Ausstellungen@Goethe
Boston

Form und Landschaft: Bauhaus in Neuengland

Die Ausstellung FORM und LANDSCHAFT: Bauhaus in Neuengland – Fotografie von Mark Römisch sollte Anfang April eröffnet werden, wurde jedoch aufgrund von COVID-19 verschoben. Infolgedessen bewegen wir uns jetzt online und teilen verschiedene Einblicke in das Projekt und die daraus resultierende Ausstellung (die im März noch aufgehängt werden konnte). Über den nächsten Wochen hinweg stellen wir weitere Materialien rein. Schauen Sie regelmäßig nach Updates!

 

  • Im Auditorium: Kugel/Gips House, Wellfleet, MA | Fotografie von Mark Römisch Foto: Mark Römisch
  • Im Auditorium: Kohlberg House, Wellfleet, MA | Fotografie von Mark Römisch Foto: Mark Römisch
  • Im Auditorium: Kugel/Gips House, Wellfleet, MA | Fotografie von Mark Römisch Foto: Mark Römisch
  • Im Treppenaufgang: Kugel/Gips House, Wellfleet, MA | Fotografie von Mark Römisch Foto: Mark Römisch
  • Im Treppenaufgang: Gropius House, Lincoln, MA | Fotografie von Mark Römisch Foto: Mark Römisch
  • Im Treppenaufgang: Breuer House, Wellfleet, MA | Fotografie von Mark Römisch Foto: Mark Römisch
  • In der Rezeption (1. Etage): Private Residence, Six Moon Hill, Lexington, MA | Fotografie von Mark Römisch Foto: Mark Römisch
Das Projekt begann im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum des Bauhauses in 2019. Unser Ziel war es, die besondere Verbindung und gegenseitige Anziehungskraft zwischen dem Bauhaus und Neuengland mit einem Fotoessay zu visualisieren. Der Fotograf Mark Römisch verbrachte ein Jahr damit, die in Massachusetts gelegenen Bauhaus-Schätze zu erforschen und zu fotografieren. Mark gelingt es mit seinem künstlerischen Fotoessay, die Essenz dieser Gebäude in Wellfleet, Lincoln und Lexington, und ihre Bewohner, einzufangen. Wir laden Sie ein seine Fotografien im Goethe-Institut Boston (hoffentlich ab Herbst, erstmal auf unsere Webseite), online unter Form and Landscape: Bauhaus in Neuengland und in ein Buch, das auf der Website von Mark Römisch erhältlich ist, zu besichtigen.

Im Klassenzimmer: Hatch Cottage, Wellfleet, MA | Fotografie von Mark Römisch Foto: Mark Römisch Mark Römisch Foto: Mark Römisch Mark Römisch, geboren 1974 in Köln, ist ein deutscher Fotograf, Schauspieler und Theaterregisseur. Seine künstlerischen Arbeiten thematisieren häufig abstrakte Themen. Dabei hat seine langjährige Arbeit als Schauspieler und Theaterregisseur einen prägenden Einfluss auf die narrative und abstrahierende Bildsprache in seinen fotografischen Arbeiten, die sich zwischen dokumentarischen und fiktionalen Ansätzen bewegen.

Wir haben Mark Römisch nach dem Projekt, seiner Herangehensweise an die Fotografie und vielem mehr gefragt:

Was haben Sie bei der Arbeit an dem Projekt 'Form und Landschaft' über das Bauhaus gelernt, von dem Sie vorher nicht wussten?

Es war faszinierend, etwas über die lebendige Gemeinschaft von Kreativen, Intellektuellen und Bauhäusler zu lernen, die sich Ende der 1930er Jahre auf Cape Cod versammelten. Die Designer unter ihnen schufen mit einfachen Mitteln Häuser für sich, ihre Freunde und ihre Kunden. Walter Gropius und Marcel Breuer hatten bereits ihre Familienhäuser nebeneinander in Lincoln gebaut, wo sie das ganze Jahr über lebten. Aber es war in den abgelegenen Kiefernwäldern am Cape Cod, wo die Gruppe von Flüchtlingen und ihre Freunde ihre Sommer verbrachte. In Gemeinschaft mit der Natur, bei Spaziergängen durch den Wald und bei Festen tauschten sie Ideen aus, die ihre berufliche Arbeit beeinflussten. Als ich diese außergewöhnlichen Orte der Einsamkeit am Cape Cod erkundete, bekam ich ein Gefühl für die Inspiration, die Gropius und seine Kameraden dort gefunden hatten.

Was hat Sie an der Bauhaus-Architektur, die Sie in Neuengland entdeckt haben, am meisten überrascht?

Der Kontrast zwischen den scharfen Linien der modernen Architektur und der rauen Natur Neuenglands und wie die Designer es schafften, dass die Innen- und Außenbereich verschwommen, faszinierte mich sofort. Ich näherte mich diesem Projekt, ohne ein vorgefasstes Konzept im Auge zu haben. Ich hatte einige Ideen, aber nichts hat geklappt. Einige dieser Orte, wie das Gropius-Haus selbst, wurden schon mehrfach fotografiert. Mir wurde für dieses Projekt eine gewisse künstlerischer Freiheit gewährt, weswegen ich zusätzliche Zeit in den Häusern verbrachte, damit ihre Atmosphäre ihre Magie entfalten konnte. Die Integration des Menschen in die Natur zu erleben, die die Designer im Sinn hatten, hat mich beeindruckt, das hatte ich nicht so erwartet. Letztendlich entwickelte sich auf dieser Weise das visuelle Thema des Projekts.

Für mich ganz persönlich war das Projekt auch eine Reise in die Vergangenheit. Ich bin außerhalb von Köln in einem modernen Haus aufgewachsen, das mein Vater mitgestaltet hat. Das Wohnzimmer hatte eine große Schiebetür zur Terrasse draußen. Ich bin seit über 25 Jahren nicht mehr in diesem Haus gewesen. Als ich das Weidlinger House auf Cape Cod fotografierte, bemerkte ich eine Schiebetür wie die im Haus meines Vaters. Der Rahmen, der große Drehgriff, jedes Detail sah ähnlich aus. Als ich die schwere Tür öffnete, gab der Schiebemechanismus ein sehr charakteristisches Geräusch von sich, das mich direkt in meine Kindheit zurückversetzte. Faszinierend, wie das Geräusch einer Schiebetür eine emotionale Reaktion auslösen kann.

Arbeiten Sie lieber mit Schwarzweiß- oder Farbfotos? Was bringt Sie dazu, das eine über den anderen zu wählen?

In meiner Arbeit gibt es Platz für beide. Wenn ein Motiv besser für Farbe oder Schwarzweiß geeignet ist, gehe ich anders vor. Trotzdem ist Schwarzweißfotografie meine bevorzugte Wahl für meine Kunstfotografien. Wir sehen in Farbe; wenn wir ein Graustufenfoto sehen, gibt es uns einen Grund, anzuhalten und das Bild etwas länger zu betrachten. Die ältesten Fotos sind in Schwarzweiß, und wir verbinden ein Gefühl der Zeitlosigkeit mit diesen Bildern. Wenn wir mit einer Farbe konfrontiert werden, ruft dies eine emotionale Reaktion hervor, die auf unseren Assoziationen mit dieser Farbe beruht. Durch Reduzieren der visuellen Informationen, bzw. durch Entfernen der Farbe in einem Bild kann ich die Aufmerksamkeit des Betrachters auf Details wie Form sowie Licht und Schatten innerhalb der Komposition lenken.

Das Arbeiten in Schwarzweiß als Fotograf verändert die Art und Weise, wie man Motive wahrnimmt. Es fordert eine andere, abstraktere visuelle Denkweise, eine Herausforderung, die ich sehr schätze. Die Struktur und die räumlichen Beziehungen haben Vorrang, und Formen, Linien, Texturen und Kontraste werden stärker hervorgehoben. Für "Form und Landschaft" wusste ich gleich zu Beginn des Projekts, dass es in Graustufen fotografiert werden muss. Ich wollte diese Häuser als Zeitkapseln für die Ideen des Bauhauses bewahren und mich auf den Charakter des modernen Designs konzentrieren.

Sie haben sich sehr auf dieses Projekt gefreut. Was hat dich daran fasziniert? Welche Geschichte erzählen Sie mit dieser Ausstellung?

Das Bauhausdesign und die Ästhetik der modernen Architektur waren für mich immer sehr ansprechend und inspirierend. Als mich das Goethe-Institut mit diesem Projekt ansprach, musste ich nicht zweimal darüber nachdenken.

Ein Foto kann uns auf eine Reise zu Orten mitnehmen, die wir sonst nie sehen könnten. Die Möglichkeit zu haben, das Publikum durch meine Bilder zu diesen einzigartigen Orten in Neuengland zu führen, ist was ich am Fotografieren liebe. Der Umfang des Projekts ermöglichte es mir, eine visuelle Erzählung darüber zu erstellen, wie die Bauhaus-Architektur und die wilde Natur Neuenglands eine wahrnehmbare Allianz bilden. Gleichzeitig geben die Bilder dem Betrachter genügend Raum, um sich ihre eigenen Geschichten vorzustellen.

In meinem Buch über das Projekt schreibt der Fotokritiker Collier Brown: "Die Kamera nähert sich dem Gebäude, wie sich ein Hirsch ihm nähern könnte: vorsichtig, Abstand halten. [...] Die Betonung auf Begegnung zwingt uns, mit dem formalen, funktionalen Raum im Zusammenhang mit den barocken Verzierungen der Natur, zu verhandeln." Ich liebe Browns Assoziation hier, da sie mein Gefühl während des Fotografierens perfekt einfängt. Dieses Gefühl der Begegnung möchte ich mit meinem Publikum teilen.

Sie sind Schauspieler und Fotograf. Wie sehen Sie die Vereinigung dieser beiden sehr unterschiedlichen Kunstformen in Ihrer Praxis? Und glauben Sie, Ihre schauspielerische Seite hat dieses Projekt in irgendeiner Weise informiert oder beeinflusst?

Sowohl die Schauspielerei als auch die Fotografie erfordern ein ausgezeichnetes Ortsgefühl. Wenn ich anfange zu arbeiten, nehme ich mir Zeit, um meine Umgebung, das Bühnenbild oder den Ort zu erkunden und zu fühlen. Es beeinflusst meine Einstellung zu dem jeweiligen Projekt und inspiriert meinen Ansatz, einen überzeugenden Dialog zwischen mir und meinem Gegenüber herzustellen.

Für "Form und Landschaft" wohnte ich einige Tage im Kugel/Gips-Haus auf Cape Cod. Nach der ersten Nacht hatte ich eine klare Vorstellung davon, wie ich mit dem Projekt fortfahren wollte. Ich wusste, dass der Dialog zwischen meiner Kamera und den Häusern die Landschaft Neuenglands einschließen musste.

Haben Sie einen Lieblingsort in Neuengland, an dem Sie gerne abhängen?

Nantasket Beach! Dieser zerklüftete Strand südlich von Boston ist mein Lieblingsort für Entspannung und Inspiration. Im Sommer ist es ein guter Ort zum Surfen und der perfekte Ort, um den farbenfrohen Mikrokosmos der Bostoner zu beobachten. Im Winter kann ich stundenlang am einsamen Strand zwischen den eisigen Atlantikwellen und malerischen Strandhäusern spazieren gehen. Viele meiner Projekte nehmen auf diesen Spaziergängen Gestalt an. Außerdem bietet es einen spektakulären (und sehr fotogenen) Sonnenuntergang und wahrscheinlich die beste Eisdiele südlich von Boston.