Ausstellung und Journal Ferngespräche. Heinrich Böll und Lew Kopelew

Ferngespräche. Heinrich Böll und Lew Kopelew © Michail Poljakov/Goethe-Institut

Do, 13.09.2018 -
Mi, 31.10.2018

Goethe-Institut St. Petersburg

Nab. Reki Moiki 58
190000 St. Petersburg

Herbst 1962. In Moskau trifft eine deutsche Schriftstellerdelegation ein. Unter den Reisenden ist Heinrich Böll. Einige seiner Bücher sind, zu dieser Zeit, bereits ins Russische übersetzt und in sehr hohen Auflagen gedruckt. Später (1972) wird er den Nobelpreis erhalten. Böll trifft den Germanisten Lew Kopelew, der seinerseits viel geschrieben hat aber sehr wenig veröffentlichen konnte; später, nach seiner Ausreise ins unfreiwillige deutsche Exil (1980), wird Kopelew als „Humanist und Weltbürger“ (Reinhard Meier) einer der populärsten russischen Intellektuellen in Deutschland. Böll und Kopelew beginnen eine lange, über 20 Jahre währende Korrespondenz. In ihr geht es um Bücher und Schicksale, um prominente „Dissidenten“ wie Alexander Solschenizyn und Andrej Sacharow, um Literatur und Politik. Der Briefwechsel Böll und Kopelew ist eine bewegende Erzählung – von einer langjährigen Freundschaft, und von den deutsch-russischen Kulturbeziehungen in komplizierten Zeiten.
 
Anastasia Patsey
„Die Ausstellung ist nach Art eines Archivs angelegt, doch anstelle archivischer Strenge sind wir den Prinzipien der Offenheit und Interaktivität gefolgt. Allmählich wird eine Geschichte entfaltet, die sich leicht liest und die interessant ist.“
 
Günther Hasenkamp
„Ganz klar – diese Korrespondenz ist einmalig. Kein anderes deutsch-russisches Schriftsteller-Duo des 20. Jahrhunderts hat einen so umfänglichen, zwanzig Jahre umspannenden Briefwechsel hinterlassen. Briefe und Postkarten, die von Ost nach West und von West nach Ost versendet werden. Irgendwann kommen Telefonate hinzu, und über die Jahre entsteht ein Gespräch. Allerdings ein „Ferngespräch“ unter erschwerten Umständen. (…) Warum und wie sollte oder könnte man dieses Material (…) heute lesen? Wer waren diese beiden Autoren, damals, als die Berliner Mauer gerade erst gebaut war, ein „Eiserner Vorhang“ (allerdings kein blickdichter) Europa und sogar die ganze Welt in zwei Teile schnitt?“
 
Konstantin Asadowski
„Heute kann man rückblickend sagen: Die Werke Bölls, die in der UdSSR in enormen Auflagen erschienen, wurden im Kontext des Chruschtschowschen Tauwetters zu einem der markantesten literarischen Ereignisse jener Epoche, die voller begeisterter (sich leider nicht erfüllender) Hoffnungen war und nur etwa acht Jahre andauerte – bis zur Amtsenthebung Chruschtschows im Oktober 1964. Die Begegnung eines Millionenpublikums sowjetischer Leser mit den Werken Bölls wurde als eine Neuentdeckung Deutschlands wahrgenommen.“
 
Johannes Voswinkel
„Die Sowjetunion war Böll gut bekannt. Er ließ sich nicht von ihren Losungen blenden. Seine Sympathie galt vor allem den Menschen im Land. Eine besonders tiefe Freundschaft verband ihn mit Lew Kopelew, einem Gefährten in Humanität und Kompromisslosigkeit.“
 

Kuratorin
Anastasia Patsey
 
Journal
Zur Ausstellung erscheint ein Journal in russischer und deutscher Sprache mit Texten und Abbildungen.

Aus dem Inhalt:
Anastasia Patsey, „Ferngespräche“ in der Bibliothek des Goethe-Instituts St.Petersburg
Günther Hasenkamp, Ferngespräche. Heinrich Böll und Lew Kopelew
Johannes Voswinkel, Gefährten in Humanität. Heinrich Böll und Lew Kopelew
Konstantin Asadowski, Heinrich Böll und die sowjetischen „Dissidenten“
 
Das Journal ist ab September 2018 kostenlos im Goethe-Institut erhältlich.

Kontakt:
info-spb@goethe.de
 
Öffnungszeiten
Goethe-Institut St. Petersburg
Bibliothek
Nab. reki Mojki 58, Erdgeschoss
Dienstag     15:00–19:00
Mittwoch     15:00–19:00
Donnerstag 11:00–19:00
Freitag        11:00–17:00
Samstag     14:00–17:00

Ausstellungseröffnung
Donnerstag, 13.09.2018 um 19:00 Uhr
Grußworte: Anastasia Patsey, Konstantin Asadowski,
Günther Hasenkamp
Musik: Vladimir Volkov, Vjatscheslav Gajvoronskij
 
Veranstalter
Goethe-Institut St. Petersburg in Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung Moskau

Am 17. Oktober findet im Filmstudio „Lenfilm“ die Filmvorführung „Der Dichter und seine Stadt: F. M. Dostojewski und St. Petersburg“ nach dem Drehbuch von Heinrich Böll statt. Die Filmvorführung ist Teil des Projekts „Ferngespräche. Heinrich Böll und Lew Kopelew“. Mehr

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