Band des Monats
lovehead
Vom Instagram-Kommentar zum Major-Label-Deal: lovehead sind drei Freundinnen aus dem Burgenland, die mit ehrlichen Texten, mehrstimmigem Gesang und einer Portion Ironie den Soundtrack für endlose Sommertage liefern. Zwischen Sims-Sessions und TikTok-Hype werden die drei erwachsen. Wie aus einer spontanen Bandidee ein FM4-prämierter Erfolg wurde – und warum Songs wie „Fanta lustig“ oder „Erdnussallergie“ so gut funktionieren.
Von Katharina Edelmann
Vom Burgenland nach Berlin
Lovehead, das sind drei junge Frauen aus dem österreichischen Burgenland, die den Soundtrack für lange Sommertage am See liefern.
Elena „Leni“ Karacsony aus Eisenstadt (geboren 2005, Schlagzeug, Gesang), Mara Stricker aus St. Margarethen (geboren 2005, Gitarre, Gesang)) und Anna Stefanitsch aus Mattersburg (geboren 2006, Bass, Gesang) gründeten 2021 gemeinsam eine Band, nachdem sie sich – ganz Genz-Z-like - auf Instagram kennengelernt hatten: Anna lud ein Video hoch, in dem sie einen Song covert und Gitarre spielt. Das gefiel Mara so gut, dass sie einfach in die Kommentare schrieb, ob die beiden vielleicht eine Band gründen wollen – Anna sagte ja. Als die beiden sich dann wirklich trafen wurde schnell klar, dass für eine richtige Band Unterstützung am Schlagzeug hermuss. So kam Leni dazu, die bereits mit Mara zur Schule gegangen war. Wirklich angefreundet haben sich die beiden aber erst durchs gemeinsame Musikmachen.
Sims statt Songs schreiben
Generell stand für die drei zu Beginn ihrer gemeinsamen Zeit eher die Freundschaft als die Musik im Vordergrund. Leni fasst es in einem Interview folgendermaßen zusammen: „Eigentlich haben wir gar nicht so viel gespielt, ich glaube, wir haben kurz geprobt und dann Sims gespielt.“ Alle Bandmitglieder sind sich rückblickend einig, dass es diese Kennenlernphase gebraucht hat, um später auch auf musikalischer Ebene Kompromisse eingehen und gut zusammenarbeiten zu können. Diese Vertrauensbasis ist den dreien sehr wichtig, denn sie schreiben ihre Texte gemeinsam und bemühen sich darum, alle gleichberechtigte Rollen in der Bandkonstellation einzunehmen. Deshalb gibt es bei lovehead auch keine klassische Frontsängerin, sondern Leni, Mara und Anna singen alle drei – mal gemeinsam, mal alleine, denn es geht ihnen auf die Nerven, wenn man bei einer Band immer nur die Sängerin oder den Sänger kennt und sonst niemanden. Dass Texte wie Musik aus drei Perspektiven entstehen, macht ihre Songs zugänglich. Sie sind nicht zu individuell, nicht zu abgeschlossen, sondern offen genug, damit sich viele darin wiederfinden.
Bis 2024 nehmen die drei vor allem Cover auf, 2025 folgen dann eigene Songs – und mit ihnen der Erfolg! Ihre erste Single „Denkst du an mich?“ ist bereits von Erfolg gekrönt, mit „Erdnussallergie“ landen sie einen Tik-Tok-Hit wie aus dem Bilderbuch.
Vom Tik Tok-Hype zum Majorlabel-Deal
Generell wissen lovehead, wie man sich auf Insta & Co. präsentieren soll. Ihre über 40.000 Follower lassen sie am Touralltag, den Musikvideo-Drehs und vielen Alltagsmomenten teilhaben. Für den Instagram-Auftritt ist vor allem Anna verantwortlich, denn was die Organisation hinter der Bühne betrifft, gibt es bei lovehead durchaus klar aufgeteilte Rollen: Anna ist die Kommunikationsbeauftragte, Leni designt Merch und Sticker für die Band und Mara kümmert sich um die finanziellen Angelegenheiten.
Mittlerweile stehen sie bei Universal Music Group unter Vertrag, spielten schon als Vorband von Provinz und Berq und sind auf Festivals wie dem Reeperbahn Festival, dem Popfest Wien oder bei der PULS 4 Startrampe zu sehen.
2025 werden sie zum „Act des Jahres“ von FM4 gekürt, „Denkst du an mich?“ wird „Song des Jahres“ und landet auf Platz 1 der FM4-Jahrescharts. 2026 folgt die Nominierung für den Amadeus Austrian Music Award sowie für den FM4-Award.
Ihre Karriere nimmt also steil Fahrt auf – und das an einem Punkt im Leben der drei, an dem so viele andere Entscheidungen anstehen. Leni studiert eigentlich Soziale Arbeit und hätte sich gut vorstellen können, Sozialarbeiterin zu werden. Mara wollte ursprünglich den Medizintest machen, hat diesen Plan aber erst einmal verschoben. Sie wollen sich noch nicht ganz auf die Musik verlassen, lassen aber andere Pläne vorerst pausieren.
Auch wenn sie inzwischen regelmäßig in Berlin abhängen, weil dort ihr Management sitzt, bleiben ihre musikalischen Wurzeln in Wien. Produziert werden sie von Fazo, Szene-Alleskönner und Schlagzeuger bei BAITS, der auch am Debütalbum von Bipolar Feminin beteiligt war.
Soundtrack für endlose Sommertage
Ihr Sound erinnert an deutschsprachige 2000er-Acts wie Wir sind Helden, Juli oder 2raumwohnung, die die Bandmitglieder auch klar als Vorbilder nennen. Ihre Songs sind eingängig, charmant und ein bisschen unperfekt, was genau ihren Reiz ausmacht. Sie passen zu einem warmen Sommertag am See mit Freund*innen und greifen in ihren Lyrics immer wieder den Schwebezustand nach dem Schulabschluss und vor dem Beginn eines neuen Kapitels auf, in dem sich die Bandmitglieder schließlich auch selbst befinden. Ihre EP ist nach dem Getränk benannt, dass man wohl im Burgenland an solchen Sommertagen trinkt: Fanta lustig, bestehend aus möglichst billigem Weißwein und Fanta.
Der gleichnamige Song beschreibt eine Beziehung irgendwo zwischen Freundschaft und Liebe – im TikTok-Sprech auch „situationship“ genannt. Im Zentrum stehen zwei Personen, die „Fanta Lustig“ trinken, halb ehrlich, halb betrunken miteinander reden und sich eigentlich ständig fragen, ob da vielleicht mehr ist. Die Zeile „Und ich, ich seh’ bei dir vielleicht ein Wir oder auch nichts“ bringt das Gefühl ziemlich genau auf den Punkt.
Der Song lebt von diesem Schwebezustand – zwischen Mut und Zurückhaltung, zwischen „Ich sag’s dir jetzt“ und „Ich trau mich doch nicht“. Die Referenz auf „How I Met Your Mother“ („Ted Mosby und die Bäckerin haben sich auch nur fast geküsst“) unterstreicht genau dieses „fast“-Gefühl: Es könnte etwas werden, aber vielleicht bleibt es auch nur ein Beinahe-Moment.
Auch „Sex am See“ ist – trotz des provokanten Titels – weniger Skandalnummer als Coming-of-Age-Moment. Der Song spielt mit der Fantasie vom perfekten Sommer: See, Hitze, Mutproben, große Gefühle. Gleichzeitig geht es aber nicht nur um Sex im wörtlichen Sinn, sondern um ein Gefühl von Freiheit, Grenzüberschreitung und Erwachsenwerden im Allgemeinen. Typisch für lovehead kippt der Ton dabei nicht ins Dramatische, sondern bleibt leicht ironisch:
Pampelmusen, lass uns schmusen
Und auf Landebahnen cruisen, ist mir doch egal
Deine Haut auf meiner Haut
Unsre Lippen sind vertraut, aber ich bin nicht verliebt
Und ich schaue in die Wolken, und ich frag' mich, was du siehst (Siehst)
Siehst du mich? Bin ich deine Fantasie?
Sex am See, so Klischee
Und dann ist da noch die Geschichte mit den Erdnüssen. In „Erdnussallergie“ geht es weniger um eine echte allergische Reaktion auf Nüsse, sondern um eine augenzwinkernde Absage ans Männer- Daten:
Erdnussallergie, ich hab' Erdnussallergie
Ich hab' Erdnussallergie, ich vertrag' deine Nüsse nie
Auf humorvolle Art und Weise wenden sich lovehead von Männern ab, die zum Beispiel auch im Song „Anthony“ nicht gut wegkommen. Der Song entstand übrigens in einer spontanen Session zu dritt durch Weitergeben des Handys – ein perfektes Beispiel für ihre gleichberechtigte Arbeitsweise.
Wer also Lust auf Sommer, Sonne, Sisterhood hatte, sollte sich lovehead nicht entgehen lassen!
Diskografie
EP
2025: Fanta lustig
Singles
2025: Denkst du an mich?
2025: Erdnussallergie
2025: Lieder für mich
2025: Rote Ampeln
2025: Sex am See
2025: Anthony
Band des Monats auf Spotify
Jeden Monat stellen wir euch eine Band oder eine*n Sänger*in aus einem deutschsprachigen Land vor – den Musikstilen sind keine Grenzen gesetzt. Mit dieser Playlist könnt ihr in die Musik der vorgestellten Künstler*innen hineinschnuppern.