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La Casa Lobo: lang erwartete Premiere auf der Berlinale

La Casa Lobo
© Diluvio

Nach fünf Jahren Arbeit werden Cristóbal León und Joaquín Cociña im Forum des Berliner Filmfestivals die Weltpremiere ihres ersten Spielfilms feiern. “ Das ist der Ort, an dem wir sein wollten,” so die Autoren dieses originellen Stop-Motion-Films über die Gräuel der Colonia Dignidad.

Cristóbal León und Joaquín Cociña kommen aus der Welt der visuellen Künste und wurden zu Filmemachern. Zunächst mit Kurzfilmen wie den erfolgreichen Lucía (2007) und Luis (2008), die mehrere internationale Preise gewonnen haben und nun, zehn Jahre später, feiern sie auf der Berlinale die Prämiere ihres ersten Spielfilms, La Casa Lobo, der ebenfalls in Stop-Motion-Technik gedreht wurde. Der Film ist die Vollendung dieses Dreiteilers, der Kindheits-Ängste und Horror-Elemente in Kindermärchen erforscht und ein weiteres für sie interessantes Thema aufgreift: die Vorliebe, die es in Chile schon lange für die deutsche Kultur gegeben hat und ihr Verhältnis zur Diktatur. In diesem Zusammenhang analysiert der Film das Phänomen Colonia Dignidad auf originelle und düstere Weise. Es ist der einzige chilenische Film der diesjährigen Berlinale, abgesehen von der argentinisch-chilenischen Koproduktion Marilyn. Bevor sie nach Deutschland zur Prämiere reisen, haben wir uns mit den Schöpfern des Films, Cristóbal León und Joaquín Cociña, und der Produzentin Catalina Vergara unterhalten.

- Wie kam es zur Auswahl des Films für die Berlinale?

Catalina Vergara: Der Film wurde von Christian Terhechte ausgewählt; er ist für das Forum des Festivals zuständig. Eigentlich war Javier Martín, Berlinale-Beauftragter für einige lateinamerikanische Länder, dem Film schon seit zwei Jahren auf der Spur. Auch James Lattimer von der Kommission der Berlinale hat ihn empfohlen.

Cristóbal León: Das ist der Ort, an dem wir sein wollten - wegen der Beziehungen zwischen Chile und Deutschland.

- Werden Sie die Post-Produktion in Deutschland durchführen?

Cristóbal León: Ja, und zwar weil sie Prozesse beinhaltet, die wir in Chile nicht durchführen können, wie den Film auf 16 mm zu übertragen und neu zu digitalisieren.

Joaquín Cociña: In der Zwischenzeit sind wir in Chile dabei, das Sounddesign abzuschließen. Bei den Stimmen wird deutsch und spanisch gemischt, gesprochen von Amalia Kassai und von Rainer Krause. Uns hatte eine männliche Stimme gefehlt, die beide Sprachen beherrscht. Eines Tages waren wir in einem chinesischen Restaurant, da habe ich Rainers Stimme gehört und wusste sofort, dass er der richtige Schauspieler ist. Er ist sehr professionell.

- Als ich Sie 2016 interviewt habe, haben Sie gerade mit Amalia die Tonspur aufgenommen und hatten vor, Ende desselben Jahres uraufzuführen.

Joaquín Cociña: Wir haben dieser Produktion vier oder fünf Jahre gewidmet. Cristóbal hatte 2011 die Idee zu der Geschichte, als er gerade in Deutschland war, und später haben wir sie dann gemeinsam geschrieben. Schon vorher hatten wir Themen zur Diktatur behandelt. Wir hatten Interesse daran, die Konzentration des Bösen an isolierten Orten zu erörtern, und das, in Verbindung mit der chilenischen Vorliebe für die deutsche Kultur, hat uns zum Thema Colonia Dignidad geführt. 70% der gesamten Produktion wurde in Museen und Galerien durchgeführt, und die Produzenten wussten das. Das Werk sollte 2017 auf der Biennale für neue Medien präsentiert werden, aber wir mussten um eine Verlängerung bitten.

- Hat sich bei einer so langen Produktionszeit auch die Idee des Films mit der Zeit geändert?

Cristóbal León: Ja. Am Ende haben wir ein Rollenspiel gemacht. Der Film stellt dar, was Paul Schäfer getan hätte, wenn er ein sehr seltsamer Walt Disney gewesen wäre.

Joaquín Cociña: Genau. Es ist so, als handele es sich um einen Film, der in der Colonia Dignidad gefunden wurde. Während der Produktion wurden Änderungen vorgenommen und es entstand Walt Disneys Schloss aus Müll.

Catalina Vergara: In Wirklichkeit handelt es sich um eine komplette Sequenz-Aufnahme in Stop-Motion, weshalb es nur eine Montagemöglichkeit gibt.

- Wann wird die Premiere von La Casa Lobo in Chile stattfinden?

Cristóbal León: Wir hoffen, im Oktober auf dem Filmfestival von Valdivia (FICV) zu sein, was uns weitere Türen öffnet.

Catalina Vergara: Parallel dazu wird es zwischen dem 30. Oktober und dem 15. Dezember eine Ausstellung zum Film im Kulturzentrum GAM geben. Die Idee ist, dass es auch Gesprächsrunden, wie bei der letzten Ausstellung in Matucana 100, gibt und weitere Personen hinzugefügt werden, die vorher nicht teilnehmen konnten. Außerdem wird es ein Buch über den Realisierungsprozess von La Casa Lobo geben.

Joaquín Cociña: Wir sind visuelle Künstler, die zu Filmemachern geworden sind. Für uns ist es etwas ganz natürliches, parallel zu dem Kinostart eine Kunstinstallation im GAM zu entwickeln.  Wir haben vom CNCA (Kulturministerium) einen Fonds erhalten, um, parallel zu den Vorführungen in den Kinos, die kreative Entwicklung und Durchführung des Films als Installation zu erarbeiten. Diese Installation werden wir im GAM zeigen, weil dort viele Menschen hingehen.

Cristóbal León: Während wir den Film gemacht haben, haben wir in unserer Ausstellung weitere Ausstellungen gezeigt, und das würden wir jetzt auch gerne tun. Deshalb ist unsere Kunstausstellung ein ganz kleines Kulturzentrum.

Joaquín Cociña: Wir mögen es, wenn uns diese Situationen außer Kontrolle geraten.
 

Über La Casa Lobo:
Der Film wurde in der Produktionsphase seit 2011 unterstützt durch “Résidences / Cinéma d’animation” Abbaye De Fontevraud (Frankreich), 2012 durch den CORFO und 2014 durch den FONDO AUDIOVISUAL CNCA.
Die Ausstellungen während der Filmproduktion wurden veranstaltet in:
- Upstream Gallery, Amsterdam, Niederlanden.
- Kampnagel / Hamburg Sommer Festival, Hamburg, Deutschland.
- Museo Nacional de Bellas Artes , Santiago de Chile (im Rahmen der Medienbiennale).
- Galería A2, Santiago de Chile.
- MAMBA, Museo de Arte Moderno de Buenos Aires, Argentinien.
- MAC – Quinta Normal, Santiago de Chile.
- Centro Cultural de España, Santiago de Chile.
- Galería Macchina, Santiago de Chile.
- Casa Maauad, Mexiko-Stadt, Mexiko.
- Balmaceda Arte Joven, Santiago de Chile.
- Matucana 100, Santiago de Chile.
 
Über Cristóbal León und Joaquín Cociña:

Cristóbal León (1980) studierte Design an der Universidad Católica de Chile und verbrachte 2009 als DAAD-Stipendiat ein Jahr an der UdK (Universität der Künste) in Berlin. Danach war er in Amsterdam, wo er sich mit Joaquín Cociña (1980) zusammenschloss. Joaquín Cociña absolvierte seinen Abschluss ebenso an der Universidad Católica und ist als Autor, Illustrator und Bühnenbilddesigner für Theater aktiv. Gemeinsam mit Niles Atallah (1978) kreierten sie ihre ersten animierten Kurzfilme im Stop-Motion-Modus, Lucía (2007) und Luis (2008), sowie die Videos Nocturno de Chile, für die sie sich durch die Romane Roberto Bolaños inspirieren ließen. Die drei unterhalten gemeinsam die Produktionsfirma Diluvio. Das Duo León & Cociña produzierte ebenso El Arca, El Templo, y Padre. Madre., alle aus dem Jahr 2011 und mit Figuren aus Pappmaché. Außerdem produzierten sie experimentelle Videoclips für Sängerinnen wie Camila Moreno. Für Lucía gewannen sie zwischen 2007 und 2010 diverse internationale Preise. La Casa Lobo ist ihr erster Spielfilm und erlebt seine Weltpremiere im Forum der Berlinale haben.

Sobre Catalina Vergara:
 
Catalina Vergara
(1981) ) ist die Leiterin und Produzentin von Globo Rojo Films, die sie 2009 gründete und mehrere Filme von José Luis Torres Leiva unterstützt hat (Ana’s Dream, The wind knows I’m coming home – beide  2016; See and listen in 2014). Zusammen mit Cristián Soto machte sie den Dokumentarfilm The last station (2012), der am Wettbewerb in DOK Leipzig, unter anderen Festivals, beteiligt war, und wurde von dem deutschen Philip Gröning (Die grosse Stille) koproduziert.

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