Shy Abady: In die Zeit eingebrannt

Ausstellung|Kuratorin: Shlomit Steinberg

  • Bible Lands Museum Jerusalem, Jerusalem

  • Preis 22-44 NIS

Augusta Victoria III, electric etching and oil on OSB © Foto: Yodan Abadi

Augusta Victoria III, electric etching and oil on OSB © Foto: Yodan Abadi

Wie lässt sich Sehnsucht malen? Wie lassen sich Erinnerung, Ort oder Geschichte in einem Bild fassen?

Die Ausstellung In die Zeit eingebrannt präsentiert Arbeiten des Künstlers Shy Abady (*1965, Jerusalem), der sich seit über zwei Jahrzehnten mit Fragen zu Landschaft, Erinnerung und Zugehörigkeit auseinandersetzt.
Ausgehend von einer engen Verbindung zum lokalen, historischen und biblischen Erbe sowie zu geografisch entfernten Regionen – von den sonnenverbrannten Landschaften der judäischen Wüste bis zu den kargen, düsteren Szenerien Nordeuropas – zeichnet Abadys Werk die Linien nach, an denen sich persönliche Erfahrung und kollektive Geschichte überschneiden.

In einer eigens entwickelten Technik arbeitet Abady mit Pressspanplatten, deren raue, industrielle Oberfläche durch Hitze und Brandspuren zum aktiven Material wird. In die geschwärzten Flächen integriert er Landschaften, Figuren und historische Momente und überlagert sie mit Schichten aus Kohle und Ölfarbe. Die rohe, gelbliche Textur der Platten wird dabei zu einem integralen Bestandteil der dargestellten Motive und vermittelt den Eindruck von Zeit, die sich eingebrannt hat und stillsteht.

Die Ausstellung vereint Arbeiten aus zwei zentralen Werkreihen, Augusta Victoria und A Boomerang on Breath-Routes, die sich mit persönlicher und kollektiver Erinnerung, mit Exil und mit der Frage beschäftigen, wie Trauma über Generationen hinweg weitergegeben wird. Figuren wie Theodor Herzl und Yaakov Shabtai treten neben der anonymen Gestalt einer schwarz gekleideten Frau – einer wiederkehrenden Silhouette – sowie Jerusalemer Landschaften auf, die als Orte verdichteter Bedeutung erscheinen.

Die Präsentation im Bible Lands Museum Jerusalem eröffnet einen lebendigen Dialog zwischen Abadys Arbeiten und der intensiven Auseinandersetzung des Museums mit Geschichte, Archäologie und den materiellen Spuren der Vergangenheit.
Abadys Werk hält zwischen dem, was aus der Erde freigelegt wurde, und der Wirklichkeit, die darüber fortbesteht, eine sensible Balance.