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Hermann Rasche | ehemaliger Dozent, National University of Galway

Wahrscheinlich bin ich einer der ‘dienstältesten‘ regelmäßigen deutsch-muttersprachigen Besucher in 37, Merrion Square. Mein allererster Besuch dort war wohl Anfang Oktober 1963. Ich kam von der Freiburger Uni und war als sogannter occasional student (so hieß das damals) am University College Dublin eingeschrieben, um hauptsächlich natürlich mein Englisch zu verbessern, Kurse in anglo-irischer Literatur zu belegen, mich in die irische Lebensart einzugewöhnen, irische KommilitonInnen kennenzulernen - vor allen Dingen sollte und wollte ich mich von deutscher Klüngel- und Grüppchenbildung in der Diaspora fernhalten.
Aber der pull-factor vom Goethe-Institut war dann doch bald zu groß, denn an dieser vorzüglichen ‘Kontaktbörse‘ konnte man leicht jede Menge Iren (und Irinnen!) kennenlernen, die an Deutschand interessiert waren; außerdem lagen dort immer die neuesten Ausgaben des SPIEGEL, der ZEIT, der FAZ, der SZ aus, wenn auch - in prädigitaler Zeit - mit bisweilen 10-tägiger Verspätung. So ganz wollte ich den Kontakt mit Zuhause eben doch nicht verlieren. Am Regal ‘Neuerwerbungen‘ konnte man schon mal in den aktuellen deutschen Büchermarkt reinschnuppern und Anschaffungsvorschläge waren immer willkommen. Irgendwann kamen dann Cassetten, DVDs, Hörbücher dazu. Merrion Square war eine gehobene ‘feine Adresse‘. Von Earlsfort Terrace -zu meiner Studienzeit noch UCDs Haupt-Standort, bevor der Belfield Campus bezogen wurde – war’s zum Institut auch ein schöner Spaziergang, entlang Stephen’s Green, Merrion Row und um den Merrion Square herum(!). (Der Park wurde erst 1974 für das gemeine Fußvolk zugänglich gemacht)
Verbunden mit Nr.37 sind für mich allerdings auch zwei weitere Daten: der 22. November 1963, ein Freitag. Ich erinnere mich noch genau, dass ich gerade, mit einigen ausgeliehenen Büchern unterm Arm, die paar Stufen vorm Institut hinunterging, als mir eine unbekannte Frau vőllig aufgelöst zurief, es sei ein Attentat auf J.F. Kennedy verübt worden. Unbeteiligter und mehr zufälliger Augenzeuge war ich am 1.Februar 1972, wie die Britische Botschaft, zu der Zeit unmittelbarer Nachbar des Goethe Instituts (die Britische Botschaft hatte die Adresse Merrion Sq. Nr. 39!), attackiert und in Brand gesteckt wurde, als Reaktion auf die Ereignisse am sog. Bloody Sunday in Derry.
Seit ich in den frühen Siebzigern nach Irland zurückkam und am German Department des University Collge in Galway (heute National University Galway) zu lehren anfing, sind für unser Department und mich persőnlich die Kontakte zu Goethe enorm wichtig geblieben. Goethe konzentriert sich naturgemäß in der Kapitale, aber wir haben uns eigentich niemals als ‘Cinderella in der Provinz‘ gefühlt. Wir wurden ‘versorgt‘ mit Referenten, Lesungen etablierter Schriftsteller und vielversprechender Nachwuchsliteraten, Germanisten, Wissenschaftlern, durchreisenden Journalisten, KünstlerInnen und Ausstellungen, Musikensembles, mit Filmen, Broschüren, Infomaterial , mit Unterstützung bei Konferenzen, workshops zu diversen Themenbereichen und bei Theateraufführungen unserer studentischen drama groups.
Wer auf Einladung von Goethe nach Irland kam, begab sich offensichtlich freiwillig und gerne gen ‘Wilden Westen‘ jenseits des Shannon und über Ballinasloe hinaus. Wir bewirteten die illustren Gäste ausgiebig mit smoked salmon, crab claws, lobster ...washed down with Irish Coffee; das sprach sich augenscheinlich herum: wir hatten sozusagen ‘immer gute Karten‘! Der ‘Großkritiker‘ Marcel Reich-Ranicki z.B. wollte uns gar nicht wieder verlassen ...
An literarischen Lesungen aus der früheren Zeit vor vollem Haus am Merrion Square sind mir besonders im Gedächtnis geblieben die Auftritte von Wolfgang Hildesheimer und Uwe Johnson. Hildesheimer war auch ein großer Joyce-Kenner und hatte gerade eine mehrseitige Reportage über Irland im STERN verőffentlicht. Uwe Johnson las mit sonorem Bass aus seinen Jahrestagen und Passagen aus dem Dritten Buch über Achim. Johnson war recht zurückhaltend, schien sogar schüchtern, small talk nach der Lesung war nicht gerade eine seiner vorrangigen Freizeitaktivitäten. Ich zögerte deshalb, bat ihn dennoch um ein Autogramm ( “für unsere Seminarbibliothek“). Das von ihm signierte Exemplar steht in unserem special collections Schrank und ist verfügbar!
Bei einer Konferenz zur deutschsprachigen Literatur Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz,  die vom Goethe-Institut mit-organisiert war und zum Teil  im Institutsgebäude stattfand, traf ich W.G. (Max) Sebald wieder, bevor er seinen großen internationalen Durchbruch erlebte und zum nobelpreisverdächtigen Star avancierte. Ich kannte ihn noch aus der gemeinsamen Freiburger Studentenzeit, wir hatten kurzzeitig im selben Studentenheim gewohnt.
Heinrich Boell, dessen Irisches Tagebuches lange Zeit als die must read bible für alle eingefleischen Irlandfans galt, hat dagegen aus Prinzip wohl nie öffentlich in Irland gelesen. Auch die Goetheaner versuchten’s, konnten ihn aber offensichtlich nicht dazu bewegen.
Für uns ‘Westerners‘ aus der irischen Provinz war und bleibt Goethe immer ein angenehmer Anlaufpunkt, zumindest um in der Bibliothek vorbeizuschauen. Und für manche der interessanten Veranstaltungen und Angebote nehmen wir schon mal eine Tagesreise in Kauf. Bewley‘s in Grafton Street ist dabei zwar nach wie vor eine wichtige Institution für coffee, scones and chat, aber nach der gelungenen Top-Renovierung des Institutsgebäudes gibt’s mit dem Camerino im Hause eine veritable Alternative.


             Für Dublin aus Galway ein Limerick

Des Johann von Wolfgangs Dubliner Institut-e
Vermittelt mit deutscher Kultur im irischen Lande recht vieles Gut-e.
Alle Fragen zu “was denn nun ‘deutsch‘ sei“,
beantworten Ulrike und Anna ganz frisch, fromm, froehlich und frei!
Fuer weitere sixty also nur das Beste – SALUT-E!

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