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Band des Monats
Nina Chuba

Nina Chuba auf der Bühne
© Boris Niehaus

„Ich will Immos, ich will Dollars, ich will fliegen wie bei Marvel / Zum Frühstück Canapés und ein'n Wildberry-Lillet!“, rappt Nina Chuba in ihrem Erfolgshit Wildberry Lillet, der im August und September 2022 insgesamt 4 Wochen auf Platz 1 der deutschen Single-Charts stand. Wer die Musikerin nur durch diesen Song kennt, könnte ihr vorwerfen, dass ihr Track sich lediglich in den hedonistischen Konsumwahnsinn anderer deutscher Rap-Größen einreiht. Aber die Newcomerin bringt frischen, weiblichen Wind in die deutsche Musiklandschaft und singt über mehr als nur über alkoholische Erfrischungsgetränke.

Von Luisa Adamski

Ein „Pfefferkorn“ an der Spitze der Charts

Spätestens seit diesem Jahr ist Nina Chubas Name in aller Munde. Ihr Hit Wildberry Lillet ging viral, ihre Konzerte waren überall ausverkauft. Doch ihre Karriere begann schon viel früher – als Kinderschauspielerin. Nina Chuba wächst in einer Kleinstadt in der Nähe von Hamburg auf. Schon im Grundschulalter sucht sie das Rampenlicht. Als Achtjährige ergattert sie eine Rolle in der renommierten Fernsehserie Die Pfefferkörner, wo sie mit anderen Kindern vor der Kamera Kriminalfälle löst. In den nächsten Jahren spielt Nina in einigen Filmen und Serien mit. Im Laufe der Zeit konzentriert sie sich jedoch mehr auf ihre Musik: Zuerst im Rahmen ihrer Band BLIZZ, später, nach einem Umzug nach Berlin, als Solo-Künstlerin. Ihr Praktikum bei einer Filmproduktionsfirma bricht sie schließlich ab, um sich voll und ganz auf ihre musikalische Karriere zu konzentrieren. Die kommt so richtig in Schwung, als sie beginnt, statt englischen Liedern auch Songs in deutscher Sprache zu veröffentlichen.

Für immer in der Findungsphase

Nina Chubas bürgerlicher Name ist Nina Kaiser. Unter diesem Namen tritt sie jedoch nicht auf, weil der viel zu sehr nach Schlager klinge, erzählt sie in einem Interview mit dem Musikmagazin Diffus. Schlager scheint aber auch das einzige Genre zu sein, das sie ablehnt. Ihre Musik vereint Elemente des Rap, Pop, Dancehall und Reggae. Als ihre Vorbilder nennt Nina Peter Fox, Trettmann und die spanische Musikerin Rosalía. Ihr Gesang habe sich vor allem durch Billie Eilish geprägt. Trotz verschiedener Genres behält ihre Stimme ihren Wiedererkennungswert. In einem Interview mit Apple Music sagt sie aber auch von sich, dass ihre Findungsphase nie aufhören wird. Das zeigt sich, als sie 2021 mit einem Freund spaßeshalber den Song Neben mir produziert und dadurch das Potential entdeckt, in ihrer Muttersprache zu singen.

„Neben dir stehe ich immer so neben mir / Sag mir, wie schaffst du, dass ich mein'n Fokus verlier'? / Vision so blurry, fühl' mich wie im Nebel mit dir / Baby, I'm sorry, aber das kann nicht funktionier'n“
 

Bekannter wird Nina Chuba kurz darauf auch durch ihr Feature mit dem Rapper Kummer, mit dem sie bei der 1Live Krone 2021 Der letzte Song performt. Darauf folgt das Lied Zorn & Liebe gemeinsam mit der Indie-Pop-Band Provinz.

haben, haben, haben

Der Track, mit dem sie aber endgültig in den deutschsprachigen Charts einschlägt, ist Wildberry Lillet, der von Luxus und Ruhm handelt, den sie erreichen will.
„Ich will Lila, das sich stapelt, ich will Nina auf Plakaten“, rappt die 24-jährige – beides dürfte sie mit diesem Hit mittlerweile erreicht haben. Der Beat scheint jeden zum Tanzen zu bringen: In den deutschen Clubs läuft er rauf und runter. Die Lyrics sind relativ abgeschmackt und bedienen das Rap-Klischee: „Private Jet in der Garage und Flamingos in mei'm Garten / Will am Tisch die besten Karten, ich will haben, haben, haben“. Auch wenn nicht alles ganz ernst ist, würde man Nina Chuba zu viel zutrauen, wenn man in Wildberry Lillet eine Parodie auf den Hedonismus und den Größenwahnsinn der Szene sähe. Es macht den Eindruck, als sollte der Song wirklich nur eines: Spaß machen. Nicht ganz widerspruchsfrei muss man feststellen, dass es trotzdem erfrischend ist, das oberflächliche Verlangen nach Privatjets, „Dollars“ und „Private Spa auf vier Etagen“ endlich mal von einer Frau zu hören. Und zudem von einer Frau, die in ihrer Selbstdarstellung nicht prollig und arrogant, sondern sympathisch und bodenständig wirkt. Wenn man von Rapperinnen wie Shirin David oder Juju absieht, sucht man weibliche Stimmen in den Rap-Charts nämlich vergeblich. Umso mehr freut es die Fans, dass Nina Chuba kurz nach dem Erfolg noch eine neue Version von Wildberry Lillet veröffentlicht, in der Rapperin Juju mitwirkt.
 

Am Ende bleibt alles gleich

Der Erfolg steigt Nina aber nicht zu Kopf. In ihrem Song Alles gleich singt sie darüber, dass Bekanntheit und Geld wider Erwarten nicht alles verändern können:

„Am Ende bleibt das alles gleich / Früher in der U-Bahn / Heute im Uber geweint / Keine neuen Freunde / Für die alten keine Zeit / Hätt‘ alles gegeben für ein Stück von diesem Hype / Doch ich weiß jetzt, am Ende bleib ich gleich.“
 

Auch sonst legt sie Wert darauf, in der Öffentlichkeit Bodenständigkeit auszustrahlen. Lustige YouTube-Videos dokumentieren ihren Song-Writing-Prozess, auf den sozialen Medien schauen tausende Fans ihr zu, wie sie in ihrer WG-Küche tanzt oder Grimassen zieht. Ihre Mischung aus Exzentrik, Weltschmerz und Humor hat bis jetzt über 200.000 Follower*innen auf Instagram und über 500.000 Follower*innen auf TikTok angezogen. Auch bei Festivalauftritten und ihrer ersten eigenen Tour in diesem Jahr nimmt sie ihre Fans digital bei ihrem Alltag mit. Der Spaß, den sie am Musikmachen hat, ist dabei nie zu übersehen. Bisher hat sie jedoch noch kein ganzes Album mit deutschen Songs veröffentlicht. Und das, obwohl sie in ihrem Track Molly Moon angekündigt hat: „Album kommt, ist doch Ehrensache!“ Dieses Versprechen wird sie aber bald einlösen – im Februar 2023 erscheint ihr Debütalbum GLAS.

 

Diskografie:

EPs

Power (2020)
Average (2021)

Singles

Who Hurt You (2021)
Levitating (2021)
Neben mir (2021)
Molly Moon (2021)
Alles gleich (2021)
Nicht allein (2022)
Femminello (2022)
Tracksuit Velours (2022)
Wildberry Lillet (2022)
Ich hass dich ft. Chapo201 (2022)

Als Gastmusikerin (Auswahl)

Kummer ft. Nina Chuba: Der letzte Song (Alles wird gut) (2021)
Provinz ft. Nina Chuba: Zorn & Liebe (2022)
 

Band des Monats auf Spotify

Hände und Gitarre © Colourbox.com, ldutko Jeden Monat stellen wir euch eine Band oder eine*n Sänger*in aus einem deutschsprachigen Land vor – den Musikstilen sind keine Grenzen gesetzt. Mit dieser Playlist könnt ihr in die Musik der vorgestellten Künstler*innen hineinschnuppern.

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