Das Projekt „Intersections & Interventions. Barwe & Klee“ (2023-26) ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Goethe-Institut Max Mueller Bhavan / Pune, dem Zapurza Museum of Art & Culture Pune und dem Zentrum Paul Klee Bern, Schweiz. Es will zwei Künstler und ihre künstlerischen sowie theoretisch-pädagogischen Ideen in einen spannenden Dialog bringen: Prabhakar Barwe (1936-1995), ein Künstler der zweiten Welle des indischen Modernismus in Maharashtra, und Paul Klee (1879-1940), ein schweizerisch-deutscher Künstler der Moderne und Lehrer an der Bauhaus-Schule in den 1920er Jahren in Deutschland.
Welche Art von Dialog kann zwischen zwei Künstlern entstehen, die sich nie begegnet sind, in weit voneinander entfernten Regionen lebten und in unterschiedlichen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wirkten? Angesichts der Tatsache, dass Paul Klee dem Künstler Prabhakar Barwe zeitlich vorausging und bekanntermaßen eine Inspiration für ihn war, besteht die Versuchung, ihre Verbindung als chronologische Erzählung darzustellen. In dieser Erzählung könnten Barwes Werke und Ideen allerdings nur als bloße Ableitungen von Klees angesehen werden – eine Perspektive, die in frühen Darstellungen der globalen Moderne häufig anzutreffen ist. Nach dieser Auffassung gilt die westliche Moderne, insbesondere in Europa und den USA, als Geburtsort der modernen Kunst, während alle modernistischen Bewegungen außerhalb des Westens als bloße Imitationen betrachtet werden. Der Aufstieg transkultureller Perspektiven in der Kunstgeschichte hat jedoch seitdem neue Ansätze in der Kuration und Forschung eröffnet, beispielsweise bei der wegweisenden Ausstellung "Bauhaus in Calcutta" aus dem Jahr 1922, dessen Rekonstruktion im Bauhaus Dessau im Jahr 2013 und die Ausstellung der Bengal School of Art in Berlin im Jahr 1923. Hier weichen lineare Zeitachsen komplexeren Kontexten und Einflüssen. Ein weiteres Beispiel sind Studien, die sich mit Klees Auseinandersetzung mit indischer Literatur befassen. Auf der Grundlage dieser historischen und zeitgenössischen Bemühungen ist der Dialog zwischen Barwes und Klees Werk ein wichtiger Beitrag zum Umdenken im Kanon der westlichen und indischen Kunstgeschichte und -pädagogik, mit dem gemeinsamen Ziel, sowohl die Kunstgeschichte als auch die künstlerische Praxis zu dekolonisieren. So betrachtet „Intersections & Interventions: Barwe & Klee“ die Momente der Inspiration zwischen Barwe und Klee nicht als Frage von Quelle und Nachahmung, sondern als wirkungsvolle Instrumente der Weitergabe und globalen Begegnung künstlerischer Ideen.