Schnelleinstieg:
Direkt zum Inhalt springen (Alt 1)Direkt zur Sekundärnavigation springen (Alt 3)Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Theater heute
Theater in polarisierten Zeiten: (K)eine Schlussbemerkung

Theater in polarisierten Zeiten
© Goethe-Institut, Foto: Zoltán Kerekes

Das Theater ist immer ein politischer Ort, ganz einfach, weil dort Themen künstlerisch verhandelt werden, die uns als Individuum und Gesellschaft betreffen. Dass wir diesen Ort verteidigen müssen, verdeutlichte der Abend im Goethe-Institut, wo deutsche und ungarische Theaterschaffende über die Aufgaben von Theater heute diskutierten.

Von Kristina Kocyba

Als ein Ort, wo auf (und neben) der Bühne politisch brisante Themen verhandelt werden, ist das Theater in Deutschland seit einigen Jahren auch mit Angriffen seitens der äußersten Rechten konfrontiert. Diese Entwicklung kann man auf die diskursiven Frontlinien zurückführen, welche wesentlich zur Polarisierung der öffentlichen Debatte beitrugen. Ganz konkret mussten sich zahlreiche Theater, vor allem in Ostdeutschland, mit Anfeindungen seitens der AfD auseinandersetzen, welche damit droht, „die Entsiffung des Kulturbetriebes in Angriff zu nehmen“ (so der AfD-Politiker Marc Jongen, zitiert nach Peter Kümmel, Die „Versifften wehren sich“, in: Die Zeit, 22. August 2019, S. 36.) und die Subventionen jener Häuser zu kürzen, die sich nicht am ‚kulturellen Leitbild‘ der AfD orientierten. Die Theater, vertreten durch den Deutschen Bühnenverein, bezogen gegen solche Drohungen immer wieder öffentlich Stellung und verwehrten sich gegen ‚völkisch-nationalistische Propaganda‘ und deren Instrumentalisierung der Kunst (vgl. bspw. die Berliner Erklärung der Vielen, abzurufen unter den Kulturpolitischen Statements auf der Homepage des Vereins). In Dresden, wo sich 2015 die ausländerfeindliche Protestbewegung Pegida formierte, ließ der damalige Intendant Wilfried Schulz u.a. das Licht des Staatsschauspiels löschen, um nicht ‚als Kulisse für Fremdenfeindlichkeit‘ zu dienen. Es gab aber auch ganz konkrete Angriffe, etwa in Form einer Klage und sogar von Morddrohungen gegenüber Autor und Regisseur Falk Richter. Hintergrund: In seinem postdramatisch konzipierten Stück FEAR, das von Oktober 2015 bis Mai 2017 an der Berliner Schaubühne lief, ließ Richter sehr verschiedene Stimmen zu Wort kommen, darunter auch die von Gabriele Kuby, die in einer im Original zitierten Rede gegen Homosexuelle hetzt. Kuby sah hierbei ihre Persönlichkeitsrechte verletzt und erhob gegen Richter und die Schaubühne Anklage, welche vom Berliner Kammergericht jedoch abgewiesen wurde.
 
Vor diesem Hintergrund wurden Richter und Schulz während der Diskussion im Goethe-Institut nicht müde, auf die Rolle des Theaters als kritische Instanz hinzuweisen; Schulz sprach von einem ungeschriebenen Vertrag zwischen Kunst und Politik, Kritik üben zu müssen. Gleichzeitig hob er hervor, dass es nicht selbstverständlich sei, so frei agieren zu können. Die Kunstfreiheit musste in Deutschland hart erkämpft werden. Richter verwies auf seine Vorbilder, darunter Bertolt Brecht und Heiner Müller, die in ihrer Arbeit stets bedroht waren und sogar um ihr Leben fürchten und ins Exil gehen mussten.
 
Im Gespräch mit Adél Kováts (Radnóti Színház), László Készég (Miskolci Nemzeti Színház) und László Bagossy (Színház- és Filmművészeti Egyetem) wurden unterschiedliche Herangehensweisen deutscher und ungarischer Theaterschaffender sichtbar. Umso wichtiger erscheint der gegenseitige Austausch, welcher am 5.11. dank der Kooperation des Germanistischen Instituts der ELTE, des DAAD und Goethe-Instituts sowie der beteiligten Theater stattfinden konnte. Dank gebührt aber vor allem den deutschen und ungarischen Gästen, die sich bereit erklärten, zum Theater als politischen Ort öffentlich zu sprechen. Die Diskussion wird in der nächsten Ausgabe von Színház nachzulesen sein.

Top