Mein Ort in Deutschland

Mein Ort in Deutschland Goethe-Institut
Mein Ort in Deutschland

Wer schon einmal im Ausland war, weiß: Die schönsten Erlebnisse warten nicht unbedingt an touristischen Attraktionen. Auch eine Parkbank, ein unscheinbares Stadtviertel oder ein verwunschener Hauseingang können unvergesslich bleiben. Mit dem Wettbewerb „Mein Ort in Deutschland” sucht das Goethe-Institut jetzt ihre persönlichen Sehnsuchtsorte: Bis zum 30. April können alle, die nicht aus Deutschland kommen und mindestens 18 Jahre alt sind, auf www.goethe.de/meinort ihre Geschichte teilen. Die schönsten 80 Beiträge werden als Buch veröffentlicht. Als Hauptgewinn winkt eine Reise nach Deutschland.

„Mein Ort in Deutschland” lädt Menschen ein „ihren” Ort in Deutschland vorzustellen − und viele weitere Orte mit den Augen anderer Menschen zu entdecken. Noch bis zum 30. April 2016 haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wettbewerbs die Möglichkeit, auf der Seite www.goethe.de/meinort ihre Texte auf Deutsch oder in ihrer jeweiligen Muttersprache zu veröffentlichen und auf einer interaktiven Landkarte zu verorten. Der Wettbewerb richtet sich an alle, die nicht gebürtig aus Deutschland stammen und mindestens 18 Jahre alt sind. 

Die 80 spannendsten, lustigsten oder originellsten Texte werden vom Hueber Verlag als Buch veröffentlicht. Eine hochkarätige Jury kürt außerdem die 10 finalen Kandidaten für den Hauptpreis, über den ab Juni alle registrierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf www.goethe.de/meinort entscheiden. 

Wer das Publikum am meisten überzeugen kann, gewinnt eine Reise für zwei Personen an einen Ort seiner Wahl in Deutschland. 

Alle, die keine deutschen Muttersprachler sind, und sich trotzdem trauen, ihre Geschichte auf Deutsch zu erzählen, können auf einen kostenlisten Online-Sprachkurs des Goethe-Instituts hoffen, der unter allen Beiträgen auf Deutsch verlost wird. 

Weitere Informationen und Teilnahme unter:
www.goethe.de/meinort 

Ein unscheinbares Haus ist für Michail Rudnitskij unendlich wertvoll. Hier wurde sein Vater geboren – doch das musste lange Zeit geheim bleiben. Hast du einen Ort, der mehr für dich bedeutet, als der äußere Schein erahnen lässt? 

Das Geburtshaus meines Vaters

Mein Ort in Deutschland heißt Köthen in Sachsen-Anhalt. Das ist der Geburtsort meines Vaters Konstantin Rudnitskij, der als Theaterhistoriker nicht unbekannt ist. Die genaue Anschrift lautet Eduardstraße 34 − unter dieser Adresse hat mein Vater als Kind die ersten Jahre seines Lebens verbracht. Aber in sowjetischen Nachschlagewerken ist als sein Geburtsort Keidaniai angegeben, eine Stadt in Litauen, wo mein Vater im Prinzip geboren werden konnte, weil seine Eltern aus Litauen stammten. Doch 1919 gingen sie nach Deutschland, weil der Vater meines Vaters eben in Köthen in der damals berühmten Technischen Hochschule studieren wollte. Später kam die Familie in die UdSSR, wo sie Ende der 1930er-Jahre den Repressalien unterlag: mein Großvater wurde erschossen, meine Großmutter musste acht Jahre im KZ bei Magadan absitzen. 

Im Chaos der ersten Kriegsmonate hat mein Vater so getan, als ob er seinen Pass verloren hätte und sich einen neuen Geburtsort erfunden, was ihm vielleicht sein Leben gerettet hat. Das alles hat er mir später erzählt, als meine germanistischen Interessen sich abzeichneten. Sein Deutsch war inzwischen halb vergessen und gar nicht fehlerfrei, aber die Aussprache immer noch authentisch und für mich sehr beneidenswert. Schon nach seinem Tode hat mir das Standesamt Köthen auf meine Anfrage die Geburtsurkunde meines Vaters zukommen lassen, nach ein paar Jahren ergab sich endlich die Gelegenheit, den Geburtsort meines Vaters auf der Durchreise kurz zu besichtigen. Kahle Straßen, fast menschenleer, wie mit dem Lineal gezogen, das Gebäude der technischen Hochschule riesig und düster neben den umringenden kleinen Häusern, das Haus in der Eduardstraße 34 auch winzig, obwohl zweistöckig. Liebenswürdigerweise wurde ich sogar reingelassen, kannte aber die Wohnungstür sowieso nicht, durfte vom Fenster aus die Ansicht des Flickengartens genießen. Nicht der erfreulichste Ort auf Erden, mir aber unendlich wichtig. 

www.goethe.de/meinort