Texte für die Zukunft Über Bertold Brecht (Hanna Arendt)

Buchcover
© Resling Verlag


„Über Dichter zu schreiben, ist immer eine undankbare Aufgabe. Dichter müssen zitiert werden. Das, was man über sie schreibt, erweist sich dann meist als überflüssig. Dies trifft zumindest dann zu, wenn die Kritik nicht von Literaturkennern oder Literaturhistorikern geübt wird. Die Stimmen von Dichtern berühren uns alle. Wir beachten sie im privaten wie öffentlichen Leben, ja wir berufen uns auf sie. Deshalb müssen es die Fachleute auch hinnehmen, dass sich jemand wie unser einer an der Debatte beteiligt. Auch die Dichter, ob sie politisch schreiben oder nicht, müssen sich damit abfinden, Kritik ausgesetzt zu sein und als Bürger von anderen Bürgern bewertet zu werden. Dies gilt selbstverständlich umso mehr, wenn politische Sympathien und Ansichten im Leben und Werk eines Dichters eine so starke Rolle gespielt haben, wie sie das bei Bertholt Brecht der Fall gewesen ist.“
Auszug aus dem Buch von Hannah Arendt
 
Hannah Arendt hat erst spät, Brecht war bereits mehrere Jahre tot, über Bertholt Brecht geschrieben. Arendt lebte bereits in New York und hatte einige ihrer zentralen Essays veröffentlicht. Da, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, beschließt sie nun, Brecht seinen Kommunismus zu verzeihen und die Bedeutung seiner Poesie zu erklären. Arendts Auslegung der Brechtschen Poesie bildet die zentrale Achse des vorliegenden Essays. Hätte Arendt sich nur mit Brechts aus ihrer Sicht unmoralischem Verhalten befasst, wäre diese Abhandlung kaum von Bedeutung. Doch ausgerechnet weil sich Arendts hier abgedruckter Aufsatz mit Ethik, Kunst und einigen von Brechts herausragenden dichterischen Qualitäten befaßt – Arendt kennt Brechts Generation, die auch die ihre ist –, ist er von so zentraler Bedeutung. In diesem Essay kehrt Arendt „nach Hause“ zurück, begibt sich in das Deutschland, in dem sie einst gelebt und wiederum nicht gelebt hat. Arendt kehrt also zur deutschen Sprache zurück, die für sie immer die eigentliche Heimat bedeutet hat.
 

Das Buch ist mit Unterstützung des Goethe Instituts erschienen.
 
„Texte für die Zukunft“ – aus der Reihe „Deutsche Gegenwartsphilosophie“