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Filmkritik | „Nina Roza“
Ein Juwel aus Quebec und Bulgarien, gefeiert auf der Berlinale

Nina Roza
© Alexandre Nous Desjardins

Bei der 76. Ausgabe der Berlinale verlieh der zweite Spielfilm der quebecer Regisseurin Geneviève Dulude-De Celles dem offiziellen Wettbewerb des Festivals eine authentische und bewegende Note.

Nina Roza hat die Jury unter Vorsitz von Wim Wenders so sehr beeindruckt, dass sie ihr den Silbernen Bären für das beste Drehbuch verlieh. Der Film erzählt die Geschichte von Mihail, der nach seinem Herkunftsland Bulgarien reisen soll, um die Echtheit der Werke einer jungen, begabten Malerin namens Nina zu überprüfen.

Als er zum ersten Mal seit zwanzig Jahren wieder bulgarischen Boden betritt, wird er mit familiären Problemen konfrontiert, die er all die Jahre verdrängt hatte, und mit diesem brillanten jungen Mädchen, das ihn schmerzlich an seine eigene Tochter Roza (Rose in Quebec) erinnert. Das Drehbuch ist ohne Zweifel eine der großen Stärken des Films und ein Unterscheidungsmerkmal zu den anderen Filmen im Wettbewerb. Wir finden jedoch, dass dies nicht der einzige interessante Aspekt ist, sondern dass auch die Kameraführung, die Schauspielkunst und die Musik das Drehbuch brillant unterstützen.

Einen authentischen Moment einfangen

Das erste Element des Films, das unsere Aufmerksamkeit auf sich zog, war die Kameraführung. Nina Roza nutzt Licht und Farbe zu ihrem Vorteil, um eine unverwechselbare visuelle Welt zu erschaffen. Jeder Raum und jede Szene wird durch ein bestimmtes Licht charakterisiert, das die Emotionen der Figuren und die durch die Geschichte vermittelten Gefühle verstärkt. So werden beispielsweise in Rückblenden, die Mihail, die junge Roza und ihre Mutter vor ihrem Tod zeigen, warme Orangetöne und Lichtstrahlen eingesetzt. Dank der Kameraführung können wir das Glück und den Trost der Figuren nachempfinden und besser verstehen, wie tief Mihail vom Tod seiner Frau betroffen gewesen sein muss. Ein weiteres Beispiel ist die Verwendung von Feuer, um Nina am Ende des Films zu beleuchten, was die Szene besonders eindringlich macht. Während einer Masterclass vor Studierenden des Collège de Maisonneuve und des Cégep de Saint-Laurent erzählte die Regisseurin, dass diese Szene spontan gedreht wurde und einen authentischen Moment der Schauspielerin einfängt. Dies beweist, dass manchmal die am wenigsten vorbereiteten Szenen die eindringlichsten sind.

Geneviève Dulude-de Celles, Nina Roza

Regisseurin Geneviève Dulude-de Celles („Nina Roza“) | © Camile Gladu-Drouin

Das zweite auffällige Element dieses Films ist die eindrucksvolle Schauspielkunst. Kein*e Schauspieler*in bildet da eine Ausnahme. Die Figur des Mihail, gespielt von Galin Stoev, ist ein sehr zurückhaltender Mensch. Diese Rolle ist voller Feinheiten in Bezug auf Emotionen und Mimik, und Stoev meistert sie brillant. Die Stanina-Zwillinge, zwei Schauspielerinnen, die jede auf ihre Weise zwei Seiten der kleinen Nina zeigen konnten, nämlich eine eher zarte und melancholische Seite und eine andere, eher wütende und explosive Seite. Für ihr Alter, sie waren zum Zeitpunkt der Dreharbeiten etwa sieben Jahre alt, ist dies eine wunderbar gelungene Leistung. Alle Schauspieler*innen, darunter Michelle Tzontchev als Rose und Christian Bégin als Mihails Chef, sind äußerst talentiert und ihre Darbietungen sind makellos.

Das dritte Element, das uns bei unserer Vorführung auf der Berlinale beeindruckt hat, ist der magische Soundtrack des Films. Diese nostalgische Geschichte wird von traditionellen bulgarischen Liedern untermalt, die die berührende Seite des Films unterstreichen. Das Lied, das während der Szene am Lagerfeuer gesungen wird, ist magisch, da die Dorfbewohner keine Schauspieler sind, sondern einfach aus Freude am gemeinsamen Singen mitgemacht haben. Es ist ein symbiotischer Moment, der sehr gut zu Mihails Charakter passt, der sich wieder mit seiner Kultur verbindet.

Nina Roza ist eine Geschichte, die durch ihre Sensibilität und Sanftheit besticht. Seine Botschaft geht über die Probleme der Hauptfigur hinaus, vielmehr spielen Familie, Wurzeln, Kultur und Hoffnung eine große Rolle. Die großartigen Bilder, die Darbietungen exzellenter bulgarischer und quebecischer Schauspieler und der fesselnde Soundtrack begleiten dieses sehr gut geschriebene Drehbuch perfekt. Es ist eine sehr wichtige Geschichte in der heutigen Zeit, in der Einwanderer an manchen Orten schlecht behandelt werden. Die Tatsache, dass die meisten Schauspieler*innen Immigrant*innen oder Kinder von Immigrant*innen sind, zeigt, wie wichtig es ist, all diejenigen nicht zu vergessen, die das Gefühl haben, keine Stimme zu besitzen, insbesondere diejenigen, die auf der Suche nach einem besseren Leben alles hinter sich gelassen haben.

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