Paushali Lass

Paushali Lass  © © Paushali Lass  Paushali Lass © Paushali Lass

Alter: 46 Jahre
Herkunft: Neu-Delhi, Indien
Wohnort in Deutschland: Düsseldorf
Beruf: Kulinarische und soziale Unternehmerin

Paushalis Leben in Deutschland

Gründerin eines kulinarischen Start-ups und Besitzerin eines nachhaltigen Textilunternehmens, Autorin, Mehrsprachlerin – die Wahldüsseldorferin Paushali Lass vereint viele Identitäten in ihrer Person. Die fünffache Mutter und Selfmade-Entrepreneurin mit Business-Hintergrund arbeitet mit zahlreichen NGOs zusammen und unterstützt deren Anliegen in Indien, der Türkei und Israel. Paushali stammt ursprünglich aus Kolkata, wuchs in Neu-Delhi auf und machte vor zwei Jahrzehnten Deutschland zu ihrer Heimat.

Zu Beginn war es nicht einfach, als die frisch Verheiratete Anfang 2004 nach Münster zog, voller Aufregung und nervös, das Land endlich aus nächster Nähe kennenzulernen. „Die deutsche Kultur ist ganz anders. Schottland, von wo aus ich hierher kam, ist ein sehr freundliches Land. In Deutschland sind die Menschen viel direkter. Man steigt in den Bus und der oder die FahrerIn lächelt einen nicht an, so wie ich es aus Schottland gewohnt war“, erinnert sich Lass lachend.

Paushali leitete früher ein handwerkliches Geschäft für nachhaltige Kleidung in Düsseldorf. © © Paushali Lass Paushali leitete früher ein handwerkliches Geschäft für nachhaltige Kleidung in Düsseldorf. © Paushali Lass

Obwohl sie diese Direktheit und Aufrichtigkeit inzwischen zu schätzen gelernt hat, war Paushali zunächst verwirrt. „Man fragt sich: ‚Warum sind alle so unhöflich?‘ Sie meinen es nicht böse, das ist einfach ihre Art. Wenn man die Menschen besser kennenlernt, findet man gute FreundInnen, aber man muss zuerst seine anfängliche Irritation überwinden.“

Nachdem die ersten Eingewöhnungsschwierigkeiten gemeistert waren, machte sich Paushali daran, Deutsch zu lernen. „Ich wusste, mir blieb keine Wahl, denn ich würde hier leben. Lustigerweise besuchte ich nie einen Kurs. Ich fand mich einfach in einer Situation, in der ich sprechen musste, und ich glaube immer noch, das ist der beste Weg, eine Sprache zu lernen.“

Deutsch durch Praxis

Paushali mit Gründerinnen des Netzwerks GründerMütter und der Exministerin Franziska Giffey © © Paushali Lass  Paushali mit Gründerinnen des Netzwerks GründerMütter und der Exministerin Franziska Giffey © Paushali Lass

Wie also lernte sie die Sprache ohne professionelle Hilfe? Paushali, die neben Hindi und Bengali auch Italienisch und etwas Griechisch, Portugiesisch, Türkisch, Arabisch und Hebräisch spricht, sagt, sie lernte das Sprechen in der Praxis. „Alle unsere FreundInnen waren Deutsche, also hörte ich zu und sprach gezwungenermaßen selbst. Ich bemühte mich, neue Wörter zu lernen und meinen Wortschatz zu erweitern. Die Leute waren sehr nett und geduldig mit mir. Sie wiesen mich so sanft auf meine Fehler hin, dass ich mich nicht für sie schämte.“

Heute, zwei Jahrzehnte später, drückt sich Paushali am gewandtesten auf Englisch und Deutsch aus. Doch trotz ihrer Sprachkenntnisse sagt Paushali, gewisse Aspekte des Alltags in Deutschland hätten ihr längere Zeit zu schaffen gemacht. „Als ich meine Kinder bekam, fühlte ich mich oft als Außenseiterin, weil ich nicht im deutschen System aufgewachsen war. Aber ich lernte das Leben in Deutschland bald zu lieben – vor allem, wie organisiert hier alles ist.“

Ich verstehe, was Deutschsein bedeutet, denn ich bin gut integriert und ein Teil meiner Familie ist deutsch.

Paushali Lass

Die perfekte Möglichkeit, die kulturelle Kluft zu überwinden, offenbarte sich in Form ihres kulinarischen Unternehmertums. Mitten in der Pandemie hatte Paushali ihr gesamtes Lager an handgemachten, nachhaltig hergestellten Textilien ausverkauft, nachdem der Lokalsender WDR2 über ihr Modelabel berichtet hatte. Aufgrund von Covid-Beschränkungen konnte sie nicht nachbestellen, also begann Paushali Kochkurse zu geben, in denen sie indisches Essen zubereitete, wie sie es aus ihrer Kindheit kannte. Ihre Freundin, deren Restaurant aufgrund des Lockdowns geschlossen war, stellte ihre Küche zur Verfügung, von wo aus Paushali einen Lieferdienst startete, der schnell großen Zuspruch fand.

Menschen durch Essen verbinden

Paushali bei ihrem Mustard Table-Kochkurs. © © Paushali Lass  Paushali bei ihrem Mustard Table-Kochkurs. © Paushali Lass

„Essen ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Mit Mitte Zwanzig war das Leben in Europa ein aufregendes Abenteuer für mich. An Indien fehlte mir nur das Essen, das einfach unübertroffen ist. Doch je älter ich werde, desto mehr vermisse ich meine Herkunftskultur und das Essen hilft mir, mit meinen Wurzeln in Verbindung zu bleiben.“

Paushali benutzt das Essen als Brücke zur indischen Kultur – und sie will den Menschen beweisen, dass die indische Küche mehr zu bieten hat als Naan und Butter Chicken. „Ich wollte durch das Essen zeigen, wie vielfältig Indien ist. Und so bleibe ich meinem Heimatland verbunden während ich in Deutschland lebe.“ Obwohl sie eine große Bandbreite indischer Gerichte zubereitet, sind ihre Spezialitäten Kosha Mangsho, Luchi und Aloo Dum.

Paushali liebt die Organisiertheit der deutschen Arbeitswelt – gerade im Kontrast zu Indien. „Ich muss mich nicht über Unpünktlichkeit aufregen wie in Delhi“, sagt sie. „Alles läuft wie ein Uhrwerk und es ist einfach eine bessere Arbeitskultur.“

Paushali, die längst die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hat, meint, sie sei in vieler Hinsicht zu einer wahren Deutschen geworden. „Ich verstehe, was Deutschsein bedeutet, denn ich bin gut integriert und ein Teil meiner Familie ist deutsch. Oft fühle ich mich, als gehörte ich wirklich hierher – aber auch das Gegenteil kommt vor.“

Die Deutsch-Inderin erster Generation und Wanderin zwischen zwei Welten ist in ihrer Heimatstadt auch außerhalb ihres Familienlebens viel beschäftigt. „Ich kenne viele Restaurants und KöchInnen in Düsseldorf und ich liebe es, zum Essen auszugehen. Ich besuche gerne Museen und ich jogge oder gehe spazieren. Einmal in der Woche gehe ich mit Freundinnen zu einem Malkurs, um alles andere zu vergessen und etwas auf der Leinwand zu erschaffen. Düsseldorf hat viel zu bieten. Es ist eine kleine, aber internationale Stadt.“

Schnellfragerunde mit Paushali

Was rätst du Menschen, die zum Arbeiten oder Studieren nach Deutschland ziehen wollen?
Seid aufgeschlossen. Die Leute hier sind sehr direkt und können unhöflich wirken, aber sie meinen es nicht so. Es ist ein herrliches Land; vielen ist das nicht bewusst. Man denkt an Deutschland nur als technisch fortschrittlich, aber es gibt hier viele atemberaubende Landschaften. Außerdem ist es die perfekte Basis, um verschiedene Teile Europas zu erkunden.

Welche Lehren hast du aus deiner Zeit in Deutschland gezogen?
Fang gleich am ersten Tag an, Deutsch zu lernen. Überwinde die Hemmung, zu sprechen; die Menschen wissen es zu schätzen, wenn du ihre Sprache sprichst. Deutsche nehmen AusländerInnen offen auf, also versuche, dich in die Kultur zu integrieren.

Was sind deine deutschen Lieblingswörter?
Es gibt so viele Wörter, die nur auf Deutsch Sinn ergeben. Meine Lieblingswörter sind „Egal“ und „Jein“.

ÜBER DEN AUTOR

Prathap Nair ist freiberuflicher Autor in Düsseldorf, Deutschland.

Mehr Inder*innen in Deutschland




Top