Klaus von Bismark Preis 2020
Kolkata

KvB Kolkata small Fr. Leela Chinoy & Hr. Narayan Muhuri mit Fr. Astrid Wege, Institutsleiterin
© Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Kolkata/Photo:Sharmistha Sarker

Der wichtigste Mitarbeiter*innenpreis des Goethe-Instituts ging 2020 gleich zweimal nach Indien. Leela Chinoy, Verwaltungsleiterin am Goethe-Institut Kolkata, und Narayan Muhuri, Wächter am Goethe-Institut Kolkata, erhielten die Auszeichnung für herausragende Leistungen, die sie gemeinsam, aber auch individuell vollbrachten.

Heute stellen wir Narayan Muhuri im Interview vor.

KvB Narayan Muhuri © Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Kolkata/Foto:Sharanya Chattopadhyay

Interview mit Narayan Muhuri


Herr Muhuri, wie sind Sie zum Goethe-Institut gekommen?
Zunächst hatte ich zehn Jahre in einem Unternehmen als Bote und Einkäufer gearbeitet. Danach fing ich bei meiner jetzigen Firma National Investigation Security an. Sie stellte mich als Wächter an einer berühmten Primärschule in der Stadt Kolkata ein. Dort war ich zwei Jahre. Die Schule und die Firma waren mit meiner Arbeit sehr zufrieden. In dieser Zeit bekam ich auch gelegentlich den Auftrag, als Wächter für Goethe-Institut Max Müller Bhavan Kolkata zu arbeiten. Und seit 2011 bin ich dann hier.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders Freude?
Ich bin einer, dem die Arbeit Spaß macht. Der Arbeitsplatz ist für mich wie eine erweiterte Familie. Mir macht besonders Freude, dass ich gleich am Haupteingang für alle Institutsmitarbeiter, Studenten, Besucher und Gäste die erste Kontaktperson sein und sie begrüßen darf.

In der Jurybegründung wird unter anderem Ihr besonderer Einsatz während des Corona-bedingten Lockdowns in Indien betont. Wie haben Sie diese Zeit erlebt und welche waren die größten Herausforderungen für Sie?
Fünfundachtzig Tage hintereinander verbrachte ich allein im Institut, als der Lockdown begann. Das war eine Herausforderung. Ganz am Anfang machte ich mir große Sorgen um meine Familie, die in einem entfernten Dorf lebt. Ich wusste nicht, wie ich ihr das nötige Geld schicken konnte. Nachdem meine Verwandten es für mich übernommen hatten, entschied ich, bis zum Ende des Lockdowns im Institut zu bleiben. Vom damaligen Institutsleiter Herrn Friso Maecker und der Leiterin der Verwaltung Frau Leela Chinoy erhielt ich immer wieder die nötigen Anweisungen und Unterstützungen. Insbesondere musste ich auf Server-Raum, IT-Raum und Klimaanlagen achten. Da ich im ganzen Gebäude die einzige Person war, fühlte ich mich manchmal natürlich sehr einsam. Aber viele Institutsmitarbeiter riefen mich von Zeit zu Zeit an. Auch eine ehemalige Mitarbeiterin, die zu dieser Zeit in den USA war, telefonierte von Philadelphia mit mir. Das alles half mir wieder neuen Mut zu bekommen.

Über diesen Einsatz hinaus haben Sie wesentlich zur Sicherung des Instituts in Anbetracht des Zyklons Amphan beigetragen. Wie konnten Sie potentiell großen Schaden vom Institut abwenden?
Wie gesagt, für den großen dreistöckigen Altbau war ich zuständig. Das war nicht leicht. Am Tag vor dem Zyklon entfernte ich zuerst alle Steckanschlüsse. Ich bedeckte den Computer, die Tische und die Stühle im Büro des Institutsleiters mit der Plastikfolie. Dann holte ich Drahtsaiten. Damit musste ich einige riegellose Fenster ganz festbinden. Am Ende schloss ich alle Türen und Fenster und Räume. Während des Sturms wurde ein großer Baum entwurzelt. Zum Glück fiel er dem Haupteingang gegenüber auf dem Feld. Nichts wurde beschädigt. Nur das Institutsmotorrad lag im Wasser. Über das alles benachrichtigte ich Herrn Maecker und Frau Chinoy. Es war für mich die erste Erleichterung.
Erst nach zwei Tagen konnte meine Familie mich telefonisch kurz erreichen. Am Tag des Zyklons musste sie das Haus verlassen und bei meinem Onkel wohnen. Später konnte ich per Smartphone eines Kollegen einen Videoanruf machen und mit meiner Tochter sprechen. Es war für mich die zweite Erleichterung.

Die Jury ehrt Sie gemeinsam mit Frau Leela Chinoy. Was macht in Ihren Augen die funktionierende Arbeit im Team aus?
Es ist eine große Ehre für mich. Ich habe noch nie einen Preis bekommen. Mir gefällt die Arbeit im Team. Das ist auch mein Arbeitsalltag. Mit den Kollegen von National Investigation Security mache ich gemeinsam die Aufgaben. Während des Lockdowns wurde mir noch klarer, dass Vertrauen und Unterstützungen am wichtigsten sind. Ich freue mich, dass ich die Aufgaben für das Institut erfüllen konnte.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Goethe-Instituts Kolkata?
Persönlich mag ich die Atmosphäre einer Bildungsinstitution. Ich wünsche mir, dass immer mehr Studenten aus den anderen Städten Indiens zum Goethe-Institut Kolkata kommen würden, um die Sprache zu lernen oder die Prüfungen zu machen. Es ist ein schönes Institut. Wenn ich auch meinen eigenen Wunsch äußern darf, möchte ich von diesem Institut in den Ruhestand gehen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Muhuri. Wir alle gratulieren Ihnen noch einmal ganz herzlich zum Preis.
Ich danke Ihnen.
 
(Herrn Narayan Muhuri interviewte Herr Subroto Saha)


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KvB Leela Chinoy © Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Kolkata/Foto:Sharanya Chattopadhyay

Interview mit Leela Chinoy


Frau Chinoy, wie sind Sie zum Goethe-Institut gekommen?
Ich habe Deutsch am Goethe-Institut in Pune gelernt. Als ich nach Absolvierung der Oberstufe am Goethe-Institut Pune in Kalkutta ankam, traf ich am Flughafen zufällig den damaligen Sprachabteilungsleiter. Er vereinbarte mit mir einen Termin für den nächsten Tag, und nach dem Gespräch mit ihm und dem Institutsleiter wurde mir die Stelle einer Sachbearbeiterin im Programmbereich angeboten.

Welche Stationen haben Sie seitdem durchlaufen?
Sachbearbeiterin Programm, Sachbearbeiterin Sprache, Sachbearbeiterin Verwaltung und seit 2002 Leitung Verwaltung.

Sie sind – mit kurzer Unterbrechung – seit 1980 am Goethe-Institut tätig. Was finden Sie an Ihrer Arbeit besonders spannend?
Es ist am Goethe-Institut anders als in einem regulären Büro. Hier ist man involviert in der Organisation einer Vielzahl von Veranstaltungen und Aktivitäten, und die unterschiedlichen Erfahrungen und Erlebnissen sind für mich immer sehr spannend gewesen.  
Besonders aufregend und die spannendste Erfahrung war für mich der Umzug des Instituts. Ich hatte hier das Privileg, eng mit unserem damaligen Institutsleiter, Herrn Maecker, zusammenzuarbeiten - die Aufgabe, einen geeigneten Ort zu finden, der den deutschen und indischen Anforderungen entspricht, wo etliche Prüfungen gemacht bzw. Berichte vorgelegt werden mussten, die endgültige Freigabe von der Zentrale zu bekommen und am Bau beteiligt zu sein. Es ist nun jedes Mal ein tolles Gefühl, die Bewunderung der Besucher*innen zu sehen, wenn sie das „neue“ Institut erstmals betreten.
 
In der Jurybegründung wurden besonders Ihr Einsatz während der Corona-Pandemie sowie Ihr schnelles Handeln in Anbetracht des Zyklon Amphan hervorgehoben. Was ist Ihnen aus dieser bewegten Zeit besonders in Erinnerung geblieben?
Das hiesige Goethe-Institut befindet sich in einem großen circa 110-jährigen denkmalschützten Gebäude. Während des Lockdowns in Westbengalen zur Eindämmung der COVID-Pandemie war das Institut geschlossen. Glücklicherweise blieb Herr Muhuri über die drei Monate der Lockdown-Zeit im Institut. Alle Fenster und Türen - es gibt mehr als 100 davon - mussten richtig befestigt werden, der Spalt unter den Außentüren wurde mit Tüchern und Wischlappen ausgestopft. Alle Stecker mussten aus den Steckdosen gezogen werden. Wir sind am Tag des Zyklons zusammen durchs Haus gelaufen, um sicherzustellen, dass jeder Bereich im Haus geschützt war. Als der Amphan am Abend eintraf, versuchte ich mit Herrn Muhuri zu telefonieren, aber es war schwierig, ihn über das Rauschen des Windes und das Prasseln des Regens zu verstehen. So viel wurde an dem Tag in der Stadt zerstört. Sehr beruhigend war es zu sehen, dass im Institut nichts beschädigt wurde.

Die Jury ehrt gemeinsam mit Ihnen Herrn Narayan Muhuri. Was zeichnet in Ihren Augen eine gute Zusammenarbeit mit Kolleg*innen aus?
In erster Linie Vertrauen und gute Kommunikation; auch der Glaube, dass wir füreinander da sind, und unabhängig von kleinen Meinungsverschiedenheiten, dass wir ein Team sind.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Arbeit des Goethe-Instituts weltweit?
Das Goethe-Institut führt uns in die Welt der deutschen Kultur und Sprache und ermöglicht es, diese hautnah zu erleben. Ich hoffe, dass diese Arbeit – auch wegen ihres nichtkommerziellen Charakters insbesondere im Bereich des Kulturaustauschs - weiterhin wertgeschätzt und unterstützt wird.