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18:30–20:30 Uhr

Alexandra Przyrembel

Divan historique|Im Bann des Bösen. Ilse Koch – ein Kapitel deutscher Gesellschaftsgeschichte 1933 bis 1970

Veranstaltung auf einem späteren Zeitpunkt verschoben

  • Hybrid: Deutsches Historisches Institut Paris & Online, Paris

  • Sprache Auf Deutsch und Französisch
  • Preis Eintritt frei

Cover des "Spiegel" mit einem Schwarz-Weiß-Foto von Ilse Koch So unaussprechlich unanständig. Niemals besser illustriert – Ilse Koch«, SPIEGEL-Titel zur Titelgeschichte »Lady mit Lampenschirm«, 15.2.1950 (Nr. 7), , https://www.spiegel-antiquariat.de/media/image/3e/88/1c/sp50_07.jpg.

Die Veranstaltung wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Ilse Koch (1906–1967) war eine der wenigen verurteilten NS-Täterinnen. Bereits 1932 wurde sie Mitglied der NSDAP, 1936 heiratete sie den späteren Kommandanten des Konzentrationslagers Buchenwald, Karl Koch. 1947 stand sie in Deutschland vor einem US-Gericht, 1950/51 wurde ein weiterer Prozess gegen sie vor dem Landgericht Augsburg geführt, das sie zu lebenslanger Haft verurteilte. Ausgiebig berichtete die internationale Presse über die als besonders grausam geltende „Hexe von Buchenwald“. 

Die Historikerin Alexandra Przyrembel skizziert den Lebensweg Ilse Kochs von der Zeit des Nationalsozialismus über den Prozess, die Zeit im Frauengefängnis und die Unterstützung durch das Netzwerk der „Stillen Hilfe“ bis zum Suizid 1967 in Haft.
Przyrembel rekonstruiert die unterschiedlichen Erzählungen über Ilse Koch und zeigt, welche Vorstellungen von Gewalt, Geschlecht und Schuld sich darin kristallisieren. Je grausamer Ilse Koch geschildert wurde, desto mehr konnten sich Deutsche als Einzelne und die Nachkriegsgesellschaften als Ganzes von ihr distanzieren und sich selbst entschulden, indem sie das personalisierte Böse außerhalb der menschlichen Sphäre verorteten.

Alexandra Przyrembel ist Professorin für die Geschichte der europäischen Moderne an der Fernuniversität Hagen. Sie forscht unter anderem über die Globalgeschichte des Wissens, die Geschichte des Reichtums im Rahmen einer Globalgeschichte des Kapitalismus, Gewalt und der Erinnerungspolitik sowie Antisemitismus im 20. Jahrhundert.
Mit ihr diskutiert Elissa Mailänder, Associate Professor am Centre d’histoire de Sciences po. Sie forscht über den Zweiten Weltkrieg und das nationalsozialistische Deutschland, über die Geschichte der Gewalt und der Sexualität. Corine Defrance (CNRS) und Ulrich Pfeil (Univ. Lotrhingen) moderieren die Diskussion.
 
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Historischen Institut Paris (DHIP), der Universität Lorraine/Cegil, dem Labex EHNE und dem Centre interdisciplinaire d'études et de recherches sur l'Allemagne (CIERA)