Band des Monats
Paula Carolina
Zwischen Indie-Pop, NDW-Atmosphäre (Neue Deutsche Welle – ein Musikstil, der seinen Ursprung in den 1980er Jahren hat) und rebellischer Rock-Attitüde, Paula Carolina gehört zu den vielversprechendsten neuen Stimmen der deutschsprachigen Musikszene. Mit ihren scharfsinnigen Beobachtungen, authentischen Texten und einem Sound, der gleichermaßen zum Tanzen wie zum Nachdenken einlädt, erobert sie Bühnen und Streaming-Charts.
Von Elyssa Zaafrani
Musik im Blut
Anfang der 2000er Jahre in Hannover geboren, wächst Paula Carolina in einem stark musikalisch geprägten Umfeld auf. Musik ist in ihrer Familie nahezu selbstverständlich: Ihre Mutter spielt Klavier, ihr Urgroßvater war Dirigent, und sie selbst setzt sich bereits im Alter von fünf Jahren an ein Klavier im Wohnzimmer, das sie „Olaf“ nennt. Schnell entwickelt sie eine enge Verbindung zu diesem Instrument. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Schüler*innen hat sie wenig Freude daran, bestehende Stücke nachzuspielen. Was sie fasziniert, ist das Erfinden, Improvisieren und Kreieren eigener Klänge, was ihre Musiklehrer*innen mitunter irritiert.
Die Musik verlässt sie nie. Sie probiert verschiedene Instrumente aus, spielt in Bands, kann sich aber zunächst nicht vorstellen, daraus einen Beruf zu machen. Zur Sicherheit beginnt sie mehrere Studiengänge: Lehramt, Sprachen, Politikwissenschaft und Musik. Doch allmählich verändert sich etwas.
Berliner Cafés
Eines Tages beginnt sie, eher zufällig, mit dem Schreiben. In Berliner Cafés sitzend, bemerkt sie einen Trend: Viele Menschen tragen ein Notizbuch bei sich und halten darin ihre Gedanken fest. Neugierig geworden, entscheidet sie sich, selbst eines anzulegen und beginnt, ihre Ideen aufzuschreiben. Anfangs ist es nur ein Spiel, eine Haltung. Doch nach und nach füllen sich die Seiten. Die Texte werden persönlicher, manchmal melancholisch. Sie findet Gefallen daran, kehrt täglich ins Café zurück, beobachtet und hört zu.Dort entwickelt sich auch ihr eigentliches Markenzeichen: die Aufmerksamkeit für die Details des Alltags. Paula fängt beiläufig gesagte Sätze ein, Gespräche, die sie auf der Straße oder in der U-Bahn hört. Sie schreibt alles auf, absurde, lustige oder überraschend tiefgründige Bemerkungen und verwendet sie später in ihren Songs.
So erzählt sie in einem Interview mit Alex Berlin eine Anekdote über die erste Zeile ihres Songs Schreien!. Eines Tages, als sie mit ihrer Band in der U-Bahn unterwegs war, betrat eine Person den Wagon und fragte laut: "Haben Sie ein bisschen Kleingeld für ’nen Sechserträger Pepsi Light?“ Amüsiert von der Präzision und dem ungewöhnlichen Charakter dieser Frage, die sie zugleich lustig und einprägsam fand, beschloss Paula, diesen Satz in ihr Lied zu integrieren.
Diese Arbeitsweise führt zu spontanen, lebendigen Texten, die tief in der Realität verankert sind.
Parallel dazu widmet sie sich weiterhin dem Klavier. Nach und nach finden Worte und Musik zusammen, Textfragmente legen sich über ihre improvisierten Melodien. Irgendwann fügt sie alles zusammen, ihre Noten, ihre Ideen, ihre Klänge. Ohne es wirklich zu planen, nimmt sie schließlich an Songwriting-Camps teil, wo sie ihren heutigen Gitarristen kennenlernt. Schritt für Schritt gründen sie eine Band und stehen schließlich gemeinsam auf der Bühne.
Dies markiert den Beginn eines schnellen Aufstiegs. Im Jahr 2021 veröffentlicht sie ihren ersten Song Du und das schwarze Loch, eine berührende Ballade über Gewalt gegen Frauen, die sofort große Aufmerksamkeit erzielt.
Nach diesem ersten Erfolg legt Paula Carolina rasch mit neuen Titeln nach, die ihre musikalische Identität unterstreichen, wie Bitte Bitte oder Wärs Ok?, in denen ihre Rockenergie und ihre prägnanten Texte voll zur Geltung kommen. Diese Entwicklung bestätigt sich mit der Veröffentlichung ihres ersten Albums Extra, das einen wichtigen Meilenstein in ihrer Karriere darstellt und ihr Klanguniversum festigt.
Parallel dazu baut sie ihre Bühnenpräsenz durch zahlreiche Konzerte und Festivalauftritte aus und erwirbt sich den Ruf einer intensiven und mitreißenden Live-Künstlerin. Dieser Aufstieg geht mit einer wachsenden Präsenz auf den Streaming-Plattformen einher und bestätigt ihren Status als aufstrebende Künstlerin der deutschsprachigen Musikszene.
Musikalisches Universum
Doch ihre musikalische Welt entwickelt sich schnell weiter. Mit der Zeit gewinnt ihre Musik an Energie. Sie will nicht mehr nur über ihre Gefühle schreiben, sondern auch etwas Kollektives, Lebendiges schaffen etwas, das Menschen in Bewegung bringt.
Heute bewegt sich Paula stilistisch zwischen Indie und Rock. Gemeinsam mit ihrer Band entwickelt sie Songs, die für die Bühne gedacht sind, zum Mitschreien, Tanzen und Teilen. Dabei bleibt sie ihrer Essenz treu: Texte, die in der Realität verankert sind, manchmal politisch und oft eindringlich.
Was sie einzigartig macht, ist genau diese Ausgewogenheit. Dank ihres aufmerksamen Blicks auf die Welt, der durch ihr Studium und ihr Interesse an gesellschaftlichen Fragen geprägt ist, bietet sie eine Musik, die sowohl engagiert als auch zugänglich ist und von Themen getragen wird, in denen sich jede*r wiederfinden kann. Weit entfernt von Klischees thematisiert sie sowohl soziale Spannungen als auch einfache Momente, die sie aus dem Leben gegriffen hat
Bei Paula Carolina wirkt jeder Song wie ein flüchtiger Moment, der zu etwas Größerem wird. Ihr Album Wild ist ein perfektes Beispiel dafür: Zwischen roher Energie und einem scharfen Blick auf die Realität bringt sie darin ihre Welt voll zur Geltung. Ein Beweis dafür, dass die Details des Alltags, wenn man sie genau betrachtet, zu Refrains werden können, die jeder mitsingen möchte.
Diskografie
Alben
2024: Extra
2026: Wild
Singles
2021: Du und das schwarze Loch
2021: Erika
2022: Liebeslied
2022: Gerlindes Garten
2022: Trophäe
2023: Schreien!
2023: Wärs Ok?
2023: Schreien! (Turbo Remix)(mit Marti Fischer)
2023: Bitte Bitte
2023: Das Ende
2023: Offiziell Glücklich
2023: Abfahrt (Startrampe Covered Session)
2023: Kein Bock
2023: Es zieht im Paradies
2023: Das Ende (Live aus Berlin)
2024: Angst Frisst Demokratie
2024: Otto Normal
2024: Willkommen in der Realität
2024: Extra
2025: Trophäe (Live)
2025: Schlalalafen
2025: WO IST DER BUS?
2025: GIB MIR DEIN GELD
2025: DARF SIE DAS?
2026: DER KOPIERER
Band des Monats auf Spotify
Jeden Monat stellen wir euch eine Band oder eine*n Sänger*in aus einem deutschsprachigen Land vor – den Musikstilen sind keine Grenzen gesetzt. Mit dieser Playlist könnt ihr in die Musik der vorgestellten Künstler*innen hineinschnuppern.