Filmvorführung LES ANTIQUITÉS DE ROME, Jean-Claude Rousseau

LES ANTIQUITÉS DE ROME © Jean-Claude Rousseau

Sa, 18.05.2019

Close-Up Film Centre

97 Sclater Street
E1 6HR London

Seit mehr als zwanzig Jahren hat Jean-Claude Rousseau ein im französischen Autorenkino einmaliges Werk geschaffen. So intim wie mysteriös changiert es zwischen Dokumentation und Fiktion. Er hat mit Jean-Marie Straub und Danièle Huillet, die seine Arbeit bewundern, zusammen gearbeitet. Im Rahmen der Retrospektive zweigen wir Roussaus Film Les Antiquités de Rome im Anschluss an eine Vorführung von Straub und Huillet’s in Rom gedrehten Film Othon, der am gleichen Abend um 18 Uhr zu sehen ist.
 
‘Thou stranger which for Rome in Rome here seekest
And nought of Rome in Rome perceivst at all’
Joachim du Bellay (Translation Edmund Spenser – 1591)

Kann man Rom in Rom finden? Einst führten alle Straßen nach Rom. Aber diese Zeit ist vorbei, und die Überreste werden rekonstruiert. Regen schüttet vom Himmel durch ein Loch in einer Kuppel. Der Geist der Vergangenheit lebt in der Gegenwart. Und auch diese beginnt zu verschwinden. Eine Ode an die, die verschwinden, ist das Licht, das die Dinge umreißt. Geometrische Formen – Kreise, Dreiecke und Quadrate erscheinen und verschwinden mit dem sich wandelnden Licht. Das Aufzeichnen der Zeit vermengt sich mit Baustellenkrach, zeigt ein ewiges Bild, einen formlosen Himmel. Das Bild ist befreit durch das Starren und Warten, und der Film muss noch einmal von vorne beginnen.

‘Ja, und das ist die Quintessenz von Les Antiquités de Rome, in dem trotz des Titels keine antiken Bauwerke zu sehen sind, oder man könnte sagen, dass der Film das Minimum zeigt, fast gar nichts. Alles war wir vom Pantheon sehen, ist der Oculus in der Kuppel; die Cestius-Pyramide wird ganz flach gezeigt, so dass sie nicht mehr als ein Dreieck ohne Tiefe ist; das Kolosseum erkennt man kaum am Ende der Straße, bei Nacht; der Konstantinbogen wurde renoviert, als ich ihn filmte, war er eingerüstet; und da war fast nichts vom Circus Maximus übrig, und so ging es weiter. And was wir hier somit finden ist die Idee, weniger zeigen zu müssen, um besser sehen zu können. (… ) Und tatsächlich, das Beste wäre, überhaupt nichts zu zeigen. Das ist, was passiert, wenn die Verbindung zwischen den Linien und Formen unseren Blick durch den Rahmen hindurch lenkt, und er verweilt nicht auf dem Muster, der Blick wandert über das Muster hinaus. Das ist was ich meine, wenn ich sage, dass unser Blick durch die Verbindung aus Linien und Formen gefangen wird: er erreicht ein Stadium intellektueller Abwesenheit, und dann geht es nicht mehr darum, das Gezeigte anzuschauen, sondern darum, dass der Blick über das Gezeigte hinausgeht. Es ist ein Zustand der Abwesenheit, der Aufgabe. Sogar Schwäche, sollte ich sagen.’ (Jean-Claude Rousseau)

Les Antiquités de Rome, Regie: Jean-Claude Rousseau, Frankreich, 1989, Super8/auf 16mm, 87 Min, Französisch (kaum Dialog, Untertitel werden ausgehändigt).

Präsentiert im Rahmen von The Films of Jean-Marie Straub und Danièle Huillet
 

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