Wolfgang Bauer im Gespräch mit Wladimir Malakhov Über das Meer

Wolfgang Bauer
© Heinz Heiss/Suhrkamp Verlag

Vor unseren Augen spielt sich eine doppelte humanitäre Katastrophe ab: Der syrische Bürgerkrieg fordert nach wie vor zahllose Menschenleben. Millionen Syrer sind auf der Flucht. Einige von ihnen wagen von Ägypten aus die Überfahrt nach Europa. Bei diesem Unterfangen sterben Jahr für Jahr hunderte Menschen, das Mittelmeer ist damit die gefährlichste Seegrenze der Welt.

Wolfgang Bauer, „Zeit“-Reporter und Autor des Buches „Über das Meer. Mit Syrern auf der Flucht nach Europa“ hat syrische Flüchtlinge begleitet. In ihren Verstecken in Ägypten, im Boot, auf den Straßen Europas. Im Rahmen der globalen Vortragsreihe „Kritikmaschine“ schildert er die Schicksale, die sich hinter den abstrakten Zahlen verbergen, und die dramatischen Umstände der Flucht. Ein authentisches Dokument und zugleich ein leidenschaftlicher Appell für eine humanitärere Flüchtlingspolitik. „Ich bin Journalist, nicht Aktivist“, sagt Wolfgang Bauer.


„Ich bin ein Geschichtenerzähler und ich versuche, so genau und – wenn man so will – auch so wahrhaftig zu erzählen, dass sich der Leser in meine Protagonisten einfühlen kann, dass er wirklich glaubt, in ihrem Körper, in ihren Köpfen zu stecken. Es ist wichtig, diese Einzelschicksale zu zeigen, begreiflich zu machen, warum Menschen fliehen und was sie hier erhoffen. Das kann im Journalismus nur die Form der Reportage. Und dafür muss man als Reporter vor Ort sein. Ich gehe bei meiner Themensuche selten von Thesen aus, sondern von den Geschichten Einzelner.“ Auf den Vortrag von Wolfgang Bauer antwortet Prof. Dr. Wladimir Malakhov, Moscow School of Social and Economic Sciences.

Wolfgang Bauer, geboren 1970, arbeitet für die Wochenzeitung „Die Zeit“. Für seine Reportagen wurde er u. a. mit dem Katholischen Medienpreis und dem Prix Bayeux-Calvados des Correspondants de Guerre ausgezeichnet. Im Suhrkamp Verlag erschien zuletzt „Über das Meer. Mit Syrern auf der Flucht nach Europa“. Das Buch wurde, teilweise mit Unterstützung des Goethe-Instituts, bereits ins Tschechische, Englische und Französische übersetzt. Unter dem Titel „Kritikmaschine“ veranstalten das Goethe-Institut und die Zeitschrift „Kursbuch“ eine globale Debattenreihe zu aktuellen gesellschaftlichen Themen.

Anlass ist das 50-jährige Bestehen der von Hans Magnus Enzensberger gegründeten wichtigsten intellektuellen Plattform. Die Veranstaltungsreihe versucht unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch bringen, sie will nach neuen Antworten suchen – und nach neuen Fragen.