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Filmkatalog

Über den Filmkatalog

Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

Rainer Simon
Till Eulenspiegel

  • Produktionsjahr 1975
  • Farbe / LängeFarbe / 104 Min.
  • IN-Nummer IN 3696

Till Eulenspiegel, Held eines legendären Volksbuchs aus dem frühen 16. Jahrhundert, kommt scheinbar aus dem Nichts, ein listenreicher Vagant und ein weiser Narr, der in der Zeit der Bauernkriege den Mächtigen die Wahrheit sagt und dabei sein Leben gleichzeitig genießt und aufs Spiel setzt. Eine subversive DEFA-Komödie, inszeniert lange vor dem Ende der DDR.


In einer Schänke erregt Till Eulenspiegel mit seinen Späßen das Mißfallen des Wirts und das Wohlwollen des Raubritters Kunz, der ihn mit auf seine verfallene Burg nimmt und kurzerhand zum Minister ernennt – mit wechselnden Ressorts, je nach Bedarf. Tills Qualifikation spielt dabei keine Rolle; mancher Betrachter dürfte da Analogien zur Politik der Gegenwart herstellen. Am Waldrand stoßen der Raubritter und sein Minister auf eine Gruppe von Mädchen. Eine von ihnen wird von Kunz vergewaltigt, in eine andere, die sich „Rosine“ nennt, scheint sich Till - eher unschuldig – zu verlieben. Sie wird ihm in den weiteren Episoden immer wieder begegnen. Nach einem Streit mit Kunz flieht Till und narrt auf der Flucht den Raubritter und seine Männer.

Eulenspiegel taucht als Mönch in einer Kirche auf und sammelt für eine Kapelle zu Ehren eines angeblichen irischen Heiligen. Mit einer List bringt er die Mädchen und Frauen zum Spenden, dann überlistet er auch noch den Pfarrer der Kirche und ein paar arme Männer, die für einen großzügigen Gönner gebetet hatten - „damit ihr eure Wohltäter durchschaut!“ Am Hof des Fürsten Heinrich gibt er sich als Kunstmaler aus und erhält den Auftrag, den kahlen Festsaal auszugestalten. Mit einem Assistenten, einem wirklichen Maler, erledigt er die Aufgabe überraschend und anarchisch – die Wandmalereien sind das Ergebnis einer übermütigen Aktionskunst. Weil Till vorher listenreiche Bedingungen gestellt hatte, müssen der Fürst und sein Anhang die wilde Kleckserei mitsamt ihrem angeblichen theologischen Unterbau akzeptieren. Bei einem Fest zu Ehren des Fürsten kommt es dennoch zum Konflikt; Till sucht das Weite.
Am Hof des Kaisers gibt sich Eulenspiegel als Brillenmacher aus; er demonstriert, wie einfach es wäre, den Monarchen zu töten, gewinnt dessen Vertrauen und wird zum Hofnarren ernannt. Till scheint das luxuriöse und ausschweifende Leben mitsamt den erotischen Freuden des Badehauses zu genießen, aber er legt sich zunächsten mit den angeblich weisen Männern des Regenten an, die doch nur opportunistische Hofschranzen sind. Als ein junger Mann die kommende Gleichheit aller Menschen verkündet und die Privilegien der Mächtigen in Frage stellt, schlägt sich Till sofort auf dessen Seite und wird, gemeinsam mit dem Aufrührer, zum Tod verurteilt. Der angebliche Narr entkommt mit einer List dem Henker und rettet auch seinen neuen Kumpan. Die beiden werden aus der Stadt verbannt und ziehen weiter.

Diese Vagantenkomödie entstand 1974/75, zu einer Zeit, als das Ende der DDR noch keiner ahnen konnte. Die damaligen Kinozuschauer dürften viele Momente des Films als Satire gegen jedwede Obrigkeit, also auch gegen ihre eigene, empfunden haben – auch wenn sich der Film stets auf die historische Situation bezieht, auf die von Monarchen und Kirchenfürsten mißbrauchte Macht – und auf all jene, die sich in ihrem Schatten bequem eingerichtet haben. Der Titelheld ist ein anarchischer Clown und doch auch ein politischer Held, dessen Nichtseßhaftigkeit ihn vor der finalen Kontrolle und Unterdrückung schützt: eine Figur, an der totalitäre Systeme keinen Gefallen finden können. Merkwürdigerweise findet sich in den Kritiken von damals kein Verweis auf das subversive Potential von TILL EULENSPIEGEL. Sie sehen den Film eher als manchmal deftige Burleske und interpretieren die vielen Anekdoten als Verhöhnung einer längst untergegangenen Macht. Doch ein Titelheld, der erklärt, aber habe keine Angst, weder vor Gott noch den Menschen, sollte überall und zu jeder Zeit auch als höchst politisch verstanden werden.

Produktionszeitraum
1974/1975
Produktionsjahr
1975
Farbe
Farbe
Bildformat
1:1,66

Länge
Langfilm (ab 61 Min.)
Gattung
Spielfilm
Genre
Fantasy / Märchen, Drama, Komödie
Thema
DDR, Filmgeschichte

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Anmerkungen zur Lizenz
DEFA
Lizenzdauer bis
31.12.2025
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH)

Verfügbare Medien
DVD
Originalfassung
Deutsch (de)

DVD

Untertitel
Deutsch Voll UT, Englisch (en), Französisch (fr), Spanisch (es), Portugiesisch (Brasilien)