Deutsche Share Economy „Unser Haus, unser Auto, unser Weihnachtsbaum“

Die Blüten der deutschen Share Economy
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Statt Produkte zu verkaufen, animieren weltweit immer mehr Unternehmen ihre Kunden zum Mieten, Tauschen oder gar Verschenken. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Start Ups, die dem Motto des Teilens folgen. Hier ein Überblick vom Auto bis zum Weihnachtsbaum: Die sieben schönsten Blüten der deutschen Share Economy.

In Deutschland gibt es rund 200 Start-Ups bei denen der sogenannte „Co-Konsum“ – das gemeinsame Konsumieren – im Geschäftsmodell verankert ist. Der Erfolg solcher Unternehmen überrascht wenig, wenn man einen Blick in die Statistik wirft. Eine Umfrage des GfK-Vereins hat ergeben, dass sich rund 43 Prozent aller Befragten vorstellen können, über Share-Plattformen etwas zu verleihen. 46 Prozent würden auf diesem Wege auch selbst etwas leihen oder mieten.

Es gibt allerdings große Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Nur rund 30 Prozent der über 60-jährigen haben Interesse am Teilen – bei den 14 bis 29-jährigen sind es über 60 Prozent. Der Unterschied lässt sich durch die Tatsache erklären, dass junge Deutsche immer größeren Wert auf Flexibilität legen. Wer in fünf Jahren dreimal die Stadt oder das Bundesland wechselt, möchte keinen tonnenschweren Hausrat im Gepäck haben. Wer im nächsten Jahr auf Weltreise gehen will, der schafft sich kein Auto und erst recht keine Wohnung an.

Laut einer zweiten Studie des Nachhaltigkeits- und Politikprofessors Harald Heinrich sind Deutsche nicht nur prinzipiell an der Share Economy interessiert, über 20 Prozent nehmen auch aktiv daran teil. Aber was genau teilen, tauschen und konsumieren sie eigentlich miteinander?
 

  • Autos und andere Mitfahrgelegenheiten Foto: Colorbox
    Autos und andere Mitfahrgelegenheiten

    4 Millionen Deutsche nutzen einen Carsharing-Dienst und entsprechend zahlreich sind die Anbieter. Sie heißen „Autonetzer“, „tamyca“ oder „Carzapp“, um nur einige zu nennen. Wer von A nach B will, ohne selbst ein Auto zu fahren, wendet sich an Services wie „DeinBus“, „Flinc“, „Mitfahrgelegenheit“ oder „Pockettaxi“.
  • Dienstleistungen Foto: Colorbox
    Dienstleistungen

    Auf dem Portal „Wir.de“ können nicht nur Gegenstände geliehen, getauscht und geteilt werden, sondern auch Tätigkeiten wie Gartenpflege, PC Support, Nachhilfeunterricht oder Kinderbetreuung. Die Betreiber der Seite zielen darauf ab, Kontakte zwischen Nachbarn knüpfen, die sich sonst überhaupt nicht kennengelernt hätten.
  • Essen Foto: Colorbox
    Essen

    Das Projekt „Foodsharing“ rettet Lebensmittel, die sonst auf dem Müll landen würden und verteilt sie kostenlos weiter. Das Essen stammt oft von kommerziellen Anbietern, die ihre Ware aufgrund von kleinen Mängel nicht mehr verkaufen können. Es kann aber auch aus Haushalten stammen, die zum Beispiel vor dem Urlaub zuviel eingekauft haben. Die Verteilung läuft über das Internet und lokale „Fairteiler“-Stellen. Am häufigsten wird Brot, Gemüse und Obst gerettet.
  • Gebrauchsgegenstände Foto: Colorbox
    Gebrauchsgegenstände

    Wer nach Dingen sucht, die er vermutlich nur selten braucht und nicht kaufen will, ist bei Anbietern wie „Frents“, „Leihdirwas“ und „Gnibbles“ gut aufgehoben. Die Auswahl reicht von Navigationsgeräten, Konsolen, Beamern, Gesellschaftsspielen und Hanteln bis zu Kettensägen und Betonmischern. „Leihdirwas“ macht sogar mit einem Darth-Vadar-Kostüm Werbung für sein Sortiment und bietet Versicherungen für die angebotenen Produkte an.
  • Kleidung und Schmuck Foto: Colorbox
    Kleidung und Schmuck

    Auf den Bereich der Mode hat sich der „Mädchenflohmarkt“ spezialisiert. Dort können Nutzer den Inhalt ihrer Kleider-, Schuh- und Schmuckschränke miteinander tauschen. Außerdem gibt es in Großstädten wie Berlin und Hamburg mindestens eine sogenannte „Kleiderei“, wo vor Ort Kleidungsstücke ausgeliehen werden können, die auf Kleiderständern ausgehängt sind – fast wie in einem Geschäft also.
  • Souvenirs Foto: Colorbox
    Souvenirs

    Die Gründer von „Bringwasmit“ haben das Ziel, Produkte aus aller Welt über Privatreisende an Deutschland zu bringen. Wer sich etwas wünscht, was es nur im Ausland gibt, kann auf der Seite nach Leuten suchen, die in das jeweilige Land reisen und diesen Gegenstand mitbringen können. Anders herum funktioniert es auch: Wer auf reisen ist, kann lokale Produkte anbieten. Oft wünschen die Mitglieder sich spezielle Süßigkeiten, Getränke, Kleidung oder landestypische Tassen von Starbucks.
  • Weihnachtsbäume Foto: Colorbox
    Weihnachtsbäume

    Eigentlich ist es verwunderlich, dass es den Dienst „Happy Tree“ erst seit Kurzem gibt, denn er passt perfekt in die deutsche Share Economy: Wir brauchen ihn genau einmal im Jahr und werfen ihn danach schweren Herzens wieder auf die Straße. Bei „Happy Tree“ aber werden getopfte Tannenbäume direkt ins Haus geliefert und nach Weihnachten wieder abgeholt. Danach erholen sich die Bäume in einer Baumschule, damit sie im nächsten Jahr wiederverwendet werden können.