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24 Stunden in Frankfurt: jenseits der Finanzhauptstadt

Frankfurter Skyline
© Anna Sukhova

Die Skyline Frankfurts und markante Bauwerke wie der Commerzbank Tower oder das neue Gebäude der Europäischen Zentralbank zieren Postkarten und selbst die Plakate der Linken, und erwecken den Eindruck, Frankfurt sei lediglich eine Börsen- und Finanzenstadt. Doch wer das wahre Frankfurt kennt, weiß, dass sich zwischen Skyline und Börse eine ganz eigene Blockromantik verbirgt. Der vom Deutschrap geprägte Kunstbegriff bezeichnet die Liebe für seine Stadt / seinen Block. Die überzeugte Frankfurterin Natalia Gette erzählt, wie sich die Blockromantik der hessischen Metropole an einem Tag erleben lässt.

Von Natalia Gette

Hafenpark und Montez

Das „Montez“ in Frankfurt © Anna Sukhova
Ein Tag in Frankfurt kann überall beginnen. Wir starten ihn im Osten, im Stadtviertel Ostend, wo sich der Ostendhafenpark befindet: Skateboard-Anlagen, offene Yogastunden, Basketballplätze, junge Leute, alte Leute, Familien, Kinder, erste Dates, vielleicht auch letzte Dates. Im Sommer finden hier viele kleine Open-Airs statt, Flohmärkte und Kunstmärkte. Ganzjährig geöffnet hat das Montez beziehungsweise der Kunstverein Familie Montez. Dort passiert vor allem Kunst. Aber auch andere Dinge, wie die Konzerte „Jazz Montez“, Yoga, Lesungen oder Partys. Ganzjährig begleitet vom Ausblick auf die Europäische Zentralbank, der so viele Selfies ziert.

Ein wichtiges Festival ist die Sommerwerft, ein Open-Air-Festival, das internationale Künstler und Musiker lockt und dennoch in einem kleinen, familiären Format gehalten ist, etwas alternativ, etwas hip, etwas verrückt. Das ganze Festivalgelände besteht aus kleinen bunten Waggons, Tipis und Zelten, mit jeweils unterschiedlichem Programm: Sportaktivitäten, Musik, Kunst, Theater, Performance, Film und natürlich Essen und Trinken. Mein besonderer Geheimtipp ist die Matroschka-Bar, wo es kleine russische Häppchen gibt. Und Wodka.

Eiserner Steg, Portikus und Museumsufer

Der „Eiserne Steg“ in Frankfurt © Anna Sukhova Ganzjährig lässt es sich am Main in Richtung Innenstadt spazieren. Das rechteckige, rote Gebäude auf der Alten Brücke ist übrigens der Portikus, ein Ausstellungsraum für junge Künstler, primär aus der renommierten Städelschule. Der Eintritt ist frei, bei Vernissagen wird Wein ausgeschenkt und die Musik aufgedreht. Die nächste Brücke heißt Eiserner Steg. Sie ist die älteste Fußgängerbrücke Frankfurts und verbindet das Museumsufer mit dem Dom und dem Römer, also dem historischen Stadtkern.

Das Museumsufer setzt sich zusammen aus 30 Museen entlang des Mainufers, die alle zu Fuß abgelaufen werden können. Hier findet jeder Kunstkenner oder -liebhaber etwas für sich: Von historischen Museen über das Deutsche Filmmuseum, das Museum Angewandte Kunst bis zum Deutschen Architekturmuseum ist eine große Bandbreite abgedeckt.

Am letzten Augustwochenende findet hier jedes Jahr das Museumsuferfest statt. Das ganze Mainufer entlang spielen diverse Bands, es gibt Kinder- und Familienveranstaltungen und weitere kulturelle Programmpunkte. Aber das Allerwichtigste ist: Die Museen haben dann verlängerte Öffnungszeiten und präsentieren sich unter einem besonderen Motto.

Übrigens findet jeden Samstag im Wechsel am Museumsufer oder Osthafen ein Flohmarkt statt, auf dem viel Vintage und Secondhand verkauft und gekauft wird.

Altstadt, Schirn und Badias

Frankfurter Altstadt © Anna Sukhova Frankfurt hat nicht nur eine Skyline, sondern auch eine Altstadt: der Dom und der Römer, die so viele Touristenfotos zieren, wurden zwar – wie so vieles in Frankfurt – während des Zweiten Weltkriegs zerbombt, aber wiederaufgebaut. Ein kleiner Tipp für alle, die auf Glühwein und Weihnachtsmärkte stehen: Der Weihnachtsmarkt zwischen Dom und Römer ist ein Muss! Er befindet sich etwas versteckt und abgelegen von dem Hauptweihnachtsmarkt auf der Einkaufsstraße Zeil. Mit der schönen Altstadtkulisse und einem riesigen Tannenbaum im Zentrum ist er jedoch ein richtiges Highlight.

Der zweite Teil der Altstadt, der lange rekonstruiert worden ist, wurde erst im Frühjahr 2018 eröffnet. Er befindet sich direkt hinter der Schirn Kunsthalle und dem Badias-Café. In der Schirn finden nicht nur Ausstellungen, das Kinderprogramm MINISCHIRN und Musikschulunterricht statt, sondern auch die SCHIRN AT NIGHT – eine Party mit Kunst, Drinks und angesagten DJs. Im Badias lohnt es sich, die ganze Speisekarte auszuprobieren: ein leckerer Mix aus Frankfurt und Tel Aviv mit einem unbezahlbaren Blick auf die Altstadt. Inhaberin Badia und ihre Crew sind jederzeit bemüht, es den Gästen so gemütlich zu machen wie bei sich zu Hause.

Kleinmarkthalle und Mona Lisa

Frankfurter Kleinmarkthalle © Anna Sukhova
Nicht weit vom Dom lohnt es sich die vielen Stufen zu besteigen, um einen Blick auf Frankfurt über den Dächern zu ergattern. Dort steht die Kleinmarkthalle – das reinste Feinschmecker-Paradies. Von traditioneller Frankfurter Küche über exotische Feinkost bis zu handgebackenen Köstlichkeiten findet hier jeder Gourmet und jede Naschkatze etwas für sich. Nicht vergessen: In der zweiten Etage wartet eine Terrasse, auf der sich der Tag grandios mit einem Glas Wein ausklingen lässt.

Weiter die Straße entlang liegt die Mona Lisa, fast so wie bei da Vinci, nur besser. Mit roten Wänden, Drinks und einer Traumcrew: Mutter und Tochter führen diese Bar und sind immer mit einem offenen Ohr hinter beziehungsweise auch mal vor dem Tresen anzutreffen.

Trinkhallen

Das „Yokyok“ in Frankfurt © Anna Sukhova Frankfurter Trinkhallen sind das Pendant zu Küchen in Studenten-WGs. Sie haben immer genug Bier und Äppler, sind meistens rund um die Uhr geöffnet und für jedermann eine kleine Oase. Für alle, die noch nicht in den Genuss eines guten Frankfurter Äpplers gekommen sind: Das ist ein traditionelles, alkoholhaltiges, erfrischendes Getränk, das aus Äpfeln hergestellt wird. Es gibt Äppler in den Varianten: klassisch, süß gespritzt (mit Sprite gemischt) oder sauer gespritzt (mit Mineralwasser).

Der Trinkhallenkultur sind keine Grenzen gesetzt. So entstehen die wildesten und kreativsten Ideen, wie sich die eigene Trinkhalle gestalten lässt. Mit Sofas und Sesseln, mit Kaffee und Kuchen, Kitsch und Glitzergirlanden oder wie das gute alte Yokyok: mitten im Bahnhofsviertel, mit einem kleinen Ausstellungsraum im Hinterzimmer und ganz viel Kultstatus. Das Yokyok ist das Paradebeispiel für eine Szene-Trinkhalle (mittlerweile gibt es auch ein Yokyok 2.0, in der Nähe der Mona Lisa). Man trifft sich vor dem Yokyok schnell auf ein Bier, ein Glas Wein oder Äppler und steht auf der Straße mitten im Bahnhofsviertel.

Clubs mit Frankfurter Techno

Hafen in Frankfurt © Anna Sukhova
Ab Ende der 1980er- bis in die frühen 90er-Jahre galt Frankfurt, zusammen mit Berlin, als die deutsche „Techno-Hauptstadt“. Wichtige Meilensteine setzte Sven Väth, der viele Male als bester Techno-DJ ausgezeichnet wurde, seine Karriere im Frankfurter Techno-Milieu anfing und schon bald den legendären Club Dorian Gray (1978–2000) im Frankfurter Flughafen unterhielt. Im Dorian Gray erlebte der Frankfurter Techno quasi seine Geburtsstunde und wird oft mit dem Konzept des ebenso legendären Nachtclubs „Studio 54“ in New York verglichen, das von Andy Warhol geleitet wurde.

Zwar hat das Dorian Gray, so wie die meisten Clubs, die den Techno auf die Welt brachten, Geschichte geschrieben, leider aber schon wieder zugemacht. Die Szene jedoch ist nicht ausgestorben, ganz im Gegenteil! Heute hat Frankfurt sehr viele Off-Locations zu bieten, beispielsweise Künstlerateliers oder verlassene Gebäude, die für Techno-Raves verwendet werden, oder so genannte Pop-Up-Clubs, die lediglich für eine Session die Türen öffnen. So bleibt die Szene jung und dynamisch. Angesagte Clubs sind jedoch nicht vom Aussterben bedroht. Das beweisen „Robert Johnson“ und „Hafen 2“ im angrenzenden Offenbach am Main. Oder das Tanzhaus West in Frankfurt, wo man auch sonntags um 10 Uhr morgens noch hinkommt zum Tanzen. Der Yachtklub ist ebenfalls einen Besuch wert. In diesem alternativen Boot-Club wird nicht nur Techno gespielt, hier finden auch Konzerte statt.

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