Ihr neues Zuhause hat Shaji im Wohnheim der Uniklinik gefunden. Dort lebt sie in einem Einzelzimmer, die Küche teilt sie sich mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern. Eine gute Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen. „Ich habe dort viele neue Freunde gefunden“, berichtet sie. Auch mit ihren Kolleginnen und Kollegen kommt sie gut zurecht: „Sie sind sehr freundlich und helfen mir immer gerne, wenn ich eine Frage habe.“Das Leben in Freiburg gefällt ihr. „Die Menschen hier sind sehr nett. Die entspannte Atmosphäre mag ich sehr gerne.“

Natürlich war nicht alles leicht. Das kalte Wetter im Winter war gewöhnungsbedürftig – und auch das vertraute Essen aus ihrer Heimat hat sie zunächst vermisst. „Aber jetzt probiere ich ab und zu deutsches Essen – und das mag ich sehr“, sagt sie lachend. Besonders angetan hat es ihr ein deutscher Klassiker: Käsekuchen.

Neben der Sprache und dem kulturellen Wandel sieht Shaji auch Unterschiede im Beruf: „In Indien dokumentieren wir alles auf Papier. In Deutschland wird alles digital festgehalten.“ Doch auch dafür gibt es Unterstützung: „Die Uniklinik bietet einen Kurs für die Dokumentation an. “Von der deutschen Arbeitskultur ist sie positiv überrascht. „In meinem Heimatland sind Überstunden normal. Hier wird Freizeit respektiert und es gibt eine gute Work-Life-Balance.“