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Filmkatalog

Über den Filmkatalog

Bildausschnitt: beleuchteter, festlicher, vertäfelter Filmvorführraum

Maik Reichert
Foto: Ostkreuz

  • Produktionsjahr 2015
  • Farbe / LängeFarbe / 89 Min.
  • IN-Nummer IN 3964 || 3964 A

Die Berliner Fotografenagentur „Ostkreuz“, gegründet 1990 und benannt nach einem Eisenbahnknotenpunkt im einstigen Ostberlin, ist in wenigen Jahren weltweit bekannt geworden. Zu den Gründungsmitgliedern – ihr Vorbild war die Pariser Agentur „Magnum“ – zählten vor allem Fotografen, die schon in den Zeiten der DDR international beachtet wurden, wie Harald Hauswald oder Ute und Werner Mahler. Der Filmemacher und Fotograf hat die Gruppe rund fünf Jahre lang begleitet und dabei künstlerische Höhepunkte und ökonomische Krisen beobachtet – das Ergebnis ist zugleich Erfolgs- und Leidensgeschichte.

Eingangs erzählen Ute und Werner Mahler, beide waren schon an der Gründung der Fotografen-Agentur „Ostkreuz“ beteiligt, von ihren Mitgliedern und der gemeinsamen Arbeit. Inzwischen ist die Zahl der meist prominenten Namen so angewachsen, dass das Paar Probleme hat, bei der Aufzählung niemand zu übergehen; zusätzlich werden jeweils einige Fotos der Erwähnten montiert. Diese Bilder offenbaren unterschiedliche Themen, Stile und Schwerpunkte, verweisen aber bereits auf eine Qualität, die der Film im weiteren Verlauf immer deutlicher erkennen lässt: Für die Mitglieder von „Ostkreuz“ ist es bis heute nie nur um einen vermeintlich attraktiven Job gegangen, nie nur um Ästhetik – die Arbeit hat immer eine politische und, mehr noch, eine ethische Haltung vorausgesetzt. Dabei hatte alles mit einer europäischen Initiative begonnen: 1990 hatte Jack Lang, damals französischer Kulturminister, rund zweihundert Künstler aus der DDR nach Paris eingeladen, unter ihnen auch eine Reihe von Fotografen. Dort entstand die Idee zur Gründung von „Ostkreuz“ - sogar geografisch hatte es da eine Nähe zur legendären Pariser (und später internationalen) Agentur „Magnum“ gegeben.

Immer wieder beobachtet Maik Reichert die Fotografen bei ihrer Arbeit, vor allem das gemeinsam arbeitende Ehepaar Mahler, zum Beispiel bei Porträt-Aufnahmen von zwei prominenten Schauspielern, Nina Hoss und Lars Eidinger. Spannend dabei ist die Mischung aus Spontaneität und detailgenauer Inszenierung. Werner Mahler hat dafür sogar einen eigenen Stuhl gebaut, mit einer den Körper aufrecht haltenden, im Bild unsichtbar bleibenden Nackenstütze. Wir sehen den jungen Julian Röder, der mit einigem Mut von teilweise militanten Demonstrationen gegen Banken und Globalisierung berichtet und 2010 mit seiner Kamera bis nach Seoul reist, um Proteste gegen den G20-Gipfel zu beobachten. Wir erfahren von Harald Hauswalds Arbeiten, er fotografierte zum Beispiel bei einer damals in der DDR illegalen Buchpräsentation in der Ostberliner Gethsemane-Kirche. Einst hatte Hauswald als Telegrammbote im Stadtteil Prenzlauer Berg gearbeitet. Er war mit dem Fahrrad und zu Fuß unterwegs und hatte stets eine Kamera dabei: Fotografieren war für ihn ein Weg ins Leben. Und am Anfang stand, nicht nur für ihn, der soziale und durchaus poetische Realismus.

Maik Reichert hat für seine Dokumentation über 100 Stunden gedreht; er war auch an rund 100 Tagen mit Mitgliedern von „Ostkreuz“ unterwegs. „Ich wollte einfach irgendwie dabei sein. Sicher war gut, dass ich immer mit einer kleinen Kamera und im kleinen Team gefilmt habe. Teilweise war sogar zweimal der gleiche Kameratyp im Einsatz: einmal als OSTKREUZ-Fotokamera und einmal in meiner Hand als Filmkamera.“ Maik Reichert hat bei vielerlei Anlässen gedreht, beim Entstehen von Fotos, bei ihrer Bearbeitung, bei der Vorbereitung von Ausstellungen, bei Diskussionen um die zuletzt immer bedrohlicheren ökonomischen Problemen, für die die Mitglieder von „Ostkreuz“ vor allem die vom zunehmenden Tempo der digitalen Fotografie veränderten Arbeitsbedingungen verantwortlich machen. Doch wenn man genauer hinsieht, arbeiten die Fotografen immer noch bevorzugt mit analogen Geräten – bis hin zur alten Plattenkamera von Ute und Werner Mahler.

Hans Günther Pflaum, 26.03.2015


Produktionsland
Deutschland (DE)
Produktionszeitraum
2014/2015
Produktionsjahr
2015
In Zusammenarbeit mit
Arte Deutschland TV GmbH (Baden-Baden) || Goethe-Institut (München)
Farbe
Farbe
Bildformat
16:9
In Koproduktion mit
Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) (Berlin + Potsdam)

Länge
Langfilm (ab 61 Min.)
Gattung
Dokumentarfilm
Genre
Biografie / Portrait
Thema
Bildende Kunst / Design / Fotografie, Gesellschaftliche Teilhabe, Arbeit

Rechteumfang
Nichtexklusive nichtkommerzielle öffentliche Aufführung (nonexclusive, noncommercial public screening),Keine TV-Rechte (no TV rights)
Lizenzdauer bis
14.12.2024
Permanente Sperrgebiete
Deutschland (DE), Österreich (AT), Schweiz (CH)