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9:00–22:00 Uhr
MOLENBEEK - MAASTRICHT - GELSENKIRCHEN
Arbeit und Migration. Eine Busreise|In Kooperation mit dem Recylart centre d'arts, der Jan van Eyck Academie und dem Goethe-Institut Niederlande sowie der Manifesta 16 Ruhr
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Start: Grande Halle, Molenbeek-Saint-Jean
- Sprache Englisch
- Preis 20 EUR
(Arbeit ist nicht nur ein wirtschaftliches Verhältnis; sie ist eine Art, gemeinsam in der Welt zu leben. Dort entscheidet sich die Möglichkeit einer wirklich demokratischen Gesellschaft.)
(Collectif, Manifeste pour une démocratie du travail, Paris 2026)
Das Goethe-Institut Brüssel freut sich in Kooperation mit dem Recylart centre d‘art, der Jan van Eyck Academie und der Manifesta 16 Ruhr ein neues experimentelles Format zu präsentieren: Eine kuratierte Busreise von Molenbeek via Maastricht nach Gelsenkirchen. Im Laufe der Tagesreise wollen wir das Thema Arbeit in den Blick nehmen, denn an ihr entzündet sich die Konstitution unserer demokratischen Gesellschaft.
Die Frage, wie wir in Zukunft leben und arbeiten wollen, führt uns an drei Orte, die stark von der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts geprägt sind, von verschiedenen Formen der Arbeitsmigration profitierten und von aktuellen Prozessen des Strukturwandels unterschiedlich betroffen sind.
Künstlerische und kuratorische Positionen werden dabei zu Wort kommen, die eines gemein haben – sie sprechen nicht über Arbeit und Migration, sie sprechen über sich selbst, über ihre Erfahrungen als Kinder von Gastarbeiter*innen oder ihre Familiengeschichte, die durch Vertreibung im Zusammenhang mit Kolonialisierung geprägt ist. Zudem haben wir Theoretiker*innen eingeladen, die aus urbaner Perspektive die drei Orte Molenbeek, Maastricht und Gelsenkirchen betrachten und strukturelle Wandlungsprozesse aufzeigen.
Wir starten den Tag in Molenbeek. In Zusammenarbeit mit dem Recyclart centre d’art haben wir Sarra El Massaoudi eingeladen, neue Perspektiven auf den Brüsseler Stadtteil zu eröffnen und Einblicke in die aktuelle urbane Entwicklung zu geben. Unsere Reise mit dem Bus beginnt mit einer Soundperformance von Younes Zarhoni, in der vokale Techniken aus nordafrikanischen und arabischen Traditionen mit polyphonen Kompositionen, elektronischen Texturen und clubkulturellen Energien verbunden werden. In Maastricht werden wir die Gelegnheit haben, einen Blick in Younes' Atelier zu werfen.
In Kooperation mit der Jan van Eyck Academie präsentieren wir zudem eine Lesung von Yannic Han Biao Federer. Er wird einen Auszug aus seinem Roman TAO lesen, einer Spurensuche entlang biographischer Brüche und kolonialer Verbrechen, die von China über Indonesien nach Hongkong und Süddeutschland führt. Natalie Muchamad wird eine Präsentation zeigen, die sich der Brotfrucht widmet. Eng mit der Geschichte imperialer Botanik und kolonialer Ausbeutung verwoben, haftet der Frucht das Stigma an, für Entbehrung und Unterdrückung zu stehen. Natalies Projekt bringt die Brotfrucht erneut mit Vorstellungen von Resilienz, Autonomie und Klimaanpassung in Verbindung. Vor diesem Hintergrund wird Marente van der Valk die Brotfrucht zum Ausgangspunkt nehmen und damit ein gemeinsames Mittagessen für uns zubereiten. Der Programmpunkt in Maastricht wird eingeleitet mit einer Führung des Direktors der Jan van Eyck Academie Hicham Khalid und findet in Kooperation mit dem Goethe-Institut Niederlande statt.
Auf dem Weg ins Ruhrgebiet wird uns Markus Ambach Einblick in die urbane Entwicklung der Region geben. In Gelsenkirchen empfängt uns Gürsoy Doğtaş und lädt dazu ein, drei Ausstellungen zu erkunden, die er zu unterschiedlichen Aspekten von Gastarbeit im Rahmen der Manifesta 16 Ruhr kuratiert hat. Die 16. Ausgabe im Ruhrgebiet markiert das 30-jährige Bestehen der Europäischen Nomadischen Biennale. Sie entfaltet sich in 12 ehemaligen oder leerstehenden Kirchengebäuden und bringt mehr als 100 Teilnehmende, Kreative, Kollektive sowie Vermittlungsprojekte zusammen, die tief in den lokalen Gemeinschaften des Ruhrgebiets verwurzelt sind. Mit Gürsoy wollen wir Erzählungen, insbesondere von Migrant*innen, die bisher unterrepräsentiert geblieben sind, erfahrbar machen und nach neuen Formen des demokratischen Miteinanders fragen.
Zeitplan:
9 Uhr Brüssel Molenbeek, Grande Halle / Recylart centre d‘art
12 Uhr Maastricht, Jan van Eyck Academie
13 Uhr Lunch (vegan)
16:00 Uhr Gelsenkirchen, Manifesta 16 Ruhr
Optional:
19:00 Uhr Abfahrt Gelsenkirchen
22:00 Uhr Ankunft Brüssel Zentrum
Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.
Der Unkostenbeitrag für die Reise beträgt 20 EUR pro Person (inklusive Lunch).
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Markus Ambach ist Initiator zahlreicher Ausstellungen im öffentlichen Raum. Er studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und gründete 2002 die Projektplattform MAP, die international kontextbezogene Projekte im Stadtraum in Kooperation mit verschiedenen Projektpartnern wie Städten, Museen oder urbanen Akteuren entwickelt und produziert. Markus Ambach gehört zudem dem Initiator*innenkreis an, auf dessen Konzept die erfolgreiche Bewerbung des Ruhrgebiets als Austragungsort der Manifesta 2026 basiert.
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Yannic Han Biao Federers Romane Pappmaché (2019) und Tao (2022) sind im Suhrkamp Verlag erschienen, außerdem Für immer seh ich dich wieder, eine autobiographische Erzählung, die für den Rundfunk adaptiert wurde (NDR 2025) und unter dem Titel Ik zie je overal, voor altijd (Querido 2025) ins Niederländische übertragen wurde. Seine literaturwissenschaftlichen Essays zu politischer Theorie, Reality-TV und (post-)kolonialen Fragestellungen wurden für den Rundfunk produziert (WDR 2020, SWR 2021 & 2022). Die Uraufführung des Theaterstücks ASIAWOCHEN eröffnete 2026 das Theaterfestival 43. Heidelberger Stückemarkt.
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Gürsoy Doğtaş wuchs in Deutschland als Kind sogenannter „Gastarbeiter*innen“ auf. Seine Praxis untersucht, wie Menschen mit Migrationshintergrund kulturelle Institutionen erleben und mitgestalten. Er beschäftigt sich mit der sich wandelnden Bedeutung von „Gast“ und damit, wie kuratorische Arbeit Ausgrenzung entgegenwirken und alternative Formen von Zugehörigkeit vorschlagen kann. Doğtaş hat (Co-)Kuratorien für Ausstellungen und Symposien an Institutionen wie dem Museum für Moderne Kunst Frankfurt, dem Marta Herford Museum und dem Taxispalais Innsbruck übernommen. Sein kuratorisches Konzept für die Manifesta 16 Ruhr umfasst drei Spielorte in Gelsenkirchen.
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Sarra El Massaoudi ist Journalistin, Ausbilderin und Rednerin. Als Expertin für Inklusion, Antirassismus und Medienbildung setzt sie sich für eine vielfältigere und gerechtere Medien- und Kulturlandschaft ein. Sie produziert unter anderem die Podcast‑Reihe Nos héritages culturels und koordiniert einen Safe Space für marginalisierte Journalistinnen. Zudem ist sie Produzentin des pädagogischen Podcasts Au cœur de la rédac. Im April 2026 konzipierte und leitete sie die Führung “Raconter et décoloniser 60 ans de vies belgo-marocaines” durch Molenbeek, die Stimmen belgisch‑marokkanischer Menschen aller Generationen aus dem Podcast Nos héritages zusammenbrachte.
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Nathalie Muchamad ist Artist in Residence an der Jan van Eyck Academie. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Rolle des europäischen Sklavenhandels im Indischen und Pazifischen Ozean sowie auf ihre Familiengeschichte, die von Vertreibung im Zusammenhang mit Kolonisation und Vertragsarbeit auf Kaffeeplantagen geprägt ist. Sie erhielt eine lobende Erwähnung der Organisation Climavore für den Food Action Award 2025 für ihr Forschungsprojekt über Brotfrucht in Zusammenarbeit mit dem Food Art Research Network, einem internationalen Netzwerk von Künstler*innen, die sich mit den politischen und ästhetischen Dimensionen von Nahrung beschäftigen.
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Nora Unger arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Architektur und Urbanismus, wo sie Projekte in diesen Bereichen entwickelt, realisiert und vermittelt. Derzeit ist sie Teil des Brüsseler Kunstzentrums Recyclart, wo sie unter dem Titel STADPLURAAL Programme konzipiert und betreut – ein Format für multidisziplinären Austausch über das Recht auf Stadt sowie kollektive Praktiken in Urbanismus, Architektur und Raumgestaltung. Seit 2020 ist sie zudem Kuratorin bei CURRENT – ART AND URBAN SPACE, wo sie unter anderem für das Diskursprogramm verantwortlich ist.
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Die künstlerische Praxis von Marente van der Valk konzentriert sich auf Projekte und Veranstaltungen, die den Schwerpunkt auf Umweltbewusstsein, Gemeinschaftsorientierung und die gesellschaftliche Bedeutung von Nahrung legen – ebenso wie auf die ephemeren und poetischen Qualitäten von Lebensmitteln sowie auf den Akt des gemeinsamen Kochens und Essens. Derzeit koordiniert sie das Food Lab an der Jan van Eyck Academie in Maastricht. Das Food Lab wurde geschaffen, um Köch*innen und Künstler*innen mit einem Interesse an Lebensmitteln eine multidisziplinäre Plattform zu bieten und das Thema Nahrung als Schnittpunkt von Kultur, Identität, Politik, körperlicher und geistiger Gesundheit, Terroir, Gemeinschaft, Individualität und Poesie zu erforschen.
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Younes Zarhoni ist ein in Brüssel lebender Klang- und Bildkünstler. Er wurde in Antwerpen geboren und ist marokkanischer Herkunft. Sein Werk entwickelt sich entlang zweier Linien: einer klanglichen Linie – von polyphonen Vokalinstallationen über Erkundungen der frühen Musik, elektronische und Tanzmusik bis hin zu Feldaufnahmen – und einer visuellen Linie, die Zeichnungen, Fotografie, Video und Installationen umfasst. Seine Arbeit schöpft aus mittelalterlicher Mystik, Botanik, Clubkultur und politischer Historiografie, um zeitgenössische Folklore und Diasporageschichte zu kartieren. Sie untersucht die Schnittstellen zwischen Kunstgeschichte, Populärkultur und Klangpraxis.
Ort
Quai de l'Industrie 79
1080 Molenbeek-Saint-Jean
Länderübergreifend