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Fritz Bauer räumt beim Deutschen Filmpreis ab

Mit acht Nominierungen gewann „Der Staat gegen Fritz Bauer“ in sechs Kategorien, darunter Bester Spielfilm, Beste Regie und Bestes Drehbuch. Der Beste Spielfilm in Silber ging an „Herbert“ und Bronze bekam „4 Könige“.
 

Der Staat gegen Fritz Bauer © zero one film / Martin Valentin Menke
Am Freitag, 27. Mai fand in Berlin die Verleihung des Deutschen Filmpreises statt. Es stellte sich als Chronik einer vorangekündigten Prämierung heraus, da Der Staat gegen Fritz Bauer als der Favorit galt und in sechs Kategorien abräumte, einschließlich Bester Spielfilm, Beste Regie (für Lars Kraume), Bestes Drehbuch (von Lars Kraume selber mit Olivier Guez geschrieben) und Bester Nebendarsteller, für Ronald Zehrfeld. Darüber hinaus wurde ihm der Preis für Bestes Szenenbild und Bestes Kostümbild zuteil.

Wie ich schon zuvor in diesem Blog erwähnt hatte, waren die Kritiker diesem Film von Anfang wohlwollend gesinnt, weil er sich traute, den Staatsanwalt Fritz Bauer, der die Auschwitz-Prozesse initiierte, in den Mittelpunkt der Erzählung zu stellen. Dieser Punkt wurde immer mehr hervorgehoben als seine filmischen Verdienste.  Bauer ist eine sehr starke Figur und diesem Film gelang es mit guten Schauspielern und einem exzellenten Szenenbild, den Staatsanwalt dem großen Publikum näher zu bringen, und ihn vor dem Vergessen, in das er gefallen war, zu bewahren. In Deutschland sahen den Film mehr als 250.000 Menschen und bald wird er in die chilenischen Kinos kommen. Der Staat gegen Fritz Bauer versucht, die Licht- und Schattenseiten, und vor allem alle Schwächen des Helds darzustellen, wie seine angebliche Homosexualität. Um diesen Erzählfaden zu entwickeln, wird auf die fiktive Figur des Staatsanwaltes Angermann zurückgegriffen, Mitarbeiter von Fritz Bauer, zu dem er eine angebliche Zuneigung entwickelt. Und dem sich Fritz Bauer anvertraut, aus dem Konzentrationslager entlassen worden zu sein, weil er einen Unterstützerbrief der Nazis unterschrieb. Beide Punkte sind nicht bewiesen. Aufgrund dessen haben Wissenschaftler und die  Biografin Fritz Bauers, Irmtrud Wojak, in verschiedenen deutschen Medien ihre Stimmen erhoben, um anzuprangern, dass die Wahrheit falsch wiedergegeben wurde. Ronald Zehrfeld, der den Staatsanwalt Angermann verkörpert wurde bei der Soirée am Freitag als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Und dieser Film wird in Schulen verwendet, um über diese Zeit zu lehren, in der Deutschland sich nicht traute, seiner Vergangenheit ins Auge zu blicken, während Fritz Bauer sich entscheidet, gegen den Strom zu schwimmen. Das Problem ist, dass der Fritz Bauer dieses Filmes einige fiktive  Elemente beinhaltet, die – laut Irmtrud Wojak – Gefahr laufen, Fritz Bauers Profil zu verfälschen und Teil der offiziellen Wahrheit und dabei Studienmaterial zu werden. Es ist möglich, dass diese Polemik sich noch ausweitet. Auf alle Fälle ist es positiv, dass die Figur Bauers, dem Deutschland die Grundlagen seiner aktuellen Demokratie verdankt und der ungerechtfertigt  unter den Teppich gekehrt wurde, wieder aufersteht.

Andere nominierte Filme gingen mit leeren Händen aus, wie Grüße aus Fukushima, den Doris Dörrie auf der Berlinale uraufführte; und das Gleiche passierte Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück von Florian Gallenberger. Dasselbe Schicksal ereilte andere Nominierten, wie Kaminski und Ich, der neue Film von Wolfgang Becker (Goodbye Lenin), oder Er ist wieder da, von David Wnendt, der auf dem erfolgreichem Roman über Hitler, der im modernen Berlin wieder auftaucht, beruht.

Der Preis für den Besten Spielfilm in Silber ging an Herbert, ein Drama von Thomas Stuber, der beim letzten Toronto Film Festival seine Erstaufführung feierte und der zweite Film des jungen Regisseurs ist. Der Film erzählt die Geschichte eines Boxers, der seine glorreichen Zeiten in DDR-Leipzig feierte und jetzt, dreißig Jahre später, einer neurologischen Krankheit den Kampf ansagt und versucht, seine Tochter und Enkelkinder zurückzuerobern. Der Hauptdarsteller Peter Kurth nahm die Trophäe für den Besten Hauptdarsteller entgegen.

Der Preis für den besten Spielfilm in Bronze wurde an ein weiteres Drama, 4 Könige, vergeben. Bei dem Film handelt es sich um den ersten Film von Theresa von Eltz, die in Großbritannien studierte, und handelt von einem Weihnachtsfest, das vier Jugendliche in einer Jugendpsychiatrie verbringen. Er gewann bereits den Preis für den besten Spielfilm beim Filmfest Rom 2015.

Die Überraschung des Abends war Laura Tonke, die in zweierlei Hinsicht gewann, nämlich als beste Hauptdarstellerin für Hedi Schneider steckt fest und zudem als beste Nebendarstellerin für Mängelexemplar.

Die restlichen technischen Preise gingen an Ein Hologramm für den König, den neuen Film von Tom Tykwer mit Tom Hanks als Hauptdarsteller, während die Filmmusik von Alexandre Desplat für Wim Wenders neuen Streifen Every Thing Will Be Fine die Lola, den sogenannten deutschen Oscar bekam. Die neue Version von Heidi –der am 9. Juni in den chilenischen Kinos kommt- wurde als Bester Kinderfilm gewählt und der Beste Dokumentarfilm war Above and Below, der auch für seine Bildgestaltung ausgezeichnet wurde.

Alles in allem: Preise, die vorhersehbar waren, keine großen Namen, eine herausragende Schauspielerin und viele Filme, die es in unseren Breiten noch zu entdecken gibt, was wir hoffentlich im Rahmen des nächsten SANFIC und anderen chilenischen Festivals meistern werden.

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