Mittwoch 9. November 2022, 19:30 Uhr

Lieber Thomas

Film|im Rahmen des Gedenktages des Berliner Mauerfalls

  • Auditorium des Goethe-Instituts, Rom

  • Preis kostenlos, der Eintritt wird nach Verfügbarkeit der Sitzplätze gewährt.

Filmstill aus „Lieber Thomas“: Albrecht Schuch als Thomas Brasch und Jella Haase als Katarina lächeln vor einer Pyramide aus Sektgläsern Foto (Detail): © Peter Hartwig, Zeitsprung Pictures / Wild Bunch Germany

Lieber Thomas Eventbild Peter Hartwig © Zeitsprung Pictures / Wild Bunch Germany

Vor dem Film erfolgt von Serena Sapienza, Doktorandin in Germanistik und Slawistik (Universität Sapienza Rom) und Jessica Cerci, Absolventin in Sprach-, Literatur- und Übersetzungswissenschaften (Universität Sapienza Rom) eine kurze Einführung zu Thomas Brasch, deutscher Schriftsteller, Dramatiker, Drehbuchautor, Regisseur und Dichter.

Thomas Brasch wurde 1945 in Westow in England geboren, 1947 zogen seine Eltern mit ihm in die spätere DDR, wo der Vater SED Funktionär und zeitweise Stellvertretender Minister für Kultur wurde. 1965 musste er wegen seiner Systemkritik sein Journalismusstudium aufgeben. Nach Protesten gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in der Tschechoslowakei wurde er 1968 inhaftiert. Bis zu seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik 1976 arbeitete er als Fräser in einem Transformatorenwerk. Veröffentlichungen u.a.: Vor den Vätern sterben die Söhne, Kargo und Massenmörder Brunke. Thomas Brasch starb 2001.

Regie: Andreas Kleinert
Deutschland 2021, 150 Minuten, Originalversion Ital. Untertiteln
Mit: Albrecht Schuch, Jella Haase, Peter Kremer

Thomas Brasch wächst in der DDR auf und träumt davon, Schriftsteller zu werden. Schon in jungen Jahren passt Thomas nicht in das vorgegebene System. Als sein Vater Horst den Elfjährigen in die Kadettenschule der Volksarmee verfrachtet, wird schnell deutlich: Hier will er nicht sein, hier macht er nicht mit.
Während sein Vater beim Aufbau des Landes hilft, wird das erste Theaterstück seines Sohnes verboten und die Filmschule entlässt ihn. 1968 als Panzer durch Prag rollen geht er auf die Straße und beteiligt sich an den Demonstrationen. Sein Vater verrät ihn an die Stasi und Thomas muss ins Gefängnis. Auch nach seiner Entlassung vermag er sich nicht anzupassen und geht schließlich mit seiner Frau in den Westen, wo seine Bücher zu Bestsellern werden.
Er dreht mehrere Kinofilme und wird zweimal nach Cannes eingeladen. Doch er will sich nicht vereinnahmen lassen. Während seine Frau Katarina viele Erfolge feiert, lehnt Thomas vielversprechende Angebote ab: „Mein Leben steht nicht zum Verkauf.“ Auch nach dem Mauerfall, zurück in Ost-Berlin, findet er keine Ruhe. Er zieht sich zurück, lebt zuletzt, auch unter Drogen- und Alkoholeinfluss, zunehmend isoliert in seiner eigenen Welt zwischen Einbildung und Wirklichkeit.
 

Biographien

  • Geboren 1962 in Ost-Berlin, arbeitete er nach dem Abitur zunächst als Transportarbeiter und Requisitenhilfe sowie im DEFA-Studio für Spielfilme als Ausstattungsassistent. Von 1984 bis 1989 absolvierte Kleinert ein Regie-Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Inzwischen Filmuniversität, ist Kleinert dort seit 2006 Professor für Spielfilmregie. Zudem ist er seit 1989 als freischaffender Autor und Regisseur für Kino und Fernsehen tätig und inzwischen vierfacher Grimme-Preisträger.

    Filmografie (Auswahl)

    Lieber Thomas (2021)
    Die ewige Welle (Tatort, 2019)
    Hedda (2016)
    Die Frau von früher (2012)
    Endspiel (Polizeiruf, 2008/2009)
    Freischwimmer (2006/2007)
    Mein Vater (2003)
    Wer hat Angst vor Virginia Woolf (2002)
    Klemperer (1999)
    Wege in die Nacht (1998)
    Verlorene Landschaft (1992)
    Leb wohl, Joseph (1990)

  • Sie schloss im März 2022 den Masterstudiengang „Sprach-, Literatur- und Übersetzungswissenschaften“ (Deutsch und Englisch) an der Universität Sapienza Rom mit Auszeichnung ab und befasste sich mit der Arbeit zur Wahrnehmung von Lebensräumen in Erfahrungen des Biografischen und poetische Inszenierung des deutschsprachigen Dichters Paul Celan.
    Derzeit ist sie Doktorandin in „Germanistik und Slawistik“ an der Universität Sapienza Rom, mit einem Projekt, das die Untersuchung der Wahrnehmung der italienischen Kulturlandschaft durch mitteleuropäische Schriftsteller und die Erstellung digitaler Visualisierungen (Rekonstruktionen von architektonische, thematische und topografische Karten, Nah- und Fernlesung) verbindet.
    Seit 2021 ist sie an dem innerhalb des Instituts für Europa-, Amerikanistik und Interkulturelle Studien eingerichteten Dauerseminars „Passaggi di Voci“ beteiligt, das sprachliche und literarische Erfahrungen mit dem zeitgenössischen gesellschaftlichen und kulturellen Panorama verknüpft.

  • Studentin der germanischen Sprachen und Literaturen, graduierte in Sprachen, Literaturen, Kulturen und Übersetzung an der Universität Sapienza in Rom, außerdem in Sprach-, Literatur- und Übersetzungswissenschaften. Ihre Interessen, die u.a. die bildende Kunst umfassen, verbinden naturwissenschaftliche Erkenntnisse, erworben aus der psychologischen und humanistischen Forschung, ergänzt durch ein literaturphilosophisches Studium.
    Ihre Beiträge konzentrieren sich vor allem auf die Untersuchung der heutigen psychosozialen Implikationen von Werken, die sich auf Mythen beziehen (meist griechische, aber nicht nur). Sie ist Mitglied des studentischen Projekts „Passaggi di Voci“, das sich zum Ziel gesetzt hat, literarische Kultur in möglichst vielen Bereichen zu verbreiten.