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“Verfehlung” – ein stechender Blick auf die Schuld

Der Film versteht sich als Gegenpart zu dem Oscar-Gewinner „Spotlight“, aber erlaubt gleichzeitig einen tiefen Einblick in die Schuld als auch den individuellen Schmerz der Opfer.
 

Verfehlung © Pascal Schmit
Drei Freunde spielen Fußball und trinken Bier. Sie teilen den gleichen Humor und das gleiche Leid. Jakob, Dominik und Oliver bilden ein Trio wie viele andere. Im Gegensatz zu anderen sind die drei jedoch jungen Priester und einer von ihnen, Dominik, wird von der Polizei wegen Verdacht auf sexuellen Missbrauch von Minderjährigen verhaftet. Ab diesem Moment an, zeigt uns der Film Verfehlung Jakobs angsterfüllte Suche nach der Wahrheit, der lieber an die Freundschaft glaubt, bis die Fakten den Horror unleugbar machen.

Der Titel des Filmes ist schwierig zu übersetzen: Verfehlung bedeutet „error“, aber im Englischen wurde er zu The culpable übersetzt. Auf Spanisch heißt er Desliz, was näher am Original liegt. Die große Leistung dieses deutschen Filmes des Regisseurs Gerd Schneider ist, daß er von Jakobs Zweifel ausgeht, etwas, das letztendlich sehr schwierig zu filmen ist. Schneider weist eine dem Protagonisten ähnliche Biografie auf: er studierte Theologie in Bonn und Wien und absolvierte mehrere Praktika im Seelsorge-Bereich, unter anderem in einer Vollzugsanstalt. Diese Nähe zum Thema – welches er bis aufs Tiefgründigste beschreibt – verleiht dem Film eine Aura der Wahrhaftigkeit. Sicherlich gibt er sich wie der Gegenpart zum Oscar-Gewinner Spotlight, betrachtet dabei aber das Thema aus einem anderen Winkel und zwar sowohl mit Mut, als auch mit viel Zurückhaltung und Respekt gegenüber dem Schmerz der Opfer. Das, was Spotlight nur andeutet, wird hier direkt, auch mit Barmherzigkeit, angesprochen.

Eines der wertvollsten Elemente dieses deutschen Filmes, ist ohne Zweifel die schauspielerische Leistung der drei Protagonisten. Keiner der drei Freunde ist wirklich unschuldig. Sebastian Blomberg (Zeit der Kannibalen) als Jakob, eine sehr starke Figur, die mit dem Gewissen kämpft und dabei die ganze Gefühlspallette durchgeht, ist sehr solide. Kai Schumann spielt Dominik, der von der Verneinung zum Ende der Unschuld geht, und Jan Messutat verkörpert die Figur des Olivers, der als Priester lieber Karriere in der Amtskirche macht, die verleugnende Haltung der Kirche repräsentiert und eher den Skandal als die Wahrheit fürchtet.

Der Film beinhaltet außerdem einen Einblick in den Schmerz der Opfer und ihrer Familien. Dies ist ohne Zweifel ein aktuelles Thema und Verfehlung entfaltet alle Kanten des Themas, aber mit Ehrlichkeit und Eleganz. Dafür erhielt er in Deutschland den Preis der Filmkritik 2016 als bestes Erstlingswerk. Dies ist ein Film, den es sich lohnt zu sehen, sich damit auseinander zu setzen und den das Goethe-Institut im Rahmen von SANFIC 12 im August präsentieren wird.

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