Franzisca Baruch (1901 – 1989)

Geboren in Hamburg, aufgewachsen in Berlin, studiert Baruch zwischen 1919 und 1925 an der „Unterrichtsanstalt des Preußischen Kunstgewerbemuseums“ in Berlin und hat schon während des Studiums erste Aufträge als Gestalterin. Große Aufmerksamkeit verschafft ihr 1921 die Beschriftung einer „Haggadah“ mit Holzschnitt-Illustrationen des Künstlers Jakob Steinhardt.

Als Schriftgestalterin arbeitet sie sowohl mit zentralen Akteuren der hebräischen Kulturszene zusammen als auch für den deutschen Reichskunstwart. So ist sie 1926 an der Gestaltung des deutschen Reichsadlers beteiligt, andere Arbeiten umfassen z.B. die Gestaltung von Silhouetten für den Animationsfilm „Goethe lebt …!“ anlässlich dessem hundertsten Todestag.

1933 emigriert Baruch ohne Begleitung ins damalige Palästina. Für die Tageszeitung „Ha'aretz“ von Verleger Salman Schocken gestaltet sie 1936 den Titel-Schriftzug, der bis heute genutzt wird. Weitere Aufträge sind ebenso für viele öffentlich sichtbar: z.B. das Eingangszeichen des israelischen Pavillons auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel, die Gestaltung der Wand mit den Gründern des Hadassah-Krankenhauses in Ein Kerem, das Wappen von Institutionen wie dem Weizmann-Institut. 

Auf Bitten von Gershom Schocken entwirft Baruch 1940 die Schrifttype „Schocken“, prominent genutzt wird diese z.B. für die 1949 gedruckte Autobiografie von Israels erstem Präsidenten Chaim Weizmann. In Zeiten mangelnder Aufträge sucht Baruch ab den 1940er Jahren nach weiteren Erwerbsquellen: Sie zeichnet geographische Karten für die „Palestine Post“, backt Marzipan-Kekse, so wie sie sie aus ihrer Kindheit in Deutschland kennt, nennt sie: „Tufinei Baruch“. Die Verpackungen gestaltet sie je nach Saison mit Motiven von Hanukkah, Weihnachten oder Adam und Eva. 1943 werden Baruchs Mutter Augusta und ihre Schwester Anna in Theresienstadt ermordet – Franzisca Baruch erfährt davon erst neun Jahre später durch das Rote Kreuz. 

1948 gestaltet Baruch einige der offiziellen Insignien des gerade ausgerufenen Staates Israel mit: vom Staatsemblem über den Einband des israelischen Passes, dem Emblem der Stadt Jerusalem bis zu den Banknoten für Notgeld und den Emblemen weiterer Institutionen. Die von ihr entwickelte Schrifttype „Stam“ wird auf dem Briefpapier offizieller Schreiben des Staates Israel verwendet. Für die Verlage Schocken, Dvir, Tarshish und das Bialik-Institut gestaltet sie in den folgenden Jahren unzählige Bucheinbände.
 

Die Biografie basiert auf den Forschungen und Texten der Publikation „Alt-neue Schriften: Typographische und Buchgestalterische Arbeiten von Moshe Spitzer, Franzisca Baruch und Henri Friedlaender“ des Deutschen Literaturararchivs Marbach, 2015.